Murakami und die Melodie des Lebens
Die Geschichte eines Autors

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Verlag: DuMont
Erscheinungsdatum: 01.01.2004

Rezension aus FALTER 46/2004

Mittlerweile ist es auch schon wieder mehr als neun Jahre her, dass in der Zeitschrift, die Sie gerade lesen, die erste ausführliche Besprechung der drei bis dahin ins Deutsche übersetzten Bücher von Haruki Murakami erschienen ist. In der Zwischenzeit ist der Mittfünfziger auch hierzulande zum Kult- und Bestsellerautor avanciert - ein Status, den er in weiten Teilen Ostasiens, aber auch im englischsprachigen Raum längst innehatte. So sind in seiner Heimat Japan längst weit mehr Bücher über den postmodernen Erzählstar erschienen als von ihm, was angesichts der verblüffenden Produktivität dieses Autors schon was heißt.

Aber auch im Ausland wurden die Murakamiologen bereits aktiv. Zum Beispiel sein US-amerikanischer Übersetzer Jay Rubin, dessen Annäherung an das Leben und Werk des kosmopolitischen Japaners unter dem eigenwilligen Titel "Murakami und die Melodie des Lebens" nun auch auf Deutsch vorliegt. Der Harvard-Professor macht gleich zu Beginn klar, dass sich seine im Übrigen erfreulich unakademische Beschäftigung mit Murakami auf Sympathie gründet, was der Gründlichkeit und Differenziertheit der Analysen keinen Abbruch tut. Besonders aufschlussreich sind Rubins Ausführungen zum Thema der Übersetzung, zumal eines der besten Bücher, "Mister Aufziehvogel", nach Rubins leicht gekürzter englischer Fassung ins Deutsche übertragen wurde, wogegen sein Schöpfer übrigens gar nichts einzuwenden hatte.

Murakami selbst hat jede Menge Literatur aus dem Englischen ins Japanische übersetzt: von F. Scott Fitzgerald bis Raymond Carver. Eine Carver-Geschichte findet sich auch in dem von Murakami herausgegebenen Erzählband "Birthday Stories", der zu dessen 55. Geburtstag am 12. Jänner dieses Jahres auf Englisch und dieser Tage auf Deutsch erschien. Der Band enthält schnörkellose Erzählungen von teils bekannten, teils noch zu entdeckenden englischsprachigen Autoren sowie eine eigene des Herausgebers und ist zumindest als Geburtstagsgeschenk - nicht nur für Murakami-Fans - bestens geeignet.

Klaus Taschwer in FALTER 46/2004 vom 12.11.2004 (S. 68)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Birthday Stories (Haruki Murakami (Hg.), Helmut Frielinghaus, Herbert Genzmer, Ursula Gräfe, Thomas Gunkel, Marcus Ingendaay, Inge Leipold, Hans-Christian Oeser, Angela Praesent, Benjamin Schwarz)

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