Rammstein

von Rammstein

€ 20,50
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Label: UNIVERSAL
Format: CD
Genre: Rock englischsprachig
Umfang: 11 Tracks, Gesamtspielzeit 46:27 Min.
Erscheinungsdatum: 17.05.2019


Rezension aus FALTER 33/2019

Gebrannte Kinder

Die Show beginnt mit einer Explosion so laut wie Krieg. Schwarzer Rauch über dem Stadion, der unheilvolle Geruch von Salpeter. Aus dem Bühnenboden erscheint der Sänger in Schlangenlederuniform: „Ich kann auf Glück verzichten / Weil es Unglück in sich trägt.“ Zehntausende jubeln.

Ein Vierteljahrhundert nach ihrer Gründung tourt die Berliner Rockgruppe Rammstein erstmals durch die großen Stadien des Kontinents. Seit Mai haben das mehr als 1,2 Millionen Menschen gesehen. Die letzten Konzerte des Jahres spielen sie am 22. und 23. August im Wiener Ernst-Happel-Stadion. Karten gibt es keine mehr.

Der Spritverbrauch der Show ist enorm, es flammt und schießt nach allen Regeln der Bühnentechnik. Fontänen wie Hochhäuser, Mikrofone, Gitarren, Menschen, alles brennt. Ein Aggregat besorgt den Strom, damit den umliegenden Häusern nicht das Licht ausgeht. Opulent wäre eine Verniedlichung, die Show ist total.

Die Bühne erinnert an sozialistische Industrieanlagen. Stahl und noch mehr Stahl. Der Sänger bewegt seinen von Stunts vernarbten Körper im Stechschritt, die fünf Maschinenführer kennen jedes seiner Manöver: Mikrofone sind auch Messer, Puppen sind auch Monster, eine riesige Peniskanone spritzt Schaum auf das Publikum.

Nirgendwo sonst wäre dieser Exzess zu finden. Der Brandsatz namens Rammstein ist in der Stadt, willkommen zur größten Operette der Welt.

Die Band ist eines der bedeutendsten deutschen Kulturgüter, ihre Tourneen sind die erfolgreichsten dieser Sprache. Kürzlich spielten Rammstein vor 80.000 Menschen in Moskau, die Texte sitzen auch bei den Fans in Mexiko und den USA. Richard Wagners Urenkelin Katharina würde sie gerne im Bayreuther Festspielhaus sehen, Russen verwenden das Buch „Rammstein – Lieder für den Deutschunterricht“, ein Asteroid ist nach der Band benannt.

Obwohl sie in der Mitte der Gesellschaft wirken, gehören Rammstein zu den kontroversesten Künstlern Europas. Das Feuilleton findet die stumpfe Musik blöd, die sechs hätten Empörungserzeugung zum Geschäft gemacht. Manche werten das Martialische und das rollende „R“ des Sängers als Vorarbeit für neurechte Bewegungen. Die Lieder, Videos und Auftritte von Rammstein werden bisweilen zum Politikum.

Wer sind Rammstein? Und warum? Manche Antworten darauf finden sich in ihrer Geschichte.

Sie schnallten das Surfbrett auf das „Robur LO 2501“-Mehrzweckfahrzeug, verluden die Lautsprecher, und los ging’s. Im Sommer 1987 spielte die DDR-Punkband Feeling B bei einem Festival in Hohen Viecheln am Schweriner See. Die Musiker blieben eine Woche weg aus Ostberlin, tranken viel, nahmen Ostseefische aus. Eine Nacht feierten sie im Haus eines jungen einheimischen Korbflechters und Schlagzeugers, der leise sprach, wenn überhaupt.

Zu den blondgefärbten Punks von Feeling B gehörten der spätere Rammstein-Gitarrist Paul Landers und der Keyboarder Flake Lorenz. Sie besuchten den wortkargen Handwerker dann öfter. Er hieß Till Lindemann und sollte ihr Sänger werden.

Rammstein sind Söhne der DDR, konkret von vielgereisten Bildungsbürgern – Kinderbuchautoren, Opernregisseuren und Slawisten. Wenigstens die Hälfte der Mitglieder wurden Punks. Die Band Feeling B von Landers und Lorenz und dem charismatischen wie miserablen Sänger Aljoscha Rompe war im ganzen Land bekannt. Sie spielten in besetzten Häusern, verkauften selbstgemachten Schmuck und bekamen von Skinheads eine aufs Maul.

