Delta Machine

von Depeche Mode

€ 13,40
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Label: SMI COL
Format: CD
FSK: Freigegeben ohne Altersbeschränkung
Genre: Pop englischsprachig
Umfang: 17 Tracks, Gesamtspielzeit 75:10 Min.
Erscheinungsdatum: 22.03.2013

Rezension aus FALTER 13/2013

"Ich klinge wie ein Hippie"

Martin Gore von Depeche Mode über Vintage-Synthesizer, Blues und Altersmilde

Als Martin Gore 1981 mit "Dreaming of Me" erstmals die britischen Charts enterte, war er zarte 20 Jahre alt. Kurz zuvor hatte er mit drei milchgesichtigen Freunden die Synthiepopband De­peche Mode gegründet und beim jungen Indielabel Mute das Album "Speak & Spell" veröffentlicht. Dutzende Hits sollten folgen, ein Ende ist nicht in Sicht. Mit "Delta ­Machine" haben die britischen Elektropop-Titanen soeben ihr 13. Studioalbum veröffentlicht. Im Gespräch zur Platte zeigt sich Martin Gore, der Hauptsongwriter der Band, musikbegeistert wie eh und je, aber auch angenehm entspannt und selbstironisch.
Falter: Ihre Band ist seit 32 Jahren im Geschäft und hat über 100 Millionen Platten verkauft.
Martin Gore: Unglaublich, nicht? Am Anfang unserer Karriere hätte niemand geglaubt, dass wir so lange durchhalten würden, wir hätten vermutlich nicht einmal selbst viel Geld darauf verwettet.

Was treibt Sie nach all den Jahren immer noch an, Musik zu machen?
Gore: Das ist zu einem nicht unwesentlichen Teil Ben Hillier zu verdanken, der unsere letzten Alben produziert hat. Er spornt uns alte Männer immer wieder an, bringt neue Ideen ein und sorgt für gute Atmosphäre im Studio. Es ist tatsächlich so, dass ich morgens aufwache und es kaum erwarten kann, mit der ­Arbeit loszulegen.
Anders als Metallica kommen Depeche Mode also ganz ohne Anwälte und Band-Psychologen aus?
Gore: Absolut, ja. Im Vorfeld des neuen Albums veröffentlichten wir ein Youtube-Video mit Szenen von den Aufnahmen. Man sieht, wie viel Spaß wir hatten. Und ich schwöre, nicht eine Szene in diesem Video ist gestellt.

Bei diesem Video sieht man Sie total vertieft zwischen Burgen aus modularen Synthesizern sitzen. Sie ziehen diese großen Kisten also nach wie vor einem kleinen Laptop vor?
Gore: Ich sammle seit Jahren alte Synthesizer, konzentriertes Klangforschen, also Kabelstecken und Knöpfedrehen, bereitet mir großen Spaß. Diesmal stopften wir eben unser ganzes Studio voll damit. Einfach, um eine neue Arbeitssituation zu schaffen, um die Dinge frisch zu halten. Die meisten Sounds der neuen Platte kommen aus diesen alten Maschinen.

Vielen Musikern ist die Arbeit mit modularen Synthesizern zu riskant, weil sich die Klänge auf diesen alten Geräten nicht speichern lassen.
Gore: Das stimmt. Aber genau diese Herausforderung ist doch auch das Schöne daran. Wenn du stunden­-
lang an einem Sound feilst, musst du ihn sofort richtig aufs Band bekommen. Denn die Chancen, dass du den Klang noch einmal genau so hinbekommst, stehen schlecht. Du kannst die Regler hundertmal wieder exakt gleich zu stellen versuchen, klingen wird es trotzdem immer ein bisschen anders.

Waren es denn die alten Synthesizer, die Dave Gahan zur Aussage verleiteten: "Bei ‚Delta Machine' wollten wir alles anders machen"?
Gore: Keine Ahnung, was Dave damit wohl wieder meinte (lacht). Aber gut, das Musikgeschäft verändert sich heute so rasend schnell, dass man sich ohnehin nicht in alten Mustern ausruhen darf.

Aber gerade Depeche Mode gehen doch unbeirrt ihren Weg und lassen sich nicht von den neuesten Internet-Hypes beeinflussen.
Gore: Wir sind so lange dabei, dass wir uns nicht mit jedem neuen Trend beschäftigen müssen. Ich weiß nicht, wie viele Leute sich auf Facebook als "Martin Gore" ausgeben, aber ich persönlich habe dort kein Profil. Dieses ganze Social-Media-Ding ist nicht meine Welt. Unsere Fangemeinde hat uns über die letzten 30 Jahre zum Glück immer unterstützt und unsere Alben gekauft, egal welches Format gerade angesagt war – ob Schallplatte, CD oder MP3.

Ähnlich wie bei Ihrem Album "Violator" aus dem Jahr 1990 kommt auf "Delta Machine" Ihre Schwäche für Blues wieder stärker zum Tragen. Hat das mit Ihren aktuellen Hörgewohnheiten zu tun?
Gore: Ich hör generell sehr viel Musik, quer durch alle Genres. Blues ist eines davon. Ich mag Blues, wenn er einfach ist. So wie John Lee Hooker ihn spielt; nur er und seine akustische Gitarre. Wenn Blues zu kompliziert wird und die Musiker zu viel probieren, verliert er seine raue, emotionale Magie.

