Popular Problems

von Leonard Cohen

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Label: SMI COL
Format: CD
Genre: Pop englischsprachig
Umfang: 9 Tracks, Gesamtspielzeit 36:01 Min.
Erscheinungsdatum: 19.09.2014

Rezension aus FALTER 38/2014

Der Schutzpatron der Schwerenöter

Heiliger Leonard, sing für uns! Der große Singer/Songwriter Leonard Cohen wird 80 und schenkt uns ein neues Album

Normalerweise werden runde Geburtstage von Rockstars ab einem gewissen Alter staunend zur Kenntnis genommen. Wahnsinn, der Mick Jagger ist jetzt auch schon 70!
Bei Leonard Cohen, der am 21. September seinen 80. Geburtstag feiert, ist das anders. Der kanadische Singer/Songwriter war ja nie jung. Als 1968 seine erste Platte, "Songs of Leo­nard Cohen", erschienen ist, war er schon 33. Die Plattenfirma hatte lang gezögert, einen so späten Debütanten unter Vertrag zu nehmen.
Rockstar war Cohen eigentlich auch nie. Sex & Drugs gab es in seiner Laufbahn jede Menge, aber Rock 'n' Roll? Der Mann kommt von der Lyrik, die Sensation seiner Songs waren nie knackige Riffs oder eingängige Melodien. Es waren die Texte und, vor allem, diese Stimme: ein dunkles, brüchiges Organ mit tief melancholischem Timbre. Diese Stimme sei wie geschaffen dazu, Frauennamen auszusprechen, merkte der Schriftsteller Tom Robbins einmal treffend an.

Offen wie ein Buch ist Cohen in seinen Songs. Unter anderem darin unterscheidet er sich vom sieben Jahre jüngeren Bob Dylan, der anderen lebenden Legende unter den Songwritern. Die Wunden, die Cohen durch die Liebe erfahren hat, und auch die Verletzungen, die er seinen Geliebten zufügte, hat er schonungslos offengelegt. Der sensible Macho war ein begehrter Ladies' Man, mit dem sich auch Männer identifizieren können.
In den frühen Jahren war Cohen ein bitterer Messias, der zwar nicht die Sünden der Welt auf sich nahm, aber wenigstens zu seinen eigenen stand. So wurde er zum Schutzpa­tron der Liebeskranken und Schwerenöter. Heiliger Leo, sing für uns!
Cohen ist ein religiöser Mensch. Sein Großvater war Rabbi, seine Songs sind voll von biblischen Anspielungen. Erlösung fand er aber nicht im Judentum, sondern im Zen-Buddhismus. In den 1970er-Jahren lernte er den Zen-Meister Sasaki kennen, der auf Mount Baldy bei Los Angeles ein Kloster aufgebaut hatte. Dorthin hat Cohen sich immer wieder zurückgezogen, um zur Ruhe zu kommen.
Die Zeit von 1994 bis 1999 verbrachte er durchgehend auf Mount Baldy, und man dachte schon, der Sänger wäre für immer verstummt. 2001 erschien dann doch wieder ein neues Album ("Ten New Songs"), und 2008 begab er sich auf eine ausgedehnte Welttournee mit fast 250 Konzerten innerhalb von zwei Jahren.

Das letzte Kapitel von Leonard Cohens Karriere ist fast schon kitschig. Ein geläuterter Sünder zieht im Triumphzug um die Welt und bekommt von seinen Fans tausendfach den Trost zurück, den er ihnen durch seine Songs zeitlebens gespendet hat.
Dass Cohen seinen Frieden gefunden hat, ist auch auf den Alben nicht zu überhören, die er seit der Rückkehr aus dem Kloster aufgenommen hat. Die Stimme ist die alte geblieben, und auch die Themen sind die gleichen: Es geht immer noch um die Flüchtigkeit der Gefühle. Aber da ist keine Bitternis mehr, nur noch die abgeklärte Erkenntnis, dass auch Niederlagen zum Leben gehören. Das milde Lächeln singt er mit.
Pünktlich zum 80er erscheint das 13. Cohen-Album "Popular Problems". Wie zuletzt "Old Ideas" wurde es von Patrick Leonard produziert und mitgeschrieben; wahrscheinlich hat ein Cohen-Album noch nie besser geklungen. Der Sound ist warm, die Arrangements sind stilvoll, nur die bei Cohen anscheinend unvermeidlichen Background-Vocals nerven mitunter.
Wer auf das große späte Meisterwerk gewartet hat, wird auch diesmal enttäuscht. Seine besten Platten hat Cohen längst aufgenommen. Jetzt kommen nur noch die Zugaben.

Trotzdem schön, dass der Alte wieder von sich hören lässt. Im charmantesten Stück des Albums lautet der Re­frain ungewohnt schlicht: "My Oh My". In einem anderen Song heißt es: "The party's over / But I've landed on my feet." Das hört man doch gerne.
Es ist zu befürchten, dass auch Leonard Cohen nicht unsterblich ist. Die Chancen stehen jedoch ganz gut, dass er uns noch länger begleiten wird. "Popular Problems" ist seinem Zen-Meister Sasaki gewidmet, der heuer gestorben ist. Er wurde 107 Jahre alt.

Wolfgang Kralicek in FALTER 38/2014 vom 19.09.2014 (S. 31)

  Song-Titel
1.  Slow 3:25
2.  Almost Like the Blues 3:28
3.  Samson in New Orleans 4:39
4.  A Street 3:33
5.  Did I Ever Love You 4:11
6.  My Oh My 3:37
7.  Nevermind 4:40
8.  Born in Chains 4:56
9.  You Got Me Singing 3:32

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