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Label: Trikont
Format: CD
Genre: Pop englischsprachig
Umfang: 12 Tracks, Gesamtspielzeit 46:45 Min.
Erscheinungsdatum: 25.09.2009

Rezension aus FALTER 47/2009

Echter Herzschmerz oder geborgtes Leid?

Die Neigungsgruppe Sex, Gewalt und Gute Laune polarisiert mit ihrem neuen Album "Wellen der Angst"

Pro: Gerhard Stöger
Die Semiprominenz ist eine dialektische Sau. Wären die zentralen Protagonisten der Neigungsgruppe Sex, Gewalt und Gute Laune nicht für FM4 tätig, hätten sie sich nie in dieser Form gefunden. Da Fritz Ostermayer, Robert Zikmund, David Pfister und Christian Fuchs aber nun einmal beim Jugendradio arbeiten, müssen sie sich stets mit Vorurteilen und Erwartungshaltungen herumschlagen.
Man hält sie – gerne auch ungehört – für ein entbehrliches Spaßprojekt oder irgendwie so Indiekult mit ganz doll Schnaps. Man will sich, stur unterwegs auf dem emotionalen Holzweg, fremdschämen oder sucht nach Metaebenen. Dabei singen diese vier nicht mehr blutjungen bis bereits etwas älteren Herren doch einfach nur Lieder, die ohne Umschweife ans Herz rühren. Und sie bedienen sich einer der dafür am besten geeigneten Sprachen, des Wienerischen.
Die Neigungsgruppe ist tatsächlich aus einer besoffenen Geschichte heraus entstanden, sie ist aber weder ein Spaßprojekt noch geht es ihr um doppelbödiges postmodernes Klugscheißertum. Unterstützt vom Geiger David "Sir Tralala" Hebenstreit spielt sie 70er-Jahre-Austropop mit zeitgenössischem Indie-Background und morbide Wienerlieder der etwas anderen Art; den Unterschied zwischen blöder Ironie und gutem Schmäh kennt die Neigungsgruppe dabei sehr gut.
Wie wunderbar eingewienerte Versionen von Hits des Alternative Pop hier neben Eigenkompositionen stehen, die mal liedermachermäßig zur akustischen Gitarre, dann wieder düster zur Laptopunterstützung vorgetragen werden!

Wie rührend der Satz "Niemals fahr i ins Museumsquartier, außer du wartst dort auf mi" aus Robert Zikmunds Mund klingt! Wie herrlich Christian Fuchs die gemeine Indie-Coolness konterkariert, zuletzt im Baby­shambles-Cover "G'fickt für immer" und jetzt in der MGMT-Aneignung "Schee­ne Leich"! Was für ein ergreifendes Drama Fritz Ostermayer bei aller drastischen Überzeichnung aus John Cales "Dying on the Vine" macht! Wie apokalyptisch TV On The Radio in der Übersetzung "Schaun in die Sunn" plötzlich klingen! Und was für eine leiwande Weltverdrusshymne "Irgendwos is immer" doch ist!
"Lach mi ruhig aus wie an depperten Buam, der so patschert is und si so plagt", heißt es auf dem neuen Album "Wellen der Angst". Das kann man natürlich auch machen. Allerdings braucht es dafür schon einen ausgeprägten Austropop-Hass – oder einen extradicken Zynismuspanzer.

Gerhard Stöger in FALTER 47/2009 vom 20.11.2009 (S. 25)


Rezension aus FALTER 47/2009

Echter Herzschmerz oder geborgtes Leid?

Die Neigungsgruppe Sex, Gewalt und Gute Laune polarisiert mit ihrem neuen Album "Wellen der Angst"

Kontra: Klaus Nüchtern
Alle paar Jahrzehnte begegnen Fritz Ostermayer und ich einander auf der Bühne, in einem burgenländischen Wirtshaus oder bei einem Konzert. Wir trinken zu viel Bier und Fritz erzählt bestens gelaunt irgendeine "todtraurige" Geschichte. Er liebt das, und ich liebe es, ihm zuzuhören.
Nicht so gerne höre ich, wenn die Konversation zum Bier klingendes Konzept wird. Fritzens fragwürdige Vorliebe für Verzweiflung und Verfall wird im Musikverbund der Neigungsgruppe Sex, Gewalt und Gute Laune (was für ein pubertärer Name – war Ostermayer nicht immer ganz offiziell gegen Selbstironie?!) zu einem denkbar schwer bekömmlichen Gebräu, bei dessen Verabreichung die Grenze zur unfreiwilligen Selbstparodie permanent überschritten wird.