Feeling B war eine anerkannte „andere Band“, Amateurmusiker der „Sonderstufe mit Konzertberechtigung“. Sie spielten sogar eine Platte für das Staatslabel Amiga ein. Die Musiker haben diese Zeit geliebt.

Till Lindemann trommelte bei First Arsch, später wurde der Rammstein-Gitarrist Richard Kruspe ebenfalls ein Arsch. Auch ihre Punkband war genehmigt, weil sie aber keine studierten Profimusiker waren, galt die Arbeitspflicht der DDR. Landers heizte halbtags die Treptower Stadtbibliothek, Lindemann drechselte Schaufelstiele.

Und dann fiel die Mauer.

Die Mitglieder von Rammstein waren vom Westen enttäuscht. Als staatlich anerkannte Punks in der DDR eckten sie an, aber begehrten nicht auf, sie waren eingesperrt, aber spürten doch Freiheit. Der Osten bedeutete ihnen Zusammenhalt, Romantik, im Westen empfanden sie Geiz, Verklemmtheit. Feeling B spielte sogar ein Protestkonzert gegen die Wiedervereinigung. Ihre Sonderstellung war nun dahin.

Anfang der 1990er lösten sich die alten Bands auf, Richard Kruspe suchte etwas Neues. Als Sänger dachte er an Till Lindemann. Der schrieb Gedichte und hatte bei First Arsch die Zugabe gesungen. Ihm gefiel seine Art. Später kamen Lindemanns Bekannte zur Band, die ehemaligen Feeling-B-Punks Paul Landers und Flake Lorenz.

Blieb noch eine Frage: Wer sollte sich für sie interessieren? In der DDR haben Feeling B auf der Bühne mit Farben gepritschelt und ein Konzert nackt gespielt. Till Lindemann hat angeblich Nagetiere in die große Trommel gesperrt. Im Sozialismus schritten sie die Grenzen des Erlaubten ab, jetzt aber gehörten sie der großen Welt an. Die meisten westdeutschen Bands imitierten Engländer oder US-Amerikaner.

Die Idee von Rammstein war radikal: Sie wollten deutsche Musik machen, monoton und schwer, nichts mit Soul. Die eckige Musik sollte ihre Parodie auf dieses Land sein. Der Deutsche klatscht ohnehin immer auf der Eins, warum nicht gleich Hightech-Marschmusik anbieten? Die Melodien waren geordnet, die Refrains Parolen. Zu zwei verzerrten Gitarren kamen Technosounds aus dem Computer. Böse, harte Hymnen sollten das Deutschland, das sie erlebten, hörbar machen. Wie die DDR Feeling B hervorgebracht hat, hat das wiedervereinigte Deutschland Rammstein verursacht.

Im Februar 1994 reichte Rammstein vier Lieder beim Berliner Senatswettbewerb für junge Bands ein und durfte als Preis für die originellste Gruppe eine Single aufnehmen. Ein Jahr später erschien das Album „Herzeleid“, es kam auf Platz 99 der Hitparade.

Mit Bescheidenheit hatte die Band nie zu kämpfen. Als sie die Plattenfirma um Videos fürs Musikfernsehen bat, schlug Rammstein die US-Ikone David Lynch als Regisseur vor. Irgendwann hörte der die zugeschickte CD beim Autofahren und baute gleich zwei Lieder in seinen Film „Lost Highway“ ein. 1998 folgte die erste USA-Tournee von Rammstein. Da standen sie daheim schon an der Spitze der Charts.

Wie eine gute Zaubershow sind auch Rammstein-Konzerte eine Materialschlacht mit Dramaturgie. Laut, leise, sie singen vom Himmel, von der Hölle. Sie führen Chöre wie von Faschisten ein und ironisieren sie im nächsten Moment. An einer Stelle legt der Gitarrist Richard Kruspe eine House-Version des Lieds „Deutschland“ auf, seine Kollegen tanzen dazu wie Roboter. Auch das geht, und das sehr männliche Publikum macht es ihnen gleich.

