Little Peace Lullaby

von Drechsler,Ulrich/Battaglia,Stefano

€ 20,90
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Label: YELLOWBIRD
Format: CD
Genre: Jazz
Erscheinungsdatum: 27.05.2016


Rezension aus FALTER 16/2016

Nicht ganz so schön ist schöner als ganz schön

Als Siebenjähriger sei er, so erzählt der Schweizer Pianist Lucca Fries, über Monate mit Keith Jarretts „Köln Concert“ im Discman schlafen gegangen. Die Langzeitfolgen davon sind nun auf dem Album „Jangal“ (Traumton, VÖ: 6.5.) zu begutachten, das Fries gemeinsam mit dem Schlagzeuger Jonas Ruther unter dem Bandnamen Hely herausbringt. Die beiden walzen ihre wahlweise minimalistischen, rhapsodischen oder perkussiven Melodiefindungen in weiträumigen Crescendis und wolkigen Progressionen aus. Wenn man richtig verkabelt oder mit den passenden Drogen versorgt ist, mag das durchaus zu tranceartigen Hörerlebnissen führen.
Ähnlich verhält es sich mit „Little Peace Lullaby“ (Enja), das der österreichische Bassklarinettist Ulrich Drechsler
mit dem Mailänder Pianisten Stefano Battaglia eingespielt hat. Sieben der zehn Stücke sind explizit als Schlaflieder ausgewiesen, insofern ist es schlüssig, dass kaum je an der Midtempo- oder Mezzoforte-Marke gekratzt wird. Allerdings wird die reue- und bruchlos exekutierte Ästhetik des exquisit hingetupften Wohlklangs durch einen Mangel an Spannkraft erkauft, was sich ein bisschen so anfühlt, als würde man einem mit Flaumfedern behängten Mobile 52 Minuten lang beim Kreiseln zusehen.
Auch wenn US-Pianist Vijay Iyer, 44, und sein um 30 Jahre älterer Landsmann Wadada Leo Smith an der Trompete ebenfalls recht introvertiert agieren, ist ihr Album „A Cosmic Rhythm with Each Stroke“ (ECM) schon aufgrund des Gegensatzes zwischen Smiths zugleich strahlendem und lyrisch gebrochenem Diskant und Iyers spar-, aber wirksam um elektronische Drones und Klangfarben ergänztem pianistischem Schneegestöber um einiges kontrast-, wenn auch nicht unbedingt abwechslungsreicher. Und doch blitzt in diesen spröden, ja störrischen Improvisationen mehr Poesie auf als in den süffigen Klangschmeicheleien der Kollegen aus der Alten Welt.

Klaus Nüchtern in FALTER 16/2016 vom 22.04.2016 (S. 34)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

A Cosmic Rhythm With Each Stroke (Vijay & Wadada Leo Smith Iyer)
Jangal (Hely)

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