Melodrama

von Lorde

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Label: UNIVERSAL
Format: CD
Genre: Pop englischsprachig
Umfang: 11 Tracks, Gesamtspielzeit 41:04 Min.
Erscheinungsdatum: 16.06.2017

Rezension aus FALTER 26/2017

Jung sein is ka leichte Hack’n

Ihr Debüt war 2013 ein großes Pop-Versprechen. Mit „Melodrama“ löst es die 20-jährige Neuseeländerin Lorde nun ein

Miley Cyrus rudert gerade in größerem Stil zurück. Im Video ihrer aktuellen Single „Malibu“, eines auffrisierten Folkpopsongs mit hohem Wohlfühlfaktor, gibt sie zwischen Strand und Blumenwiese das fröhliche Hippiemädchen in weißem Kleidchen, weißem Pullover und weißem Bikini. Sie knuddelt einen Hund und tanzt mit einem Strauß bunter Luftballons; das perfekte Zahnpastawerbungslächeln der Sängerin komplettiert dieses Manifest mädchenhafter Unschuld.
In Interviews entschuldigt der 24-jährige US-Popstar seinen früheren Hang zur Nacktheit damit, ständig high gewesen zu sein –
was aber natürlich nicht mehr vorkommen solle. Die alte Erklärung war ungleich sympathischer: Auf Daddys Farm sei sie stets nackt herumgerannt, das wäre nun einmal ganz natürlich für sie, sagte Miley zu Zeiten ihres Erfolgsalbums „Bangerz“, dem eine lustige Psychedelikpop-Bastelei folgte, verschenkt im Internet. Nun hat ihre Plattenfirma offenbar zur Ordnung gerufen.

Den Titel als coolstes junges Pophuhn hat sie inzwischen an eine Sängerin mit aristokratischem Namen verloren: Lorde, angelehnt an „Lord“, wie man den Namen auch ausspricht. Lorde ist 20, kommt aus Neuseeland und verkörpert in ihrer kon­trolliert-ruhigen Damenhaftigkeit so etwas wie die Antithese zur knallbunten Skandal-Popgöre. Das eigensinnige Ausscheren aus der Norm verbindet Miley und Lorde aber ebenso wie das Bekenntnis zum Feminismus und das im breitenwirksamen Pop nicht eben alltägliche Festhalten an der eigenen künstlerischen Vision.
Lorde heißt eigentlich Ella Yelich-O’Connor. Mit zwölf Jahren wurde sie bei einem schulischen Talentwettbewerb entdeckt, vier Jahre später stand ihr selbstkomponiertes Lied „Royals“ an der Spitze der US-Charts. Das nicht eben bescheiden „Pure Heroine“ betitelte und gleich fünf Millionen Mal verkaufte Debüt war dann ein ausgesprochen nettes Popalbum, „Ro­yals“ blieb in seiner bezaubernden Schlichtheit aber unerreicht. Vier Jahre später legt die Musikerin nun mit „Melodrama“ – schon wieder so ein Titel! – nach und löst jenes Versprechen ein, das ihr Debüt war. Lorde sei die Zukunft der Musik, hat David Bowie damals gemeint.
Nach dem Tod des britischen Popgottes bedankte sie sich mit einer atemberaubenden Interpretation seines Klassikers „Life on Mars?“ bei der Verleihung des britischen Musikpreises. Zwei Jahre davor war sie als Kurt-Cobain-Ersatz zur Stelle gewesen, als Nirvana in die Rock ’n’ Roll Hall of Fame aufgenommen wurden. Im rosa Anzug sang sie, die Augen geschlossen, die Stimme Ehrfurcht gebietend, „All Apologies“. Am Ende schien Lorde nicht zu wissen, wohin mit den Händen, den Blicken, sich selbst. Das hat sich inzwischen geändert.

Das neue Album trägt dick auf. Tanzbare Hymne und Klavierballade, zerbröselnde Beats und Ohrwurmmelodie, Euphorie und Niedergeschlagenheit, gebündelt in 38 aufregende Minuten. Dazu klassische Themen des Erwachsenwerdens, angenehm unplakativ verpackt: die erste Liebe, die erste Trennung, vernachlässigte Freundschaften, Euphorie und Kater. Rausfinden, was man mit sich anfangen soll, wer man sein möchte – und wie es gehen kann, dieser Jemand zu werden.
„Jung sein is ka leichte Hack’n“, sang die Wiener Band One Family 1971. Das gilt unverändert – und klang schon lange nicht mehr so gut wie auf „Melodrama“.

Gerhard Stöger in FALTER 26/2017 vom 30.06.2017 (S. 35)

  Song-Titel
1.  Green Light 3:55
2.  Sober 3:17
3.  Homemade Dynamite 3:10
4.  The Louvre 4:31
5.  Liability 2:52
6.  Hard Feelings / Loveless 6:07
7.  Sober II (Melodrama) 2:59
8.  Writer In The Dark 3:37
9.  Supercut 4:38
10.  Liability (Reprise) 2:16
11.  Perfect Places 3:42

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