Das Jüdische Echo 2009
Zuhause in Europa

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EAN: 9783854394358
Verlag: Falter Verlag
Umfang: 304 Seiten
Erscheinungsdatum: 01.11.2009

Die Ausgabe 09 steht unter dem Thema „Zuhause in Europa” und beschäftigt sich mit jüdischem Leben in den 27 EU-Ländern sowie mit ivilgesellschaftlichen und anderen aktuellen Themen, wie z. B. der Lage der Roma. In Gesprächen und in Beiträgen von und mit 63 Wissenschaftlern, Journalisten, Schriftstellern, Aktivisten der Zivilgesellschaft und NGOs wird die Frage aufgeworfen, wieweit die Lebensgemeinschaften der vielen ethnischen und religiösen Minderheiten in Europa funktionieren.

Illustration: Cristóbal Schmal


Rezension aus FALTER 50/2009

Wie das Echo nach Leon Zelmans Tod weiterhallt

Das neugestaltete Jüdische Echo widmet sich mit lebendigen und zeitgemäßen Zugängen dem Jüdischsein im heutigen Europa

Leon Zelman hat es 1951 gegründet. Ein Verein führt das "Jüdische Echo" nach seinem Tod weiter – unter der Chefredaktion von Marta S. Halpert. Nun liegt die 58. Ausgabe vor: "behutsam" neu gestaltet, ist es dennoch das alte "Jüdische Echo". Dass sich diese Ausgabe dem "Zuhause in Europa" widmet, ist die Fortsetzung einer Tradition: Jüdischsein wird nicht als herausgehobene Lebensform betrachtet. Jüdischsein als grundsätzlich Normales in der gesellschaftlichen Realität – das war der Ausgangspunkt des "Echo", und das bestimmt auch den neu erschienenen Band.
In ihm geht es vor allem, aber eben nicht nur um jüdische Existenz in Europa. Die Breite des Themas verdeutlicht etwa Steven Bellar in seiner Analyse der Zusammenhänge zwischen einem Europa der Multikulturalität und jüdischer, notgedrungen immer auch multikultureller Existenz in Europa deutlich. Bellar, der sich intensiv mit den Facetten der ausgehenden Habsburger-Monarchie beschäftigt, macht indirekt klar, dass dieses Europa und das multikulturelle Judentum füreinander geschaffen scheinen.

Dass es nicht nur um jüdische Perspektiven geht, demonstriert die Beschreibung der Gewalt gegen Roma in Mittel- und Südosteuropa des Bildungswissenschaftlers Mikael Luciak. Auch Roma waren Opfer des Holocaust. Daher ist eine besondere Sensibilität für Diskriminierung der und aggressive Feindseligkeit gegen Roma Ausdruck auch eines spezifisch jüdischen Verständnisses für unterdrückte Minderheiten.
Die "kritische Betrachtung" der Ex-Außenministerin Ursula Plassnik (ÖVP) zur aktuellen Beziehung zwischen Frauen und Politik in Europa zeigt eine analoge Parallele der Betroffenheit. Frauen sind zwar keine Minderheit, aber der Umgang mit ihnen weist eine Ähnlichkeit auf: Frauen, Juden und Roma sind nicht die gesellschaftlichen Segmente, die Europa dominieren.
Dass dieses Europa aus mehreren Gründen Ziel einer Wanderungsbewegung ist, arbeitet Demograf Rainer Münz heraus. Eben weil die EU insgesamt eine Erfolgsbilanz aufweist, bleibt sie attraktiv. Was für viele als Bedrohung wirkt, ist eine Auszeichnung Europas.
Aus den vielen Fallstudien zu den europäischen Ländern seien vor allem Robert Wistrichs Beitrag über den britischen Antisemitismus und Michael Freunds Schilderung über die widersprüchliche Liebe Finnlands zu Israel herausgegriffen. Wistrich schöpft aus seinem Erfahrungshintergrund – er, der britische Historiker, der an der Hebrew University zu einer auch für Europa wichtigen Forscherpersönlichkeit werden konnte, bringt uns die Entwicklung der Einstellung zum Judentum in Großbritannien näher.
Freund zeigt anhand seines Beitrages über Finnland – das in der Geschichte des europäischen Judentums wie auch in der Geschichte des modernen Antisemitismus fast so etwas wie ein weißer Fleck ist – wie sehr sich europäische Gemeinsamkeiten und nationale Unterschiede zu einem Puzzle europäisch-jüdischer Befindlichkeit mischen.

Marta S. Halperts Interview mit András Biró über Rechtsextremismus in Ungarn thematisiert bedrohliche Tendenzen der Gegenwart. Der ungarische Nationalismus, von der kommunistischen Diktatur für überwunden erklärt, ist besonders präsent. Dass die für die Renaissance des Rechtsextremismus wesentlich (mit)verantwortliche Partei 2010 Ungarn regieren könnte, ist Grund für ernste Sorge.
Der Literatin Anna Mitgutschs differenzierter Vergleich zwischen dem jüdischen Leben in den USA und in Österreich – am Beispiel von Boston und Linz – ruft wieder Österreich ins Blickfeld. Doron Rabinovicis Ausführungen über die
gemeinsamen jüdischen und muslimischen Interessen gegenüber den "Kreuzrittern des Abendlandes" sind ein provokantes Plädoyer für eine Strategie, in der die sich immer mehr auseinanderentwickelnden muslimischen und jüdischen Milieus in Europa finden. Dem Schriftsteller geht es um eine gemeinsame Abwehrhaltung gegen die mal antijüdisch, mal antiislamisch agierenden, ihr Christentum oft bloß vortäuschenden Kreuzritter.
Das "Jüdische Echo" steht für jüdisches Leben in Österreich heute. Es ist nichts Exotisches, das zur Bewunderung freigegeben wird. Deshalb hat dieses jüdische Leben in Österreich – und mit ihm das "Jüdische Echo" – Zukunft. Wen hätte dies mehr gefreut als Leon Zelman?

Anton Pelinka in FALTER 50/2009 vom 11.12.2009 (S. 20)



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