Gehirn und Geist
Wie aus Materie Bewusstsein entsteht

von Gerald M. Edelman, Giulio Tononi

€ 27,70
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Übersetzung: Susanne Kuhlmann-Krieg
Verlag: Beck, C H
Einband: Hardcover
Genre: Sachbücher/Natur, Technik/Naturwissenschaft
Seiten: 368 Seiten
Erscheinungsdatum: 21.02.2002

Vier Fragestellungen sind in diesem Buch von zentraler Bedeutung: Wie entsteht Bewußtsein überhaupt? Welche Vorgänge des Gehirns sind für die bewußte Erfahrung verantwortlich? Wie schlagen sich die subjektiv unterschiedlichen Erfahrungen in den Gehirnprozessen nieder? Wie läßt sich das wissenschaftliche Verständnis von Bewußtsein mit der ungeheueren Vielfalt menschlicher Wissens- und Erfahrungsformen verknüpfen?
In Gehirn und Geist legt eines der prominentesten Forscherteams ein Bewußtseins-Konzept vor, das die neueren Ergebnisse der empirischen Hirnforschung berücksichtigt. Liebhaber einseitiger Positionen werden mit den Antworten Edelmans und Tononis allerdings ihre Schwierigkeiten haben. Denn obgleich ein zentrales Argument dieses Buches lautet, daß Bewußtsein aus gewissen Arrangements innerhalb des Gehirns hervorgeht, so wehren sich seine Autoren doch gegen die Vorstellung, das Gehirn arbeite wie ein Computer. Die Einzigartigkeit jedes einzelnen Geistes, so betonen sie, werden wir mit wissenschaftlichen Mitteln allein nie völlig verstehen können.

Rezension aus FALTER 12/2002

Drei Neurobiologen erläutern in zwei Büchern, warum die Willensfreiheit allem Anschein nach eine Illusion ist und warum unser Gehirn nach dem Prinzip spontaner Gruppengymnastik arbeitet.

Aristoteles verortete den Sitz des Denkens noch im Herzen, das Gehirn galt damals, vor mehr als 2000 Jahren, als eine Art Kühlaggregat. Heute sind wir klüger und wissen, dass das Herz eine Saugpumpe ist. Und nur noch in romantischen Augenblicken fallen wir in den alten Aristotelismus zurück. Die Frage nach dem Ort des Denkens ist von den Neurowissenschaften gelöst worden. Denken findet im Gehirn statt und sonst nirgendwo. Allerdings gibt es noch jede Menge altehrwürdiger Probleme, denen die Neurowissenschaften bis vor kurzem eher ratlos gegenüber standen.
Eines davon ist die Frage nach der Freiheit unseres Willens, die für den französischen Aufklärer Jacques Rousseau die "Grundbestimmung des Menschen" war, für den deutschen Philosophen Martin Heidegger hingegen die "Ermöglichung von Wahrheit als Entbergung des Seienden". Was Heidegger damit meinte, weiß niemand so genau. Aber zumindest vermutet man, dass er recht hatte. Betrachtet man das Rätsel des freien Willens aus der Perspektive der experimentellen Wissenschaften, wird einiges klarer – zumindest beim Bremer Neurobiologen Gerhard Roth, der in seinem Buch "Fühlen, Denken, Handeln" dieser Problematik ein Kapitel gewidmet hat. Im Jahr 1983 hatte der US-amerikanische Neurobiologe Benjamin Libet eine Idee, wie man die Frage nach der Freiheit experimentell testen könnte. Das Prinzip war einfach: Versuchspersonen mussten spontan einen Finger der rechten Hand bewegen. Der Versuchsleiter maß die Zeitdifferenz zwischen dem subjektiven Willensakt und dem neurologischen Korrelat der Bewegung, dem so genannten Bereitschaftspotenzial. Das Ergebnis war eindeutig: Das Bereitschaftspotenzial trat immer vor dem Willensentschluss auf. "Was auch immer der Willensentschluss tut, er löst jedenfalls nicht das Bereitschaftspotenzial aus", so Roth. In jüngster Zeit wurden die Libet'schen Versuche in verfeinerter Form wiederholt, das Ergebnis war jedoch dasselbe. Unsere subjektiv empfundene Willensfreiheit ist offenbar nichts als eine Illusion. Diese Erkenntnisse könnten – zumindest auf den ersten Blick – weitreichende Konsequenzen für unser Rechtssystem haben, denn dieses baut bekanntlich auf der Freiheit des Individuums auf. Aber in der Praxis wird sich wohl nicht viel ändern. Denn der naheliegenden Verteidigungsstrategie des Straftäters "Ich konnte nicht anders – wie Libet bewiesen hat" könnte jeder Richter mit den Worten begegnen: "Ich kann auch nicht anders: Höchststrafe."Ein anderes kniffliges Problem haben sich vor kurzem die Hirnforscher Gerald M. Edelman und Giulio Tononi vorgenommen. In "Gehirn und Geist" schlagen sie eine Lösung für das so genannte Bindungsproblem vor. Beim Bindungsproblem geht es um die Frage, wie unser Gehirn ein stabiles Bild der Welt erzeugt. Das ist insofern ein komplexes Problem, als z.B. Informationen über Form, Farbe und Bewegung eines Objekts im Gehirn in räumlich getrennten Arealen bearbeitet werden. Aber trotzdem erleben wir sie als zusammenhängend. Anhand von Computersimulationen zeigen sie, dass für die Konzertierung verteilter Informationen kein übergeordnetes Steuerungszentrum notwendig ist. Das Gehirn arbeitet eher nach dem Prinzip der spontanen Gruppengymnastik. Funktional zusammengehörige Neuronengruppen synchronisieren sich selbstorganisiert – und agieren somit "gebunden". Edelmans und Tononis Buch fehlt allerdings über weite Strecken jene sprachliche Klarheit, die Gerhard Roths Arbeiten auszeichnet. Aber vielleicht schreibt der Bremer Neurowissenschaftler ja auch einmal ein Buch über das Bindungsproblem.

Robert Czepel in FALTER 12/2002 vom 22.03.2002 (S. 26)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Fühlen, Denken, Handeln (Gerhard Roth)

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