Ähnlich wie bei elektronischer Tanzmusik, nicht? Das Gerüst ist sehr offen und einfach, und es kommt eben darauf an, was man aus den Grundelementen macht.
Gore: Das stimmt. Songs oder Tracks so einfach wie möglich zu halten, führt oft zu den besten Ergebnissen. Das haben wir auch auf "Delta Machine" zum Teil so gemacht. Am Song "My Little Universe" haben wir beispielsweise ewig herumgedoktert – bis wir ihn irgendwann sogar vom Album streichen wollten, weil wir einfach nicht und nicht glücklich damit waren. Dann nahmen wir alles raus und reduzierten ihn auf die notwendigsten Elemente – und auf einmal hatte er diese Magie, nach der wir zuvor so lange vergeblich gesucht hatten. Jetzt ist "My Litte Universe" mein Lieblingssong auf der Platte.

Sein Beginn klingt fast nach Minimal Techno. Hatte das letztjährige Techno-Projekt mit Ihrem ehemaligen Bandkollegen Vince Clark als VCMG Einfluss auf die neuen Songs?
Gore: Nicht direkt. Aber mit Vince erstmals seit den frühen 80er-Jahren wieder zusammenzuarbeiten war hervorragend. Auch wenn wir gar nicht zusammen im Studio saßen, sondern uns nur Dateien übers Internet schickten. Die sechs Monate, die wir an dem VCMG-Album arbeiteten, fühlten sich wie Urlaub vom klassischen Songwriting an: keine Refrains, keine Songtexte, stattdessen Beats und Soundflächen. Techno war eine willkommene Abwechslung. Nach diesem Ausflug fiel es mir wieder leichter, neues Material für Depeche Mode zu schreiben.

Beim Songwriting fällt auf, dass Sie mit ihren Texten noch tiefer in die Welt der Spiritualität eintauchen. Gott, Teufel, Engel – das scheinen die zentralen Themen auf "Delta Machine" zu sein.
Gore: Diese Themen beschäftigen mich seit langem, und Spiritualität wird mir immer wichtiger. Ich bin an einem Punkt in meinem Leben, an dem ich mich glücklich und erfüllt fühle. Und ich glaube, das kommt in meinen Songs auch durch. Ich möchte nicht über banale und deprimierende Dinge schreiben. Deshalb ist "Delta Ma­chine" sehr spirituell ausgefallen.

Wie entstehen Depeche-Mode-Texte eigentlich?
Gore: Ich kann nicht für Dave Gahan sprechen. Zehn der neuen Songs stammen von mir, drei von ihm. Mein Songwriting-Prozess ist etwas eigenwillig. Meistens nehme ich mir ein Thema vor, drifte dann aber schnell ab. Früher setzte ich mich ans Klavier, schrieb eine Melodie und sang frei assoziativ darüber. Heute mache ich das immer noch so, nur haben Synthesizer-Loops das Klavier ersetzt. Ich singe also, lasse die Worte einfach raus, wie sie kommen – und oft landen sie dann auch genau so im fertigen Song. Ich möchte nicht wie ein Hippie klingen. Vermutlich tue ich aber genau das, wenn ich sage, die Songs werden vom Universum geschrieben.

Und Sie sind das Medium?
Gore: Genau (lacht). Ich weiß, jetzt klinge ich tatsächlich wie ein Hippie. Aber bitte halten Sie fest, dass ich nicht wie ein Hippie klingen will. Das ist ein kleiner, feiner Unterschied.

Ein Hippie auf der Suche nach Spiritualität. Müssen wir uns angesichts Ihrer Altersmilde
Sorgen um Depeche Modes
Zukunft machen?
Gore: Ich weiß nicht genau (lacht). Wir dachten ja nicht erst einmal, dass eine neu aufgenommene Platte nun aber wirklich unsere letzte sein könnte. Ich glaube, das handhaben wir schon seit 1986 so. Vermutlich ist genau das der Grund dafür, dass wir immer noch Platten machen.

Florian Obkircher in FALTER 13/2013 vom 29.03.2013 (S. 34)


Rezension aus FALTER 13/2013

Das neue Album: bluesige Grautöne in allerlei Schattierungen

"Willkommen in meiner Welt, treten Sie ein", singt Dave Gahan zu Beginn des 13. Albums von Depeche Mode. Er lädt jede Silbe mit Bedeutung auf, durchleidet die Worte.
Die Musik dazu ist spröde. Minimalistisch elektronisch, bluesig und frei vom hymnischen Stadionrock, den die Ex-Synthiepopper bei Bedarf auch draufhaben. Mittendrin erzeugen Streicher Dramatik, passend zum Text, der von Tränen und gebrochenen Flügeln spricht. Die folgenden Songs tragen in Beton gegossene Titel wie "Angel", "Heaven" oder "Soothe My Soul"; die Seele wird aber nicht beruhigt, sondern aufgewühlt.
Geprägt von Grautönen in allerlei Schattierungen, ist "Delta Machine" eine ambitionierte, teils etwas melodiearme und angestrengte, über weite Strecken aber ziemlich gute Platte. Deutlich mehr, als man sich von Popsuperstars im 34. Dienstjahr erhoffen darf also.

Gerhard Stöger in FALTER 13/2013 vom 29.03.2013 (S. 34)

Set 1
  Song-Titel
1.  Welcome To My World 4:56
2.  Angel 3:57
3.  Heaven 4:03
4.  Secret To The End 5:12
5.  My Little Universe 4:24
6.  Slow 3:45
7.  Broken 3:58
8.  The Child Inside 4:16
9.  Soft Touch/Raw Nerve 3:26
10.  Should Be Higher 5:04
11.  Alone 4:29
12.  Soothe My Soul 5:22
13.  Goodbye 5:03
Set 2
  Song-Titel
1.  Long Time Lie 4:25
2.  Happens All The Time 4:20
3.  Always 5:07
4.  All That's Mine 3:23

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