Always Ascending

von Franz Ferdinand

€ 16,80
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Label: DOMINO RECORDS
Format: CD
Genre: Pop englischsprachig
Umfang: 10 Tracks, Gesamtspielzeit 60:34 Min.
Erscheinungsdatum: 09.02.2018

Rezension aus FALTER 10/2018

„Ich schaue nicht zurück“

Einst waren Franz Ferdinand Popgötter, heute sind sie eine Band von vielen. Was nun, Alex Kapranos?

Im Oktober 2003 erwähnte Robert Rotifer auf diesen Seiten erstmals Franz Ferdinand, eine schottische Band mit ungewöhnlichem Namen, die für „die reine Schule des britischen Artschool-Pop“ stehen würde. Ein halbes Jahr später veröffentlichte das Quartett sein Debüt, auf dem es den Funk von Postpunk-Bands wie Orange Juice mit dem Pathos von Roxy Music verband und daraus knackige Popsongs formte. Dann geschah etwas Unerwartetes: „Franz Ferdinand“ ging durch die Decke und verkaufte sich mehr als drei Millionen Mal.
Die Jungs von der Kunsthochschule wurden über Nacht zu Popstars. Als Speerspitze einer Bewegung junger Gitarrenbands verwischten sie die Grenzen zwischen Indie und Mainstream. Franz Ferdinand kamen mit ihren ebenso zackigen wie vifen Songs zum richtigen Zeitpunkt, als elektronische Tanzmusik ihre Sturm-und-Drang-Phase der 90er hinter sich hatte und schön langsam vorhersehbar wurde. Die Welt war zu dieser Zeit plötzlich wieder bereit für Gitarren und gute Songs.

Seinen Höhepunkt erreichte der Franz-Hype in Wien am 15. Dezember 2005. Sänger Alex Kapranos, Gitarrist Nick McCarthy, Bassist Bob Hardy und Schlagzeuger Paul Thomson bespielten damals als erste Indieband ihrer Generation die große Halle der Wiener Stadthalle. Getreu ihrem Motto „Musik, zu der Mädchen tanzen können“ feierten sie zusammen mit rund 6000 mehr oder weniger erwachsenen Mädchen und Buben im 15. Bezirk eine sagenhaft gute Party, auf der sie „Darts of Pleasure“ und all die anderen Hits ihres Debüts sowie Stücke aus dem schnell nachgeschobenen zweiten und ebenfalls tollen Album „You Could Have It So Much Better“ spielten.
2018 hat Alex Kapranos Neues anzupreisen: „Always Ascending“, das fünfte Album der Band. Seine Lust, über die Vergangenheit zu sprechen, ist nicht nur deshalb enden wollend. „Nostalgie ist der Feind der Kreativität“, sagt er im Telefoninterview. „Schon mit 17 habe ich einen Song namens ,Nostalgia‘ geschrieben. Dabei hatte ich damals noch nicht viel erlebt, diese Stimmung also kaum gekannt. Aber der Song handelte davon, wie sehr ich Nostalgie hasse. Ich schaue nicht zurück.“

Ein bisschen lässt sich Kapranos trotzdem dazu erweichen. Wirklich wohlgefühlt habe er sich während der Zeit des großen Erfolgs nicht, erzählt er. An sich sei das Leben auch als Mitglied einer gehypten Band wie immer verlaufen, er habe aber alles in einer übertriebenen, grotesk vergrößerten Version erlebt: „Die guten Momente waren unfassbar intensiv und toll, wir hatten ja auch sehr viel Spaß. Aber die Schattenseiten fühlten sich umso schlimmer an.“
Dass Kapranos nicht ständig mit der jüngeren, erfolgreicheren Version seiner Band konfrontiert werden will, ist verständlich. Erspart bleibt es ihm trotzdem nicht. Viele, die Franz Ferdinand damals toll fanden, haben die späteren Alben und Stilwechsel gar nicht mitbekommen. Sie versäumten das mit elektronischen Sounds flirtende und unter Wert geschlagene „Tonight“ (2009), das zerfahrene, richtungslose „Right Thoughts, Right Words, Right Action“ (2013) sowie „FFS“ (2015), eine Kollaboration mit dem exzentrischen US-Popduo Sparks.
Man hat Franz Ferdinand immer noch als die jungen Popgötter von einst im Kopf. Das aktuelle Bandfoto wirkt daher nicht nur wegen seiner forcierten Dynamik etwas befremdlich. Es sieht einfach nicht richtig aus. Nur Bassist Bob Hardy links scheint unverändert. Kapranos ist blond und trägt eine Jacke mit Leopardenmuster. Der blondierte Langhaarige in der Mitte muss wohl der Drummer sein. Die zwei jüngeren Herren rechts kennt man gar nicht. Halt, warum sind da fünf auf dem Bild? Und wo ist Nick McCarthy, der in Bayern aufgewachsene Gitarrist?
„Always Ascending“ soll für Franz Ferdinand einen Neustart darstellen. McCarthy ist ausgestiegen und bäckt mit der Band Das Lunsentrio nun kleinere Brötchen. Die offizielle Begründung lautet, dass er der langen Tourneen müde wurde und mehr Zeit mit seiner Familie verbringen möchte; ihn ersetzt der Gitarrist Dino Bardot. Nach dem Ende der Plattenaufnahmen stieß noch Julian Corrie als Elektronikbeauftragter dazu, der zuvor unter dem Namen Miaoux Miaoux Elektropop produziert hatte.
Die zehn neuen Songs zeigen, dass Franz Ferdinand durchaus passabel altern. Natürlich gibt es heute andere Musik, die den Zeitgeist besser bedient. Doch im Vergleich zu vielen Kollegen, mit denen sie ihre Karriere einst gestartet haben, stehen Kapranos & Co gut da.