Warum soll die Jammerlappenhaftigkeit, mit der uns die vier evidentermaßen weder zum Singen noch zum Songschreiben begabten Buben die Ohren vollgreinen, so erstrebenswert sein? Die romantische Verklärung eines diffusen Losertums beginnt schon beim Cover, das den im neuen österreichischen Depressionskino als desperaten Testosteronprolo übereingesetzten Georg Friedrich zeigt, und ist – wie alle Selbstentmächtigungsseligkeit – einfach bloß reaktionär.
"Irgendwer macht immer Schluss / Irgendwer gibt si an Schuss / Irgendwer, der nimmer kann / Es wird immer schlimmer" usw., usf. – das Unglück der anderen als Treibstoff für eine libidinöse Maschine zum Selbstgenuss der eigenen Gefühligkeit.
Wenn Fritz Ostermayer in seiner hysterisch übersteuerten Coverversion von John Cales "Dying on the Vine" elendsenthusiasmiert das Bild von Helmut Berger beschwört, der zugekokst im angeschissenen weißen Anzug dasitzt, dampft die ewige katholische Erlösungskacke bei der Hintertür herein: Zugrundegehen ist edler als Bestehen, denn Gott liebt nur die Erfolglosen.
In das Dilemma, "sich echtes Leid als süßen Weltschmerz schönhören" zu müssen, das Fritz Ostermayer für das Publikum von Soap&Skin konstatiert hat, gerät man hier gewiss nicht: der Schmerz, das Pathos, die Verzweiflung – alles geborgt. Nicht dass der Künstler leiden muss (auch das ist Quatsch), er muss lediglich Kunst machen können, sprich sein Publikum – mit welchen (unzureichenden) Mitteln auch immer – betören, erschüttern, verzaubern … Scheitern als Programm ist das Gegenteil von scheitern, ein risikoloses Sich-Einrichten im Schlechten, Kapitulationsgemütlichkeit.

Klaus Nüchtern in FALTER 47/2009 vom 20.11.2009 (S. 25)


Rezension aus FALTER 39/2009

Am 25. September erscheint "The Angst & The Money", das fulminante neue Album von Ja, Panik. Mit "Wellen der Angst" (Trikont) folgt gleich noch eine zweite Angstplatte; die Neigungsgruppe Sex, Gewalt und Gute Laune hält damit, was ihr Debüt "Goodnight Vienna" versprochen hat. Ursprünglich als Freizeitgaudi der FM4-Mitarbeiter Ostermayer, Zikmund, Fuchs und Pfister entstanden, hat sich die Neigungsgruppe inzwischen zu einer regulären Band entwickelt, kongenial unterstützt von Tausendsassa Sir Tralala. Trittsicher bewegt sie sich zwischen Aufrichtigkeit und Selbstironie, authentischem Leid und künstlich überhöhtem Elend und verpasst der alten Tante Austropop eine Frischzellenkur. Sieben Eigenkompositionen stehen fünf eingewienerten Covers gegenüber, u.a. von John Cale, MGMT und TV On The Radio. Die Arrangements sind deutlich ausgefeilter als beim Erstling, ohne den räudigen Charme der Band zu beschädigen. Produziert hat die CD Alex Wunderbar, der mit seiner eigenen Band Curbs ganz anderes Terrain beackert. "The City of Dreaming Spirit" (Pate), das dritte Album des Quintetts, setzt auf harmonieseligen, dabei aber nie allzu stromlinienförmigen Britpop, der eindeutig in die große Halle und nicht in den Kellerclub möchte.
Zwei Neuzugänge hat die Wiener Singer/Songwriterwelt zu verzeichnen. Pieter Gabriel – der Mann heißt dank eines musiknarrischen Vaters wirklich so – kreiert auf "City of Last Things" (19eightyone) nebelverhangene Welten zwischen der Americana-Indierock-Tristesse eines Mark Lanegan und, fallweise, britischem Gefühlspop. "All eyes on me as I started to run, as if I was naked, holding a gun", lautet eine charakteristische Zeile; wobei Gabriel fiktiven Geschichten eindeutig den Vorzug vor der Tagebuchvertonung gibt.
Weit fröhlicher ist Matthias Frey alias Sweet Sweet Moon gestimmt, dessen verspielte erste Mini-CD "Pompidou" (Siluh) weniger der Notwendigkeit des künstlerischen Ausdrucks verpflichtet ist als vielmehr auf die Eroberung von Mädchenherzen abzielt. Vier Songs sind ruhig gehalten, zwei flott; die Stimme ist markant, der Gesamteindruck sympathisch.

Gerhard Stöger in FALTER 39/2009 vom 25.09.2009 (S. 27)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

City of Last Things (Pieter Gabriel)
The City Of Dreaming Spires (Curbs)
Pompidou (Sweet Sweet Moon)
  Song-Titel Interpret
1.  Taximusik 5:33 Neigungsgruppe Sex, Gewalt Und Gute Laune
2.  Hooligan der Herzen 2:52 Neigungsgruppe Sex, Gewalt Und Gute Laune / Welter, Oliver
3.  Time To Pretend 4:01 Neigungsgruppe Sex, Gewalt Und Gute Laune
4.  Dying On The Vine 3:31 Neigungsgruppe Sex, Gewalt Und Gute Laune
5.  Der Teifl schaut ums Eck 3:29 Neigungsgruppe Sex, Gewalt Und Gute Laune
6.  Krieg der Sterne 3:22 Neigungsgruppe Sex, Gewalt Und Gute Laune
7.  Irgendwos is immer 4:43 Neigungsgruppe Sex, Gewalt Und Gute Laune
8.  Floridsdorf 4:01 Neigungsgruppe Sex, Gewalt Und Gute Laune / Rosar, Arthur
9.  Der Knochenmarsch 2:36 Neigungsgruppe Sex, Gewalt Und Gute Laune
10.  Staring At The Sun 3:25 Neigungsgruppe Sex, Gewalt Und Gute Laune
11.  Das Nesterl 4:58 Neigungsgruppe Sex, Gewalt Und Gute Laune / Erynnia
12.  Waves Of Fear 4:14 Neigungsgruppe Sex, Gewalt Und Gute Laune

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