Nur a Opfe

von Alex Miksch

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Label: Preiser
Format: CD
Genre: Austro Rock
Umfang: 12 Tracks, Gesamtspielzeit 53:04 Min.
Erscheinungsdatum: 15.03.2019


Rezension aus FALTER 11/2019

Weit draußen in der Nacht

Taumeln, strahlen, tanzen: Der Waldviertler Sänger, Dichter und Gitarrist Alex Miksch hat mit „Nur a Opfe“ ein vielschichtiges Meisterwerk vorgelegt

Am Cover des neuen Albums von Alex Miksch sitzt eine Fliege, in jenem Moment ihres Fliegenlebens, in dem sie kurz davor steht, ihre Umgebung als unbedenklich abzuhaken und zu fressen. Ein Rest Anspannung ist noch in der Körperhaltung und in den unverwandt blickenden Facettenaugen zu sehen. Die Fliege sitzt auf einer vergilbend roten Textur, die vieles sein könnte: ein Tongefäß, ein Stein oder, Entschuldigung, eine Arschbacke mit eher unreiner Haut. Der Schriftzug auf der Platte löst das Rätsel: Das hier sei, sagt Alex Miksch, „nur a Opfe“.

Nur ein Apfel: Der zieht sich dann in zahlreichen Inkarnationen durch das von Illustrator Schorsch Feierfeil wunderschön gezeichnete Booklet: einmal ungeboren, als blühender Zweig, dann mit Leidensgenossen gefangen in einem Netz, dann wieder aufgeschnitten mit menschlichem Herzen anstelle des Kerngehäuses, zuletzt halb gefressen, halb verfault, am Ende noch voll morbider Gala.

So waten wir, noch bevor das erste Riff des Albums erklingt, knietief in den Motiven, die das Werk des Songwriters, Sängers und Gitarristen Alex Miksch seit zwei Jahrzehnten ausmachen: kindliche Torheit, jugendlicher Übermut, glühendes Sehnen, glorioses Scheitern, zuletzt schillerndes Vermodern in allen Blue-Tönen des psychedelischen Regenbogens. Sprich das Leben mit seinem entscheidenden Nachteil: der Kürze. Wenn einer das alles in hiesige Dialektsongs gießen kann, dann Alex Miksch.

Einerseits könnte man neidisch werden: Schon wenn er auftaucht, einmal entrisch huschend, dann wieder gedämpft polternd, tendenziell stets am Rand dessen, was grad passiert. Wenn er seine zertrümmerte und doch in Poesie erstrahlende Stimme erhebt, wenn er seinen ersten erratischen Gitarrenton immer so spielt, als wolle er damit einen Wachkomatösen erwecken. Wenn er seine nordösterreichischen Sprach- und Tonbilder vom Werden und Eingehen so eindringlich in die Atmosphäre von Beisln, Clubs, Festivals einschreibt, dass man weinen oder in Ohnmacht fallen könnte. Musiker tragen ihre Glücksbringer oft als Kette: Der Alex ist derjenige, von dem wir Kollegen uns gern erzählen, er sei schon mit dem Mojo um den Hals auf die Welt gekommen.

Andrerseits spürt man an der Dringlichkeit und Verletztheit seiner Lieder, wie weh es immer wieder auch tun muss, so weit draußen in der Nacht zu fliegen wie Alex Miksch.

Die neue Platte, koproduziert vom Waldviertler Musiker und Soundmenschen Alexander Lausch, ist ein Meisterwerk. Kapazunder wie Otto Lechner am schwebenden Akkordeon und Orges Toçe an der Psychobilly-Gitarre spielen mit, Anna Anderluh singt rührende Duette mit Alex Miksch, der Sound grüßt einmal donauabwärts Richtung Goran Bregović und shufflet dann wieder in bester Southern-Rock-Tradition. Es gibt große Songs vom ewigen Vergammeln („Wos Sois“), Moritaten vom archaischen Eskapismus aus der Spießerwelt („Klaa und freindlich“) inklusive der Jahrhundertzeile: „Is des Wossa z has zafoid des Knedl.“ Und es gibt das Königslied. „Des Haus“, die Geschichte eines verfallenden Zinshauses in Mikschens Geburtsort Krems, ein Haus, das zu alt, zu blessiert und zu sehr voll böser Erinnerungen ist, als dass man drinbleiben möchte, „duat wo die Schodn lebn“. Es ist ein Lied wie ein unruhiger Scheinwerfer, der in die Geschichte des Sängers leuchtet. „Des Haus des hod so vüle Gsichta und die Fassad mochd an auf schee.“ Aber: „In dem Haus do liegd a Kind begrobn.“ Miksch erzählt, wie seine Schwester und er vor Jahren ein solches Haus erbten und es weggeben mussten, weil sie seinem Schatten nicht gewachsen waren.

