Hin & Über

von Jütz

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Label: inakustik
Format: CD
FSK: Freigegeben ohne Altersbeschränkung
Genre: Volkstümliche Musik
Umfang: 16 Tracks, Gesamtspielzeit 47:36 Min.
Erscheinungsdatum: 23.03.2018


Rezension aus FALTER 9/2018

Weit hinaus über die Grenzen

Sphärisch, spielerisch und sprachexperimentell: Das Neue-Volksmusik-Trio Jütz präsentiert sein zweites Album „hin & über“

Das erste Lied ist im Booklet zweisprachig abgedruckt: „Luegid, vo Bärg und Tal“ lautet die erste Zeile des Schweizer Volkslieds im Berner Dialekt, „Schaug’ her vom Berg und vom Tal“ die Tiroler Übersetzung.
Diese Herangehensweise ist typisch für das Trio Jütz und „hin & über“, den Nachfolger seines Debüts von 2014. Volkslieder aus Bern, Tirol, der Steiermark und Kärnten mischen sich mit eigenen Kompositionen. Ein zarter Jodler unter dem Titel „Schweinsbeuschler“ folgt auf „Mantua“, in dem Jütz instrumental die Tiroler Landeshymne, das „Andreas-Hofer-Lied“, zitieren.
In vielen Liedern entsteht in den ersten Takten ein Musikbett, das sich rhythmisch meditativ durchzieht, darüber spannen sich Melodiebögen, vor allem durch die klare, helle Stimme von Isa Kurz, die bisweilen sphärisch anmutet.

Die beiden Tiroler Musiker – Isa Kurz, 36, aus Hall, Philipp Moll, 38, aus Schwaz – und ihr Kollege Daniel Woodtli, 44, aus der Schweizer Hauptstadt Bern suchen nach alter Volksmusik und entwickeln sie weiter. Das Trio improvisiert, arrangiert neu, belässt die Texte und verändert die Melodie, kreiert eine Collage, komponiert selbst und spielt mit den Dialekten. „Wir wollen hinausgehen und viele traditionelle Musiken miteinander verbinden“, sagt Isa Kurz. „Und wir fangen da an, wo wir zu Hause sind.“
Seit den frühen 1990er-Jahren beschäftigen sich immer mehr österreichische Künstlerinnen und Künstler mit Sprache und Musik ihrer Herkunftsorte – allen voran das Duo Attwenger mit steirischer Harmonika, Schlagzeug und Dialekttexten. Damit transportieren sie auch eine Botschaft: Der alte Mief, der die Volksmusik lange Zeit umgab, soll vertrieben und durch einen unbefangenen, frischen, ironisch gebrochenen Zugang ersetzt werden, der trotzdem den Respekt vor dem Alten bewahrt. In Österreich ist vor allem das Ensemble Alma für diese Musikrichtung bekannt, das die Violinistin, Sängerin und Komponistin Julia Lacherstorfer 2011 gegründet hat. Jütz gibt es seit 2013. Isa Kurz, die als Multiinstrumentalistin (Geige, Klavier, Hackbrett, Akkordeon, Gesang) schon lange mit dem international erfolgreichen Tiroler Hang-Spieler Manu Delago auftritt, lernte auf einer Tournee den Bassisten Philipp Moll in Liverpool kennen, der dort Musik studierte. Dieser wiederum traf in Bern auf den Blechbläser und Jazzer Daniel Woodtli. Die drei beschlossen, gemeinsam Musik zu machen. Es sollte etwas sein, das sie verband, aber trotzdem neu war. Sie einigten sich auf Volksmusik. Zuvor hatten sie sich vor allem mit Pop, Jazz, Klassik und diversen Experimenten beschäftigt.

Dass alte Volkslieder historisch belastet sein können, ist den dreien bewusst. Doch mit Politik wollen sie ihre Musik nicht vermischt wissen. Lieder, die Gewaltverherrlichendes oder Fremdenfeindliches transportieren, würden sie ohnehin nicht verwenden. „Wir verweben Alpenlieder mit unserer Vorstellung von Klangästhetik und hoffen, dass das Publikum dadurch der Musik unvoreingenommen begegnen kann“, sagt Isa Kurz. Die Zuhörerinnen und Zuhörer sind begeistert. Die einen lieben die alten Lieder und freuen sich, dass Jütz sie aufgreifen. Die anderen entdecken in der kreativen Interpretation des Traditionellen einen neuen Hörgenuss. Die Musik des Trios erweitert den Blick. Ob es in Zeiten wie diesen ganz ohne Politik gehen wird, bleibt aber eine wichtige Frage.

Stefanie Panzenböck in FALTER 9/2018 vom 02.03.2018 (S. 29)

Titelliste
1. 
Luegid vo Bärg und Tal
3:37
2. 
Das kennst du wohl
3:35
3. 
Postfeldwalzer (04.21 morgens)
2:53
4. 
Judenburger Siebenschritt
3:10
5. 
Tunnelen
2:45
6. 
A Blüamal und a Herz
3:14
7. 
Häxensabbat im Pfaffeloch
2:50
8. 
Mantua
3:33
9. 
Bergaufpolka
1:50
10. 
Der Schweinsbeuschler
1:41
11. 
Schleuniger Tempo Dampfl
2:44
12. 
Pleitemarsch
3:49
13. 
Aus der Jugendzeit
3:28
14. 
Raucheggischer
1:39
15. 
Wengernalp
3:48
16. 
Weil's nacha Zeit is
3:00

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