Yugo

von Jugo Ürdens

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Label: FUTURESFUTURE
Format: CD
Genre: HipHop / Rap
Umfang: 13 Tracks, Gesamtspielzeit 30:33 Min.
Erscheinungsdatum: 05.10.2018

Rezension aus FALTER 41/2018

„Ich bin noch ein Niemand“

Es gibt bessere Rapper und sein Name ist ein Witz. Trotzdem gehört Jugo Ürdens die Zukunft

Der Mann, der sich Jugo Ürdens nennt, isst für sein Leben gern. Zum Gespräch bittet er in ein türkisches Holzkohlengrill-Restaurant im 15. Bezirk. Mit seiner Leibspeise Ćevapčići wird hier zwar nicht aufgewartet. „Aber wenn ich jetzt Ćevapi esse, liegen sie mir den ganzen Tag im Magen“, klärt der Wiener Rapper mazedonisch-serbischer Herkunft auf. Eine Fleischplatte tut’s auch. Er bestellt, dreht sein Handy um und beginnt zu erzählen.

Begonnen hat alles vor ein paar Jahren mit einem „blöden Scherz“, der eine überraschende Eigendynamik entwickelt hat. Aleks, wie er eigentlich heißt, lud auf Facebook ein Foto des damals eben erst verblichenen Udo Jürgens als Profilbild hoch und setzte als Titelbild noch dessen Glasklavier drauf. Jugo Ürdens war geboren.

Heute ist der aus einem Schmäh im privaten Echoraum heraus entstandene Name für ihn Segen und Fluch zugleich. Er sorgt für Aufmerksamkeit, aber auch dafür, dass ihn viele als Rapper ein wenig belächeln. Zu ernst nehme er sich selber ja auch nicht, sagt er. Das unterstreichen auf dem Debütalbum „Yugo“ Zeilen wie „Habe nur paar tausend Klicks und benehm mich, als ob ich nicht von dieser Welt wär“. Bei der Musik freilich hört sich für ihn der Spaß auf: „Mit der meine ich es schon ernst, sie ist nicht nur ein Gimmick zu einem lustigen Namen.“

Auf „Yugo“ bewegt er sich zwischen Cloud-Rap und verhaltenen Popeinflüssen. Die Platte hält den Ball bewusst flach, wirkt mehr auf der Stimmungsebene als über krasse Beats oder arge Texte. Den Großteil der lässig fließenden Musik hat Jugo Ürdens selbst produziert. Sie ist ihm wichtiger als die Inhalte. Raptechnisch wie thematisch sei er recht eingeschränkt, gibt er zu. „Darum sind die Stücke auch so kurz, nach zweieinhalb Minuten habe ich alles gesagt.“ In einem Genre, in dem Großmäuler regieren, ist er mit seiner Selbstironie und Selbstkritik ein sympathischer Exot.

Seinen Stil hat er in den letzten drei Jahren durch Ausprobieren vor einem Internet-Publikum entwickelt. Die ersten Veröffentlichungen und Youtube-Videos sind ihm mittlerweile peinlich. Vor allem das Stück „Österreicher“, in dem er 2016 allzu plakativ rappte: „Heute ist ein gottverdammter Feiertag, denn ich habe endlich den rot-weiß-roten Reisepass.“ Dass sein Album nun nach einem jugoslawischen Kleinwagen aus den 1980ern benannt ist, ist trotzdem nicht als Korrektiv gemeint. Wie viel „Jugo“ und wie viel Österreicher er in sich trägt, könne er sowieso nicht sagen: „Am ehesten bin ich Wiener, da ist alles drin.“

Die österreichische Staatsbürgerschaft hat er in Wahrheit bis heute nicht. „Selber schuld“, sagt er. „Es fehlte nur noch ein Dokument, ich habe es nie nachgereicht.“ Wegen der aktuellen Regierung will er sich nun aber doch lieber absichern. Nach Wien gekommen ist Aleks – seinen Nachnamen hält der Rapper geheim – im Alter von sieben Jahren. Er stammt aus einer Akademikerfamilie, beide Eltern haben Maschinenbau studiert, die Kinder gingen im ersten Bezirk in die Schule. Der Vater hatte einen guten Job. Als er ihn mit Ende 40 verlor, verfiel er in Depressionen und zog schließlich wieder nach Mazedonien.

Der autobiografische Song „Vater“ ist der Ausreißer des Albums, hier erlaubt sich Jugo Ürdens echtes Gefühl und sogar ein wenig Pathos. Zur Release-Party lässt er Papa und Onkel einfliegen, um sie von seinem Tun zu überzeugen. Besonders der Onkel ist kritisch, hält Musik für eine brotlose Kunst und versteht nicht, warum sein Neffe das Studium an der Wirtschaftsuni geschmissen hat. „Ich habe es gehasst“, sagt der. „Als die Gruppen immer kleiner wurden und ich meine Studienkollegen kennenlernte, habe ich gesehen, das ist nicht meine Welt.“

Dass die Musik ihn vermutlich nicht reich machen wird, weiß er. Hauptsache, es geht sich irgendwie aus und er muss nie wieder Catering-Jobs annehmen oder für ein paar Euro schwere Sachen schleppen. Dafür lässt er sich auch gern von einem Dosengetränkhersteller alimentieren: „Solange ich machen kann, was ich will, habe ich damit kein Problem. Und es gibt nun mal keine anderen Firmen, die Musikern helfen, indem sie ihnen Räume zur Verfügung stellen oder den Tontechniker zahlen.“

Am Leben als Musiker taugt ihm – Herrgott, der Mann ist 22! –, dass er schlafen gehen und aufstehen kann, wann er will. Im Grunde führe er eh noch ein Leben wie ein Student, sagt Jugo Ürdens. „Statt der Bachelor-Arbeit habe ich eben ein Album gemacht.“ Doch der gechillte Genussmensch stellt nur eine Seite dar. Die andere ist der junge Mann, der es allen beweisen will, „weil ich das Gefühl habe, meine Eltern haben es in Österreich nicht geschafft. Ich bin noch ein Niemand. Aber ich habe den Drang, etwas aus mir zu machen.“

Sebastian Fasthuber in FALTER 41/2018 vom 12.10.2018 (S. 27)

  Song-Titel Interpret
1.  Meier 2:47 Jugo Ürdens
2.  Ich verstehs nicht 2:20 Jugo Ürdens
3.  YUGO 2:36 Jugo Ürdens
4.  Weit weit her 0:58 Jugo Ürdens
5.  Allegro 2:09 Jugo Ürdens / Edwin
6.  Woman 2:23 Jugo Ürdens
7.  Warte 2:20 Jugo Ürdens
8.  Immer 1:55 Jugo Ürdens
9.  Vater 2:34 Jugo Ürdens
10.  Allein 2:32 Jugo Ürdens
11.  Läuft 2:33 Jugo Ürdens / Einfachso
12.  Selbe 2:41 Jugo Ürdens
13.  Sag mir 2:45 Jugo Ürdens

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