The Six Partitas BWV 825-830

von Schiff Andras

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Komponist: Johann Sebastian Bach
Label: ECM New Se
Format: CD
Genre: Soloinstr. ohne Orchester
Umfang: 41 Tracks, Gesamtspielzeit 155:55 Min.
Erscheinungsdatum: 28.08.2009

Rezension aus FALTER 42/2009

Denen Liebhabern zur Ergetzung

Murray Perahia und András Schiff wandern durch Bachs Wunderwelt der Partiten

Es kommt, frei nach Albert Schweitzer, der Schilderung eines Waldes durch die Beschreibung seiner einzelnen Bäume gleich, was zwei der besten Pianisten unserer Zeit da gelungen ist: András Schiff und Murray Perahia haben sich in neuen Einspielungen auf den Weg durchs faszinierende Dickicht der "Clavier Übung I" von Johann Sebastian Bach gemacht. Das ist, angesichts der Vielgestaltigkeit dieses Werks, eine der größeren Herausforderungen der Klavierliteratur.

Mit diesen knapp drei Stunden Musik
demonstrierte Bach seine Meisterschaft in konzentrierter Form. Sechs Partiten, also sechs Abfolgen stilisierter Tanzsätze, umfasst die Sammlung, und innerhalb des strengen Norm­aufbaus dieser Suiten breitet der Komponist den ganzen Reichtum der ­musikalischen Stile, Formen und Satztechniken seiner Zeit aus.
Die Sonderstellung, die Bach selbst dem Kompendium beimaß, zeigt sich schon darin, dass er es 1731 als sein Opus 1 veröffentlichte – zu einem Zeitpunkt, als die "Matthäuspassion" oder die "Brandenburgischen Konzerte" längst geschrieben waren.
"Denen Liebhabern zur Gemüths Ergetzung verfertiget", widmete Bach diese Leistungsschau seines kompo­sitionstechnischen Repertoires, und dass sich hinter dem harmlos wirkenden Titel "Clavier Übung" alles andere als Fingerübungen für hoffnungsvolle Klaviereleven verbergen, war im Sprachgebrauch der Zeit selbstverständlich.
Entsprechend überschaubar blieb denn auch die Aufführungs­tradition des Werks. Für eine konzertante, gar zyklische Aufführung war es ohnehin nie gedacht. Auf der Bühne werden meist nur einzelne Partiten ­gespielt, am häufigsten wohl jene in
B-Dur. Die erste Gesamteinspielung auf Schallplatte legte Rosalyn Tureck 1950 vor; ihr folgten, verglichen mit den "Goldberg Variationen", nur wenige Aufnahmen, darunter die von Ralph Kirkpatrick und Gustav Leonhardt auf dem Cembalo. Zeitgleich und auf modernen Konzertflügeln ­legen nun Murray Perahia (geb. 1947) und András Schiff (geb. 1953) ihre ­Interpretationen vor – Letzterer nach 1983 bereits zum zweiten Mal.

Die wissende Bewunderung für Bachs überreiche Musik ist beiden Pianisten anzuhören. Anders als beim jungen Piotr Anderszewski, der 2002 mit scheinbar unbeschwertem Elan (und sehr überzeugend) durch drei der Partiten eilte, wird bei ihnen innere Ruhe, höchste Konzentration, künstlerische Reife deutlich.
Doch auch mit der – in dieser Hinsicht ähnlichen – Interpretation Rosalyn Turecks haben Perahia und Schiff wenig gemein. Turecks getragene Sachlichkeit war ganz dem Zeitgeist der um Objektivität bemühten 50er-Jahre verpflichtet; sie betonte in großbögiger Gestaltung die Architektur der einzelnen Sätze. Schiff und Perahia aber wandern, andächtig zwar, doch voller Lust durch Bachs Kosmos, und es scheint sie dabei nicht nur der übergeordnete Blick aufs große Ganze zu interessieren, sondern gerade all die staunenswerten Details, die sich da in so großer Zahl finden.
Obwohl András Schiff auch in f­ormaler Hinsicht Gestaltungswillen zeigt: Er wählt eine eigene, ganz andere als vom Komponisten vorgesehene, gleichwohl in sich schlüssige Route durch Bachs Wunderwelt:
Beginnend mit der G-Dur-Partita formiert er die Suiten so um, dass sich eine stufenweise ansteigende Harmonieabfolge ergibt, noch dazu in regelmäßigem Wechsel von Dur- und Molltonarten (G-a-B-c-D-e). So erreicht er, nach dem Beginn im anmutigen G-Dur, tatsächlich die angestrebte Konzentrationssteigerung.