Nach dem Stoß gegen den Mikrofonständer läuft Till Lindemann Blut von der Stirn. Einmal trägt er dutzende Kilo schwere Flügel, natürlich spucken sie Feuer. Nicht alle Bühnenvisionen des Gitarristen Paul Landers sind mit den Naturgesetzen in Einklang zu bringen. Aber wenn das Unternehmen Rammstein auf Tournee ist, erwarten die Fans Superlative.

Zwei Musiker stehen mehr für Rammstein als die anderen, zwei Radikale: der dürre Keyboarder Flake und der teutonenhafte Sänger Till.

Das Mobbingopfer, der DDR-Beschöniger, der Spaziergänger, der naive Flake. Der anfangs gar nicht bei dieser stupiden Band mitmachen wollte. Er ist es, der heute bei den Konzerten im Kochtopf gegrillt wird. Der auf dem Laufband gehend Keyboard spielt. Als Schelm im Gothictheater gehören Flake die Slapstickmomente.

Und dann der Einsiedler, der Angler und Dichter, der schweigsame Till. Im früheren Leben hätte er, wäre er gehorsamer gewesen, als Leistungsschwimmer zu den Olympischen Spielen 1980 fahren dürfen. Später wohnte er bei seinem Vater in der Dachkammer, spielte mit Ratten und hörte in einem selbstgebauten Riesenschaukelstuhl Bachs Orgelmusik. 2002 erschien ein Gedichtband, 2014 stellte er Plastiken aus.

Auf der Bühne ist Lindemann der mitleidlose Meister, mal Fleischhacker, mal wildes Tier. Seit 1996 besitzt er das Zündelrecht nach Paragraf 20 Sprengstoffgesetz. Er singt die Muttersprache tief, Bühnendeutsch mit Donnergrollen. Seine normwidrigen Texte sind verkaufsfördernd. Er singe immer von der Liebe, sagt er selbst. Damit meint er wohl die schwarze Romantik.

Bei Rammstein kommt das Lied vor der Lyrik, Till Lindemann dichtet auf die schweren Riffs seiner Kollegen. Er ist kein Intellektueller, das unterscheidet ihn von der slowenischen Band Laibach, die als Pate von Rammstein gilt. Lindemann zitiert gerne Märchen, der Wortklang ist ihm wichtig, er reimt aus dem Bauch. „Ich steig dir nach / das Sonnenlicht den Geist verwirrt / ein blindes Kind, das vorwärts kriecht / weil es seine Mutter riecht.“ In den Metaphern verbaut er Widersprüchlichkeiten. Das Glück trägt eben Unglück in sich.

Lindemann sucht an den Sohlen der Seele: Inzest, Kannibalismus, Vergewaltigung, Nekrophilie. Beim Abartigen ist er sachverständig, das zeigt die perverse Perspektive. Meistens singen Rammstein das Lied der Täter. Immer wieder aggressive Erotik, Gewalt und Sex. Jemand leidet, jemand straft. Das hier, wird dem Hörer klar, muss die Rückseite von etwas sein.

Die Lust der Band besteht in der Übertretung. An den Abgründen arbeitet sie sich ab, sie will das Untere des Landes nach oben kehren. „Das klingt jetzt blöd, aber wir halten den Leuten schon den Spiegel vor“, sagte Flake Lorenz einmal. „Sonst will ja keiner mehr böse sein. Also übernehmen wir das.“ Wo Rammstein ist, da ist Alarm. Manchmal trifft das Kalkül, und die Band konterkariert die deutschen Verdrängungstechniken, in anderen Fällen bleibt es beim Ringen um Erwähnung.

Schon die Namensgebung war eine Provokation. Südöstlich des westpfälzischen Ramstein liegt ein Militärflugplatz der US-amerikanischen Luftstreitkräfte. Bei einer Flugschau am 28. August 1988 stürzten dort drei Maschinen der italienischen Kunstflugstaffel Frecce Tricolori ab. Ein Flugzeug schlitterte brennend ins Publikum, 70 Menschen starben. Die Band hatte sich den Namen gemerkt.

