Leo Kaplan

von Leon de Winter

Derzeit nicht lieferbar

Übersetzung: Hanni Ehlers
Verlag: Diogenes
Genre: Rezensionen
Seiten: 542 Seiten
Erscheinungsdatum: 01.01.2001

Rezension aus FALTER 12/01

Männer um die 40.
Leon de Winters "Leo Kaplan" wird aus der Lebensbahn geworfen.

Was für ein armes Schwein! Zwei Ehen sind gescheitert, diverse Affären im Sand verlaufen, wichtige Konten gesperrt, weil das Testament seines Vaters vorsieht, dass der Sohn fünfzehn Jahre auf den Geldregen warten soll. Und selbst seine eigenen Quellen scheinen versiegt: Vormals ein gefeierter Schriftsteller, steckt er nun in einer Krise. Kurz und gut: Im Leben des Leo Kaplan läuft alles schief.

Einmal mehr ein neuer Roman von Leon de Winter. Ganz frisch ist er nicht mehr. "Leo Kaplan" ist vor 15 Jahren in den Niederlanden erschienen und nicht mehr, als er zu sein vorgibt: ein packender, mitunter etwas geschwätziger Unterhaltungsroman mit berührenden Momenten.

Leo Kaplan tut sich selbst leid. Gleichzeitig spürt er, wann er seine Fassung verloren hat: als seine Jugendliebe Ellen an ihm vorbeigerauscht ist. Er hat nicht reagiert, ihr nur sprachlos hinterhergestarrt. Seither ist nichts mehr im Lot. War Ellen nicht einst sein Garten Eden gewesen? Eine Schickse, wie Leos Eltern monieren. Die beiden kämpfen umeinander - und verlieren sich durch eine Serie von Missverständnissen wieder aus den Augen. "Er suchte nicht nach ihr, verliebte sich in andere Frauen und lernte, mit einer Narbe auf der Seele zu leben. Doch einer Krokodilsseele sieht man nicht an, was Narbe ist und was angeborene Hässlichkeit."

Klingt melodramatisch. Aber gerade das ist der Roman, den Hanni Ehlers findig übersetzt hat, dann doch nicht. Dieser Kaplan platziert sich mit viel Selbstironie auf der Couch, um dort locker vor sich hinzuplaudern. Wenn man dem Buch etwas vorwerfen möchte, dann ist es die Unmenge an Geschichten und Anekdoten, die er auffährt. Müssen wir das alles wissen? Dass Klopapier in Nicaragua knapp ist und sich ein gewisser Harry Mulisch, schlicht Foolish genannt, mit seiner Urknalltheorie blamiert hat?

Dranzubleiben lohnt sich trotzdem. Das Schicksal wills, dass sich Ellen und Leo ein weiteres Mal begegnen. Ihrer letzten gemeinsamen Nacht geht ein Gespräch voraus, in dem sich die beiden wieder annähern. Diese Szene gehört zum Besten, was de Winter je geschrieben hat. Das ist psychologische Feinarbeit, eine erzählerische Raffinesse, wie man sie bei ihm oft vermisst hat.

Susanne Schaber in FALTER 12/01 vom 21.03.2001 (S. 9)