So überlegt und übersichtlich, ja aufgeräumt Schiffs Interpretation auch sonst wirkt – es gelingt ihm doch das Kunststück, den Eindruck zu vermitteln, als komme alles ganz spontan daher. Sein Spiel in kernigem, griffigem Ton ist geprägt von einem unbändigen Einfallsreichtum, zelebriert die abwechslungsreiche Wiederholung, sei es in der dynamischen Gestaltung, in den Verzierungen oder in der Gewichtung der Stimmen.
Dem gegenüber wirkt Perahias Lesart stärker zurückgenommen, beinahe entrückt. Sein klarer, aber doch nicht ungebrochen strahlender Ton unterstützt eine behutsame, intime Annäherung an Bach.
Wo Schiff die Akzente quer durchs fröhliche Flimmern der Stimmen aufblitzen lässt, zeichnet Perahia groteske Sprünge auf einer dezenten Grundierung. Schiffs mitreißender Lust an der souveränen Beherrschung des polyphonen Geflechts setzt Perahia eine sympathisch bescheidene Präsentation von größter Perfektion entgegen.
Bei allen Unterschieden, die Schiff und Perahia in der Beschreibung all der Bäume aus dem Wunderwald der Partiten finden: Es ist gerade diese Präzision in der Gestaltungsvielfalt, die beide Interpretationen eint – und sie auszeichnet.

Carsten Fastner in FALTER 42/2009 vom 16.10.2009 (S. 29)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Partiten Nr. 2, 3 & 4 (Murray Perahia, Johann Sebastian Bach)
Partiten Nr. 1, 5 & 6 (Murray Perahia, Johann Sebastian Bach)
Set 1
  Song-Titel
1.  1. Praeambulum 2:12
2.  2. Allemande 4:17
3.  3. Corrente 1:35
4.  4. Sarabande 4:07
5.  5. Tempo di Minuetta 2:23
6.  6. Passepied 1:31
7.  7. Gigue 3:45
8.  1. Fantasia 1:51
9.  2. Allemande 2:47
10.  3. Corrente 2:40
11.  4. Sarabande 3:14
12.  5. Burlesca 2:00
13.  6. Scherzo 1:00
14.  7. Gigue 2:56
15.  1. Praeludium 1:52
16.  2. Allemande 3:09
17.  3. Corrente 2:43
18.  4. Sarabande 4:25
19.  5. Menuet I (Original Version) 1:16
20.  6. Menuet II (Original Version) 1:18
21.  7. Gigue 2:11
22.  1. Sinfonia 4:17
23.  2. Allemande 4:31
24.  3. Courante 2:05
25.  4. Sarabande 3:01
26.  5. Rondeaux 1:28
27.  6. Capriccio 3:19
Set 2
  Song-Titel
1.  1. Ouvertüre 5:50
2.  2. Allemande 7:57
3.  3. Courante 3:20
4.  4. Aria 2:05
5.  5. Sarabande 5:55
6.  6. Menuet 1:21
7.  7. Gigue 3:35
8.  1. Toccata 7:19
9.  2. Allemande 3:40
10.  3. Corrente 4:47
11.  4. Air 1:41
12.  5. Sarabande 5:33
13.  6. Tempo di Gavotta 1:58
14.  7. Gigue 5:40

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