Den New Yorker Indierock-Posterboys The Strokes ist nach ihren ersten zwei Alben nicht mehr viel eingefallen. Kings of Leon haben sich zu einer schwer auszuhaltenden Ami-Rock-Band entwickelt. The Libertines sind, wohl primär aus finanziellen Gründen, wieder beisammen, Mando Diao ist dafür einer von zwei Frontmen abhanden gekommen.
Das Schicksal anderer Combos der Indierock-Klasse von 2005 muss man schon googeln: Maximo Park veröffentlichten 2017 praktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit ein neues Album. Für Bloc Party – auch sie wurden ein, zwei Saisonen lang als heißester Scheiß im Indiepop gehandelt – gilt Ähnliches.
Wahrscheinlich werden einige dieser Bands schon in absehbarer Zukunft als Oldie-Packages bei Festivals auftreten. Wenn man das wolle, sei daran im Grunde nichts auszusetzen, sagt Kapranos. Nur: „Ich will es nicht, dafür habe ich die Band nicht gegründet. Franz Ferdinand soll sich vorwärtsbewegen. Der Schlüssel dazu ist, unzufrieden zu bleiben. Die Vergangenheit ist okay, aber ich will etwas anderes, vielleicht Besseres machen als vor vier, acht oder 15 Jahren.“

Doch wohin soll es gehen? Die Beatles konnten in den Sixties noch unbeschwert ausflippen und psychedelisch werden. Die kreative Weiterentwicklung von Franz Ferdinand bewegt sich in engen Grenzen, weil im Pop alles bereits unzählige Male abgegrast wurde. Es bleibt fast nur, ein Album mit mehr Elektronik, das nächste wieder gitarrenlastiger zu machen. Oder ästhetisch schärfer und experimenteller zu werden – und vor deutlich weniger Publikum aufzutreten.
„Ich vertraue meinen Instinkten“, sagt Kapranos. „Wenn du auf sie hörst, verraten sie dir schon, wann es peinlich wird. Manche haben mit 17 eine tolle Band und geben die Musik mit 20 auf, um Buchhalter zu werden. Ron Mael von den Sparks ist Mitte 70 und hat immer noch diese Energie und Ambition. Ich hoffe, ich habe etwas von Ron in mir.“

Sebastian Fasthuber in FALTER 10/2018 vom 09.03.2018 (S. 34)


Rezension aus FALTER 7/2018

2005 sprengten Franz Ferdinand das Fach Indie und füllten die Stadthalle. Auf dem dritten Album nach dem Hype haben es sich Alex Kapranos und Kollegen (der halbe Bayer Nick McCarthy ist nicht mehr dabei) in ihrer Nische gemütlich gemacht. Sie wissen, was sie können, und das machen sie eben. Wir hören zehn überwiegend gelungene Songs mit recht cleveren Texten und viel Synthesizern in aus der Zeit gefallener Indiedisco-Ästhetik. Ob sie damit noch Mädchen zum Tanzen bringen?

Live: Gasometer, 13.3.

Sebastian Fasthuber in FALTER 7/2018 vom 16.02.2018 (S. 28)

  Song-Titel
1.  Always Ascending 5:21
2.  Lazy Boy 2:59
3.  Paper Cages 3:40
4.  Finally 3:09
5.  The Academy Award 25:00
6.  Lois Lane 3:34
7.  Huck And Jim 3:35
8.  Glimpse Of Love 3:12
9.  Feel The Love Go 4:46
10.  Slow Don't Kill Me Slow 5:18

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