1997 fesselten sie im Backstagezelt des norddeutschen Hurricane-Festivals einen MTV-Manager und zündeten eine Rauchbombe an seinem Bein. Am 5. Juni 1999 holten Polizisten Till Lindemann und Flake Lorenz von einem Konzert in Worcester, Massachusetts, ab. Lindemann hatte, wie immer, beim Lied „Bück dich“ mit einem umgeschnallten Dildo Analsex an Lorenz simuliert. Beide schliefen wegen „anstößigen Verhaltens“ im Gefängnis.

Das Lied „Mein Teil“ handelt vom Kannibalen von Rotenburg, „Wiener Blut“ vom Amstettner Josef Fritzl, das Musikvideo zu „Pussy“ ist ein Porno. Manchmal bekommen Rammstein den öffentlichen Aufschrei besonders billig: Wegen der Zeile „Bei dir hab ich die Wahl der Qual / Stacheldraht im Harnkanal“ indizierte die deutsche Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien im Jahr 2009 das Album „Liebe ist für alle da“. Geschäfte durften es nicht mehr bewerben und nur auf Nachfrage an Volljährige verkaufen. Der Platz auf dem Index war Werbung genug: Das Album hat sich mehr als eine Million Mal abgesetzt. So wie alle Rammstein-Alben davor.

„Die Motivation war immer wesentlich“, hat der Gitarrist Paul Landers gesagt, „Ärger machen. Das ist so, und das bleibt so.“ Verletzen sie die Ordnung also nur um der Verletzung willen, oder wollen sie dem Land doch etwas sagen?

Eigentlich hatte Deutschland schon vor über 20 Jahren den Daumen gesenkt. Im Juli 1998 schämte sich das Land für Rammstein. Das gebieterische Gehabe, die stählernen Körper, das rollende „R“ – das Ganze hatte immer streng gerochen, aber jetzt war es amtlich: Rammstein waren Rechte.

Für ein Tributalbum der englischen Popband Depeche Mode hatten Rammstein eine Coverversion des Liedes „Stripped“ aufgenommen. Für das Musikvideo verwendeten sie viele Sequenzen aus dem Film „Olympia“, mit dem die Propagandaregisseurin Leni Riefenstahl im Auftrag Adolf Hitlers die Olympischen Sommerspiele 1936 in Berlin dokumentierte. Nach einer Woche nahm es MTV aus dem Programm.

Eine Gliedmaße wird dann bewusst, wenn sie wehtut. Und das hat gewaltig wehgetan: Eine deutsche Band, die so singt und sich ohne erkennbaren Doppelsinn mit Nazipropangada bewirbt, trifft eine weniger kühne als schwachsinnige Entscheidung. Da half es nicht, dass auch die Entrüstung selbstgefällige Züge hatte. Ab diesem Moment galten Rammstein als Nazis.

Sie seien naiv gewesen, sagten die Bandmitglieder vor kurzem darüber, das Material habe ihnen gefallen, das Video sei ein ästhetisches, kein politisches Statement gewesen. Sie fanden dieses Land nie besonders gut, der Vorwurf des Nationalismus sei kurios. Wirklich gut konnten oder wollten sie sich nie erklären, irritiert von der Kritik gaben sie bald kaum mehr Interviews.

Rammstein antworteten mit einem Lied auf die Debatte über ihre Gesinnung. In „Links 2, 3, 4“ singt Lindemann 42-mal das Wort „links“ und vor dem Refrain: „Sie woll’n mein Herz am rechten Fleck / Doch seh’ ich dann nach unten weg / Da schlägt es links.“

Doch die Zweifel an der politischen Zuverlässigkeit blieben. Deutsche Rocker sollten eindeutig Stellung beziehen und ein wenig Betroffenheit zeigen. Rammstein taten das alles nicht.

Und es war ja wahr: Ihre Ästhetik zieht auch Rechte an. Ihre Texte sind weitgehend vor Fremdwörtern geschützt, ihre Unthemen können auch als „wird man wohl noch sagen dürfen“ gehört werden. Ein Teil ihrer Hörer ist rechts, und vor ihren Bühnen stehen auch AfD-Wähler, die sich an der deutschen Härte erfreuen. Mit dem, was Rammstein als Karikatur Deutschlands erdacht hatten, haben sie bei manchem Hörer einen diffusen Nationalstolz verstärkt.

