You're Dead!

von Flying Lotus

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Label: WARP
Format: CD
Genre: Electronic/Dance
Umfang: 19 Tracks, Gesamtspielzeit 38:04 Min.
Erscheinungsdatum: 03.10.2014

Rezension aus FALTER 40/2014

Spiel mir den Beat vom Tod

Der US-Elektronikmusiker Flying Lotus hat mit "You're Dead!" ein fantastisches Konzeptalbum produziert

Flying Lotus alias Steven Ellison ist ein spiritueller Typ. Er redet leidenschaftlich über kosmische Verbindungen und große Zusammenhänge. Zu seiner Musik befragt, zitiert er aus dem Tibetanischen Totenbuch – und echauffiert sich über die überzogene Angst des Menschen vorm Sterben. Denn: Der Tod ist erst der Anfang. Da ist sich der 30-jährige Musiker aus Kalifornien sicher. So sicher, dass er dem Thema seine neue, fünfte Platte widmet: "You're Dead!". Ein Konzept­album über das Leben danach.
Ein Konzeptalbum? Richtig. Jenes epische Format also, das in den 1970er-Jahren mit Pink Floyd seine Hochblüte feierte, in Zeiten des Youtube-Musikkonsums aber selten geworden ist. So selten, wie Elektroniker, die von Büchern über luzide Träume schwärmen.
Bei Ellison ist das spirituelle Interesse familiär begründet: Seine Großtante war Alice Coltrane, Jazzpianistin, Ehefrau von John Coltrane – und Anhängerin des hinduistischen Guru Sathya Sai Baba. "Ich verstand als Kind nicht, wovon sie sprach", sagt Ellison. "Aber ich fand ihre Verbindung zum Kosmos faszinierend."

Ellisons Musik spiegelt die Einflüsse seiner Jugend wieder: Hip-Hop, psychedelischer Jazz und flirrende ­Synthesizer als Referenz auf seine Videospielleidenschaft. 2008 ­amalgamierte er diese Elemente zum Meisterwerk "Los Angeles". Ein Album, das im Kanon der besten Elektronikplatten des 21. Jahrhunderts weit vorne steht. Auch wegen seiner eigenartigen Hip-Hop-Beats: Die eiern, stolpern und hatschen, so, als hätte Ellison seinem Drum-Computer das Bein gestellt.
Sein Stil fand damals schnell Nachahmer. Für Ellison ein Grund, sich weiterzubewegen – in Richtung Fusion-Jazz. Allerdings mit einem großen Unterschied: Auf Flying-Lotus-Platten gibt es keine ausufernden Soli.
Sie entstehen auch nicht in Jam-Sessions. Weil er selbst kein klassisch ausgebildeter Musiker ist – sein Instrument ist der Laptop –, lädt er Instrumentalisten einzeln ins Tonstudio, nimmt sie auf, dreht ihre Spuren durch Effektkisten und baut am Ende da­raus ein großes Ganzes. Die Gäste auf seinem neuen Album tragen dabei so illustre Namen wie Kamasi Washington und Herbie Hancock.
Von den asiatischen Begräbnisglocken und dem gesummten "Om" im Intro bis zum soulig-gehauchten Mantra am Ende der Platte ("We will live on forever") stellt sich Ellison klang­ästhetisch ganz in den Dienst seines transzendentalen Überthemas. Dazwischen erzählen Gastrapper wie Kendrick Lamar und Snoop Dogg humorvoll die Geschichte eines Toten auf dem Weg in der Zwischenwelt. Das Tibetanische Totenbuch, an dem sich das narrative Konzept orientiert, stammt aus dem achten Jahrhundert. Es wurde den Verblichenen kurz nach ihrem Ableben vorgelesen, damit sie sich in der jenseitigen Ankunftsphase zurechtfinden. Ziel der Übung: den Verstorbenen aus dem Kreislauf der Wiedergeburt zu befreien und ihm ins Nirwana zu verhelfen.
Gelingt das auch dem Protagonisten auf Ellisons Platte? "Das bleibt offen", sagt er. "Aber es spielt auch keine Rolle. Für mich ist Tod wie der Schulabschluss: etwas Feierliches, der Anfang des nächsten Abschnitts."

Florian Obkircher in FALTER 40/2014 vom 03.10.2014 (S. 31)

  Song-Titel
1.  Theme 1:24
2.  Tesla 1:54
3.  Cold dead 1:34
4.  Fkn dead 0:40
5.  Never catch me 3:54
6.  Dead man's tetris 2:25
7.  Turkey dog coma 3:09
8.  Stirring 0:30
9.  Coronus, the terminator 2:40
10.  Siren song 2:37
11.  Turtles 2:06
12.  Ready err not 1:45
13.  Eyes above 1:12
14.  Moment of hesitation 2:18
15.  Descent into madness 1:27
16.  The boys who died in their sleep 1:50
17.  Obligatory cadence 2:56
18.  Your potential / The beyond 1:45
19.  The protest 1:58

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