Sonaten/Hortus Musicus

von La Rêveuse

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Label: Mirare
Erscheinungsdatum: 17.04.2009

Rezension aus FALTER 27/2009

Aber, aber, hier in Hamburg ist die Tonkunst längst vom Schauplatz verjaget; wo doch sonst ihr bester Pflantzgarten seyn müste, sollte und könnte, wenns recht angefangen würde." So jammerte Johann Mattheson (1681–1764) in seinem Lehrbuch "Der vollkommene Capellmeister".
Der Hamburger Komponist und berühmteste Musiktheoretiker seiner Zeit trauerte der glanzvollen Blüte des norddeutschen Barock nach, als mit Dietrich Buxtehude in Lübeck und
Johann Adam Reincken in Hamburg gleich zwei Meister höchsten Ruhm genossen (dem selbst J.S. Bach folgte, als er 1705 seinen Fußmarsch antrat, um die beiden hören zu können).
Reincken (1637–1722) hatte 1678 auf dem Gänsemarkt das erste Opernhaus Deutschlands gegründet, prägte als Organist und Komponist aber vor allem die Kirchenmusik, ebenso wie sein Freund und Kollege Buxtehude (1637–1707). Weltliche Werke haben sich von beiden nur wenige erhalten.
Nun kombinierte das französische Ensemble La Rêveuse einige davon auf einer wahrhaft fantastischen CD (Mirare): sechs Sonaten für zwei Violinen, Gambe und Continuo – vier von Buxtehude, zwei aus Reinckens "Hortus Musicus" – als Beispiele für die so kontrast- wie überraschungsreiche Kunst der barocken "Hamburger Schule".
Noch Jahrzehnte später rühmte Johann Mattheson diese Werke für ihre Fantasie und rhetorische Freiheit und beschrieb sie treffend als "stylus phantasticus".
Johann Mattheson ist heute vor allem als Theoretiker bekannt; noch Joseph Haydn studierte seine Schriften intensiv. Doch auch als Komponist ist der Hamburger bemerkenswert. Nach sängerischen Anfängen an Reinckens Opernhaus verlegte er sich bald aufs Sakrale, schrieb aber auch interessante Kammermusik.
Cristiano Holtz spielte nun sieben Suiten aus den "Pièces de clavecin" ein (Ramée). Das Cembalo sah Mattheson als Instrument des Fortschritts; in einer höchst idiomatischen Schreibweise entlockte er ihm alle klanglichen Möglichkeiten. In seinen Suiten kombiniert der gelehrte Komponist das französische Genre der Suite mit der deutschen Kunst des Kontrapunkts – und nimmt in diesem "Vermischten Stil" Bachs Französische und Italienische Suiten vorweg. So schlimm war es um das Hamburger Musikleben nicht bestellt. 

Carsten Fastner in FALTER 27/2009 vom 03.07.2009 (S. 23)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Suiten (Cristiano Holtz, Johann Mattheson)

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