The Next Day

von David Bowie

€ 9,60
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Label: SMI COL
Format: CD
FSK: Freigegeben ohne Altersbeschränkung
Genre: Rock englischsprachig
Umfang: 17 Tracks
Erscheinungsdatum: 08.03.2013


Rezension aus FALTER 10/2013

Ich hab noch einen Koffer in Berlin

Angriffslust statt Nostalgie: David Bowie kehrt nach langem Schweigen mit dem Album "The Next Day" zurück

Der Coup ist ihm gelungen. Am 8. Jänner feierte David Bowie seinen 66. Geburtstag – und schenkte der Welt den ersten neuen Bowie-Song seit zehn Jahren. "Where­ Are We Now?" kam völlig unerwartet, lebte der Sänger nach einer Herzattacke 2004 doch zurückgezogen in New York. Gut, er stand mit Arcade Fire auf der Bühne und mit TV On The Radio im Studio, zwei der bedeutendsten Rockbands dieser Dekade. Aber sonst?
"Where Are We Now?" überraschte auch inhaltlich: Mit brüchiger Stimme sang David Bowie, der in seiner steten Innovationslust mehr für die Popmusik geleistet hat als jeder andere Solokünstler, als "man lost in time" von jenem Berlin, das er in der zweiten Hälfte der 70er-Jahre vorübergehend bewohnt hatte.
Die Nostalgie ging sogar so weit, dass er den Potsdamer Platz im Videoinsert zum "Potzdamer Platz" machte. Schon "Heroes", Bowies legendäres Berlin-Album, hatte einen markanten Tippfehler aufgewiesen; der Stadtteil Neukölln mutierte in einem Songtitel zu "Neuköln".
Das Lied sollte der Vorbote zu einem neuen Album sein, "The Next Day". Mit seinem alten Vertrauten, dem Produzenten Tony Visconti, hatte Bowie zwei Jahre lang streng geheim daran gearbeitet. Als das Titelmotiv präsentiert wurde, gab es endgültig Nostalgiealarm: "The Next Day" ziert eine schlichte Überarbeitung des "Heroes"-Covers aus dem Jahr 1977. Der Originaltitel ist durchgestrichen, das Zentrum der Platte durch ein weißes Quadrat ersetzt, das in schlichter Schrift den neuen Titel enthält.

Totale Nabelschau also? Die zweite Single "The Stars (Are Out Tonight)" verdeutlichte als aufgeweckt-melodischer Rocksong zwar, dass das introspektive Balladenalbum Nick Cave vorbehalten bleibt, einem anderen berühmten Teilzeit-Berliner. Aus dem Text, einem Lobgesang auf den Star als solchen, mochte man aber wiederum nicht recht schlau werden.
Das zugehörige Video sorgte für Klärung. Nein, David Bowie ist mit 66 kein wunderlicher alter Mann, der seine Pension unterbricht, um ein Denkmal in eigener Sache zu errichten und ein wenig von früher zu träumen. Er will etwas ganz anderes: noch einmal Spaß haben.
Mit Tilda Swinton als Frau an seiner Seite gibt er den biederen älteren Herrn, den diverse Dämonen der Vergangenheit heimsuchen: der androgyne junge Bowie, der Exzess-Bowie. Das ist bizarr anzusehen. Und ziemlich lustig.
Der nächste große Coup nach der Comebacksong-Überraschung glückte am 1. März. Ohne Vorankündigung wurde das erst eine Woche später erscheinende Album auf iTunes komplett als Stream lanciert; Fans bekamen die in der Standardversion des Albums 14 neuen Songs also zeitgleich mit Journalisten zu hören.

Der dritte Coup schließlich besteht da­rin, was man zu hören bekommt: David Bowie hatte mit der ersten Single eine komplett falsche Fährte gelegt. "The Next Day" ist über weite Strecken ein rockiges, angriffslustiges, teils sanft-eingängiges, im Kern aber eher düsteres Album, dessen Sound ein wenig an die Aufgekratztheit von "Lodger" erinnert, das 1979 veröffentlichte und eigentlich gar nicht mehr in Deutschland entstandene dritte Album der sogenannten Berlin-Trilogie.
Vom Abschiednehmen ist gleich eingangs im Titelstück die Rede, doch im Refrain heißt es unmissverständlich: "Here I am, not quite dying." Der Gesang ist linkisch, ein wenig forciert, und das ist ein weiteres Charakteristikum dieser Platte: Bowie spielt mit der Phrasierung, verfremdet den Gesang auch einmal ganz bewusst.
Am Ende steht mit "Heat" eine zweite sehr ruhige Nummer. Doch sie ist nicht hübsch nostalgisch wie "Where­ Are We Now?", sondern bedrückend; zumindest in den ersten Zeilen klingt der Gesang weniger nach David Bowie als nach Scott Walker, dem großen US-Artrock-Sonderling. "I don't know who I am", lautet eine markante Textzeile.
Das wissen wir auch nicht. Wir wissen nur eines: "The Next Day" ist weder elegant noch innovativ – und doch eine absolut gelungene David-Bowie-Platte. Mit 66 Jahren mag das Leben zwar nicht anfangen, wie Udo Jürgens einst meinte. Vorbei ist es aber definitiv auch nicht.

Gerhard Stöger in FALTER 10/2013 vom 08.03.2013 (S. 35)

Titelliste
1. 
The Next Day - Album Version
Bowie, David / Bowie, David
3:26
2. 
Dirty Boys - Album Version
Bowie, David / Bowie, David
2:58
3. 
The Stars (Are Out Tonight) - Album Version
Bowie, David / Bowie, David
3:56
4. 
Love Is Lost - Album Version
Bowie, David / Bowie, David
3:57
5. 
Where Are We Now? - Album Version
Bowie, David / Bowie, David
4:08
6. 
Valentine's Day - Album Version
Bowie, David / Bowie, David
3:01
7. 
If You Can See Me - Album Version
Bowie, David / Bowie, David
3:16
8. 
I'd Rather Be High - Album Version
Bowie, David / Bowie, David
3:44
9. 
Boss Of Me - Album Version
Bowie, David / Bowie, David
4:09
10. 
Dancing Out In Space - Album Version
Bowie, David / Bowie, David
3:24
11. 
Apache
Bowie, David / Bowie, David
 
12. 
(You Will) Set The World On Fire - Album Version
Bowie, David / Bowie, David
3:30
13. 
You Feel So Lonely You Could Die - Album Version
Bowie, David / Bowie, David
4:37
14. 
Heat - Album Version
Bowie, David / Bowie, David
4:25
15. 
So She - Bonus Track
Bowie, David / Bowie, David
2:31
16. 
Plan - Bonus Track
Bowie, David
2:02
17. 
I'll Take You There - Bonus Track
Bowie, David / Bowie, David
2:41

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