Heavy Listening

von Farce

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Label: BELIEVE DIGITAL GMBH
Format: CD
Genre: Pop englischsprachig
Umfang: 12 Tracks, Gesamtspielzeit 52:00 Min.
Erscheinungsdatum: 19.10.2018

Rezension aus FALTER 43/2018

Tanzen und weinen und wieder zurück

Veronika König mischt als Farce den Wiener Popunderground auf. Nun erscheint ihr Debüt

Am 4. Oktober hatte Veronika König ihren bisher prominentesten Auftritt. Mit der Wiener Elektronikmusikerin Fauna spielte sie auf dem Ballhausplatz beim Comeback der Donnerstagsdemos eine smarte feministische Hymne: „I am a Supergirl, standing on top of the world!“ Doch es sind nicht die vielen Leute, die besondere Stimmung und die wohlüberlegte Vielfalt des Programms an diesem Abend, die König in erster Linie in Erinnerung geblieben sind.

„Ich musste extrem dringend pinkeln, aber hinter der Bühne gab es kein Klo“, erzählt sie. „Ich hatte mich schon damit abgefunden, dass ich mir vor all diesen Menschen in die Hose machen werde, aber es ist sich ausgegangen. Ich bin dann von der Bühne runter direkt in ein italienisches Restaurant hineingerannt.“

Eine ungewöhnliche Erinnerung, aber sie passt zu dieser Künstlerin, für die experimentelle Elektronik und breitenwirksamer Pop keine Gegensätze sein müssen. Die Erscheinung der 21-Jährigen ist ungewöhnlich – knapp 1,90 groß, tätowierte Arme, kurzrasierte Haare, auffällige Kleidung, lieber polternd als kleinlaut –, ihr Künstlername Farce ebenso. Der Duden definiert das schön klingende Wort als „derb-komisches Lustspiel“, als „abgeschmacktes Getue“ oder als „billigen Scherz“.

Zu Königs Musik passt nichts davon, der Name sei anfangs aber ein beruhigender Schlupfwinkel gewesen, sagt sie. „Als Zeichen, dass man sich nicht ernst nimmt auf eine Weise, die prätentiös sein könnte. Und als Selbstschutz, denn man weiß ja nicht, wie Leute reagieren, wenn man sich komplett offenbart und seine Innereien auf die Bühne legt.“

Die Reaktionen waren gleich freundlich bis begeistert, Farce galt bald als eine der spannendsten jungen Künstlerinnen Wiens. Ihr Debütalbum „Heavy Listening“ wird den Vorschusslorbeeren gerecht. Das emotionale Spektrum der Lieder beschreibt die Künstlerin – wie könnte es anders sein – ungewöhnlich: „Vom Tanzen zum Weinen und wieder zurück.“

Veronika König ist in einem süddeutschen Dorf als Kind von Eltern aufgewachsen, die ihr Geld mit klassischer Musik verdienten. Mit fünf lernte sie klassische Gitarre, als Teenager griff sie lieber zur strombetriebenen Version, spielte in Punk- und Black-Metal-Bands und tat sich im linksradikalen Do-it-yourself-Underground um. Ihr selbstgewähltes Outsidertum erklärt die Musikerin als logische Konsequenz der Umstände.

„Ich war größer als alle anderen und immer schon irgendwie laut. Dazu kommt, dass ich homo bin. Ich identifiziere mich als queer und habe da stets eine Andersartigkeit gefühlt. Unabhängig davon, wie sich meine Einstellung und Sexualität entwickelt haben, war früh klar, dass ich mich in der heteronormativen Matrix des schwäbischen Dorfes nicht wohlfühle. Ich habe gemerkt: Der Schuh passt nicht, ich muss da raus.“

Die Subkultur der harten Bubenmusik sollte nicht der Weisheit letzter Schluss bleiben. Königs Anspruch auf Veränderung kollidierte mit der Überschaubarkeit einer in Nischen gefangenen Szene. Dazu kam, dass die Welt selbst im Kleinen nicht wirklich heil war: „Das Klima im Punk und Metal ist sehr schwierig, weil es so viele Männerdynamiken gibt. Gerade auch der antifaschistische Bereich hat ein großes Machismo-Problem, das aber nie richtig angegangen wird. Letztlich gibt es in jeder Struktur eine Person, die sich regressiv verhält. Egal, wie links der Raum und wie gut der Rahmen ist, es gibt immer einen Soundmann, der mir blöd kommt.“

Vor drei Jahren kam König zum Studieren nach Wien, Theater-, Film- und Medienwissenschaft. In einer Einführungsvorlesung war vom Fluxuskünstler Wolf Vostell die Rede. König notierte seinen Satz „Ich sehe im vorbeifahrenden Auto den Unfall mitvorbeifahren in Zeitlupe und rückwärts“ und beschloss eine Platte zu produzieren, die so heißt. Es war die Geburtsstunde von Farce. König eignete sich den Laptop als Instrument an, ohne die Gitarre deshalb ganz wegzustellen; Anfang 2017 war das Minialbum mit dem Fluxustitel fertig, schwer, sakral, düster gefärbt und eindringlich.

„Heavy Listening“, das nun beim aufstrebenden Wiener Label Futuresfuture herauskommt, behält die düstere Färbung zwar in Texten über Zweifel, Vereinzelung, Unsicherheit und Depression bei. Musikalisch tritt Farce aber mit einer bemerkenswerten Form spröder Gefälligkeit ins Licht.

„Es gehört mehr politisiert und nicht entpolitisiert“, sagt sie. „Popmusik erreicht ungleich mehr Menschen als linksradikaler Punkrock und ihr politisches Potenzial ist groß, aber unterbenutzt. Nur weil es politisch ist, muss es nicht scheiße klingen oder keinen Spaß machen. Und nur weil es Pop ist, muss es nicht unpolitisch, langweilig oder einheitsbreiig sein. Auf diese Art und Weise möchte ich den Kampfbegriff ‚Pop‘ prägen.“

Gerhard Stöger in FALTER 43/2018 vom 26.10.2018 (S. 33)

  Song-Titel Interpret
1.  CCTV 4:39 Farce
2.  Handy 4:01 Farce
3.  Meddl 1000 4:50 Farce
4.  Pièce de résistance 4:01 Farce
5.  Heavy listening 3:53 Farce
6.  I'm dying, man 4:37 Farce
7.  Socialite 6:06 Farce
8.  I hate Berlin 3:56 Farce / Blaqtea
9.  I hate Berlin II 3:39 Farce / Blaqtea
10.  Die Angst 2:32 Farce
11.  Zozan 4:20 Farce
12.  Ungut 5:26 Farce

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