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Rezension aus FALTER 40/2006

Stop hearing voices

Once they give you an injection you instantly stop hearing voices", singt eine Frauenstimme wieder und wieder, erst weit durch die Register springend, dann eng an kleinen Intervallen sich reibend. In der steten Repetition der Phrase dreht sie sich gleichsam im Kreise, ihr Vortrag hat etwas Hypnotisches, Beschwörendes, als ob sie auf sich selbst einrede. Unterstützt wird dieser Eindruck noch von Geige, Cello und Klavier, die den Strudel anzutreiben, wenn nicht gar auszulösen scheinen.

Unter dem Titel "Ixxu" (ECM/Lotus) hat der Komponist und Pianist Thomas Larcher (geb. 1963) mit Andrea Lauren Brown (Sopran), Christoph Poppen (Violine), Thomas Demenga (Cello) und dem Rosamunde Quartett eine kammermusikalische Werkschau eingespielt, auf der auch das zitierte "My Illness Is the Medicine I Need" (2002) zu hören ist - eine eindringliche Vertonung von Interviewausschnitten, die Patienten psychiatrischer Anstalten dem Benetton-Magazin Colors gaben.

Eröffnet wird das Album mit dem titelgebenden Streichquartett "Ixxu" (2004), in dem sich Larcher dezidiert an seinem ersten, 14 Jahre älteren Gattungsbeitrag "Cold Farmer" abarbeitet. Überhaupt ist allen hier vertretenen Werken - den drei genannten sowie dem Cello-Klavier-Duo "Mumien" - Larchers skrupulöser Umgang mit dem Material und die behutsame Suche nach Ausdruck deutlich anzuhören. Was nicht bedeutet, dass im Endeffekt nicht beherzt musiziert würde.

Diese interpretatorische Qualität wird auf "Chonguri" (ECM/Lotus) noch deutlicher. Nicht, weil dieses Album des Cellisten Thomas Demenga unter umgekehrten Vorzeichen steht - der Pianist Larcher übernimmt hier, neben Akkordeonist Teodoro Anzelloti, die Rolle des Begleiters -, sondern aufgrund des Programms. Demenga hat 15 sehr kurze Stücke zusammengestellt, für Zugaben geeignete virtuose, effektreiche, pointierte Nummern. Freilich fehlt dabei vom beliebten "Schwan" jede Spur; Demenga dokumentiert seine Ausnahmestellung als Cellist fürs Ungewöhnliche mit Werken und Arrangements von Chopin und Webern, Liszt, Bach und Fauré, mit einer Komposition des Georgiers Sulkhan Tsintsadze und mit zwei eigenen Stücken.

Sein Begleiter, Thomas Larcher, stellt sich demnächst in Wien übrigens nicht nur als Komponist und Pianist, sondern auch als Dirigent vor: mit seinem neuen Klavierkonzert "Böse Zellen" und zwei Werken von Mozart.

Carsten Fastner in FALTER 40/2006 vom 06.10.2006 (S. 72)


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