Vielleicht ist das der Grund dafür, dass sich Rammstein in der laufenden Stadiontournee so deutlich wie nie positionieren. Das politische Bekenntnis „Links 2, 3, 4“ kommt gleich als zweites Lied. „Engel“ spielen sie auf einer kleinen Bühne mitten im Publikum, retour setzen sie in Schlauchbooten auf den Händen der Fans über. Beim Konzert in Frankfurt wartete Till Lindemann dann mit einem „Willkommen“-Schild auf seine Bandkollegen. Im homophoben Polen schwenkten die Musiker Regenbogenfahnen aus den Booten. Im homophoben Russland küssten einander die beiden Gitarristen Paul Landers und Richard Kruspe auf der Bühne.

Heuer im Mai haben Rammstein nach zehnjähriger Veröffentlichungspause ein neues, namenloses Album herausgebracht. Es enthält eine ihrer herausragendsten Arbeiten (das betörend gebrüllte „Puppe“), einen Schlagerrefrain („Radio“) und ein bisschen Ausschussware („Hallomann“). Mächtige Refrains, brutale Gitarren, steile Themen („Ausländer“) und wieder hört man, dass sie große Depeche-Mode-Fans sind.

Über die Jahre hat Till Lindemann wirklich zu singen begonnen, es mischten sich Akkordeons oder Trompeten in die Lieder, aber im Wesentlichen blieben Rammstein-Alben doch gleich: elf Lieder, davon ungefähr vier Aufreger und mindestens eine Ballade. Die Band hat sich strenger Konsenspflicht verschrieben, die Mitglieder entscheiden gemeinsam über jedes Tönchen.

Rammstein haben sich Originalität wachsen lassen und bleiben ihr treu. Die Mitglieder der Urbesetzung sind heute zwischen 48 und 56 Jahre alt und funktionieren noch immer gleich. Gegen alle Einwände. Für die Kritiker ist die Monotonie eine Schwäche, für die Fans eine Stärke.

Natürlich können Rammstein auch nach 25 Jahren noch Ärger machen. Die erste Single des Albums kündigten sie im Frühjahr mit einem Clip an, in dem sie KZ-Häftlinge vor der Hinrichtung spielten. So groß war ihr Hallraum geworden, dass sofort Journalisten, jüdische Verbände und Politiker debattierten: Dürfen die das?

Schon wieder hatten Rammstein die Regeln gebrochen, wie über dieses Land zu sprechen ist. In voller Länge war das Musikvideo dann ein aufregender Kurzfilm über 2000 Jahre konfliktreiche deutsche Geschichte. Lindemann bringt seine gemischten Heimatgefühle zum Ausdruck: „Deutschland – Meine Liebe kann ich dir nicht geben.“ Was beim Riefenstahl-Video zu „Stripped“ missglückte, war nun ein ernsthafter Beitrag zur Erinnerungskultur.

Beim Abgang von der Bühne steckt ein Roadie dem Gitarristen Richard Kruspe eine brennende Zigarette in die Hand. Auf der Leinwand läuft der Showabspann, er listet die Beteiligten, vom Genie der Spezialeffekte, Nicolai Sabottka, bis zum Band-Physiotherapeuten und 66 Lkw-Fahrern.

Vor der Bühne begutachten erschöpfte Fans ihre Wunden. Die zwei Stunden in der Feuerzone sind gefährlich, die Haare versengt, die Augen gereizt. Ein Mitarbeiter verteilt an manche Frauen in der ersten Reihe Bänder für die Aftershowparty. Andere bekommen Sticker: „I survived front row with Rammstein.“

Rammstein muss wehtun.

Lukas Matzinger in FALTER 33/2019 vom 16.08.2019 (S. 26)

Titelliste
1. 
DEUTSCHLAND
5:26
2. 
RADIO
4:38
3. 
ZEIG DICH
4:16
4. 
AUSLÄNDER
3:52
5. 
SEX
3:57
6. 
PUPPE
4:34
7. 
WAS ICH LIEBE
4:30
8. 
DIAMANT
2:34
9. 
WEIT WEG
4:21
10. 
TATTOO
4:12
11. 
HALLOMANN
4:12

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