Musikalische Spuren des Alex Miksch führen in die Neunzigerjahre des vorigen Jahrhunderts, als er als Songschreiber und Gitarrist der lokal weltberühmten niederösterreichischen Grungehelden Faust An Der Donau ersten bleibenden Eindruck machte. Nach dem Ende der Band erfand er sich als Bluesmann neu, zog sich jahrelang in die Waldviertler Einschicht zurück und erschuf dort mehr oder weniger im Alleingang das monolithische Album „König der Kröten“ von 2006, dessen Gänsehaut generierendes Titellied das alte Froschkönigmärchen noch einmal erzählt, aus der Perspektive des ungeküssten Lurchs.

Miksch lehrte Gitarre in Tulln, zog nach Wien, dann wieder aufs Land, irgendwann rastete er im dauernden Oszillieren des musizierenden Stadt-Landstreichers ein. Er veröffentlichte, tourte. Und die Legende gedeiht: Die Szene kennt und ehrt ihn längst, die anderen kommen auf den Geschmack. Die Zeit porträtierte Miksch, als er sich Songs schreibend in die Slowakei zurückgezogen hatte, und der Wiener Kritiker Samir Köck schrieb über ihn schöne Sätze wie: „In dieser Kunst gehen Archaik und Sublimation eine überraschend saloppe Komplizenschaft ein.“

Es wäre Zeit für das große Publikum des Alex Miksch. Wenn ich ihn richtig deute, hätte er eh nix dagegen, kann sich aber andrerseits, sorry, nicht selber drum kümmern. Denn er fliegt weit draußen in der Nacht. Doch auf dem romantischsten Stück von „Nur a Opfe“ singt er mit Anna Ander-
luh: „Nosse Schuach, scheissegal, du und i.“ Also keine Angst. Es ist nur ein Apfel.

Ernst Molden in FALTER 11/2019 vom 15.03.2019 (S. 33)

Titelliste
1. 
Wer zum Teife
Miksch, Alex / Moosbrugger, Philipp / Eberle-Marquez, Christian / Anderluh, Anna / Tocc, Orges
4:09
2. 
Vo da valossenen Stodt
Miksch, Alex / Moosbrugger, Philipp / Eberle-Marquez, Christian / Anderluh, Anna / Tocc, Orges
4:21
3. 
Nosse Schuach
Miksch, Alex / Moosbrugger, Philipp / Eberle-Marquez, Christian / Anderluh, Anna / Lechner, Otto
4:18
4. 
Nur a Opfe
Miksch, Alex / Moosbrugger, Philipp / Eberle-Marquez, Christian / Anderluh, Anna / Lechner, Otto
6:01
5. 
Ned so dreckig
Miksch, Alex / Moosbrugger, Philipp / Eberle-Marquez, Christian / Anderluh, Anna / Lechner, Otto
3:46
6. 
Des Haus
Miksch, Alex / Moosbrugger, Philipp / Eberle-Marquez, Christian / Anderluh, Anna / Lechner, Otto
5:32
7. 
Kla und freindlich
Miksch, Alex / Moosbrugger, Philipp / Eberle-Marquez, Christian / Anderluh, Anna / Tocc, Orges
3:41
8. 
Am Zindln
Miksch, Alex / Moosbrugger, Philipp / Eberle-Marquez, Christian / Anderluh, Anna / Tocc, Orges
3:35
9. 
Wos sois
Miksch, Alex / Moosbrugger, Philipp / Eberle-Marquez, Christian / Anderluh, Anna
4:15
10. 
Baby Banane
Miksch, Alex / Moosbrugger, Philipp / Eberle-Marquez, Christian / Anderluh, Anna
3:29
11. 
Ohne Bier
Miksch, Alex / Moosbrugger, Philipp / Eberle-Marquez, Christian / Anderluh, Anna
5:09
12. 
Unbestechlich
Miksch, Alex / Moosbrugger, Philipp / Eberle-Marquez, Christian / Anderluh, Anna / Lechner, Otto
4:48

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