Killed by 9V Batteries

von Killed by 9V Batteries

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Label: Siluh Records
Erscheinungsdatum: 01.11.2006

Rezension aus FALTER 44/2006

Austroindierock

EAV und STS waren vorgestern; die Steiermark scheint sich bei einem Blick auf heimische CD-Neuerscheinungen zur neuen Metropole des Indierockgeschehens zu entwickeln. Killed By 9V Batteries sind dafür das beste Beispiel. Nach einigen selbstproduzierten Aufnahmen ist "Killed By 9V Batteries" (Siluh/Hoanzl) das offizielle Debüt des jungen Trios, mit dem Weiz kurzerhand zum Seattle Österreichs wird. Fernab aktueller Trends lässt man es in Spätachtziger-und Frühneunzigermanier krachen; das Wechselspiel zwischen akustischen und verzerrten Passagen erinnert an Grunge, die Liebe zum Gitarrenlärm an Sonic Youth. Zwar bleibt die Spannung noch nicht wirklich über die Gesamtdistanz aufrechterhalten; die teils atemlose Aufgeregtheit hat aber auch ohne permanente Bündelung ihren Reiz.

Das alkoholbetriebene Grazer Sixtiesgaragenrocksextett The Staggers trägt ebenfalls seinen Teil zum Steirerrockboom bei. Ihr langerwartetes erstes Album "Teenage Trash Insanity" (Wohnzimmer/Broken Silence) ist eine Platte wie ein überdrehtes B-Movie; 13 in 37 Minuten heruntergeklopfte Songs machen dem programmatischen Titel alle Ehre und kombinieren schmissige Instrumentalstücke mit formvollendet hysterischen Krachern der Marke für immer jung und blöd im Kopf.

Ungleich biederer gehen Once Tasted Life zu Werke. "A Thousand Moments We Let Pass " (Acute/Edel) bietet flotten Indiepop mit melancholischem Touch, der auch dynamischen College Rock zulässt, neben der Erregungsarmut aber nicht zuletzt am etwas zu forcierten Gesang laboriert.

Handwerklich einwandfrei gemacht ist der im Folk geerdete, gefühlvolle Akustikindierock des Grazer Trios Lamexcuse; an zündenden Momenten herrscht letztlich aber auch auf ihrer im Eigenverlag veröffentlichten CD "All Important Little Things" (Vertrieb: Hoanzl) ein gewisser Mangel.

Petsch Moser ist die einzige nicht steirische Band dieser kleinen Rundschau. Das gelungene neue Album der Wiener, "Reforma" (Wohnzimmer/Broken Silence), punktet musikalisch wie textlich durch einen bemerkenswerten Facettenreichtum. Der großzügige Pianoeinsatz steht ihrem poetischen, deutschsprachigen Indiepop gut zu Gesicht, und auch die Mischung aus flotten Rocksongs wie dem aktuellen FM4-Hit "Gustav K" und ruhigen, teils an die Linzer Shy in ihrer Countryphase erinnernden Liedern funktioniert bestens.

Gerhard Stöger in FALTER 44/2006 vom 03.11.2006 (S. 70)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

A Thousand Moments We Let Pass ... (Once Tasted Life)
All important little things (Lamexcuse)
Teenage trash Insanity (The Staggers)
Reforma (Petsch Moser)

Rezension aus FALTER 43/2006

Scheppern mit Seele

Die Weizer Band Killed by 9V Batteries lässt es auf ihrem Debütalbum wunderbar krachen und belebt den Indie-Rock der Neunziger.

Wir sind zu spät auf die Welt gekommen", sagt Wolfgang Möstl, Gitarrist und Sänger von Killed by 9V Batteries. Was ihn an unserer heutigen Zeit stört, ist nicht der Abbau des Sozialstaates oder die neoliberale Wirtschaftsethik, sondern gewisse zeitgenössische Popströmungen: "Es gibt doch fast nur mehr Disco-Rock-Bands".

Nachdem die Elektronik und der Dancefloor auch in die traditionellen Gebiete des Indie-Rock Einzug gehalten haben, fühlen sich die drei Weizer mit schwerer Slacker-Attitüde, gerade mal dem Teenageralter entwachsen, im rockigen Purismus der Spätachtziger und Neunziger heimisch. Das zeitigt seine Folgen: Gitarrenkrach verdichten sie teilweise so wunderbar wie es die Lärmkünstler Sonic Youth einst taten, die rücksichtslose Polterei erinnert an die frühen Pavement. Um in die Jetztzeit zu kommen: Man stelle sich die Indie-Folk-Combo Bright Eyes furchtbar übel gelaunt vor. Und so erfreut auf dem ersten offiziellen selbstbetitelten Longplayer der 9V Batteries eine scheppernde Rohheit, die dennoch ungemein beseelt ist.

2002 haben sie das erste Mal Instrumente in die Hand genommen, ab dem Moment, wo sie diese halten konnten, auch schon Platten veröffentlicht. Anfänglich noch auf ihrem Mini-Label Numavi Records in Kleinstauflage, auch von befreundeten Bands. "Man muss schon zugeben, dass die Sachen Demo-Charakter hatten, auch immer sehr Lo-Fi waren", erzählt Möstl. Bei ihrem aktuellen Werk hat sich das angeblich geändert: "Das ist Hi-Fi für uns." Als Möstl die Aufnahme das erste Mal hörte, dachte er sich: "Das klingt wie Stadionrock", erzählt er heute, und die sympathischen und schüchternen Burschen schmunzeln verschämt. Und es klingt noch immer schmutzig.

Aufgenommen haben sie in Berlin, im Studio von Tobias Siebert, bekannt durch die deutsche Indie-Pop-Band Delbo. Den Kontakt hat Robert Stadlober hergestellt, Schauspieler und Betreiber von Siluh Records, das Wiener Label auf dem die 9V Batteries eine Heimat gefunden haben. Eine Heimat in den Musikzeitschriften des Landes haben sie noch nicht wirklich gefunden, und auch wenn Möstl die "Jede Woche ein neuer Hype"-Herangehensweise unsympathisch findet, unter Umständen erwartet sie ein ähnliches Schicksal: Denn akklamiert wurde schon, und die Wiener Musikerkollegin Sophia Hoffmann von Jellybeat bezeichnete sie gar als "die energetischste Live-Band Österreichs". Das obwohl noch nicht berauschend oft konzertiert wurde: "In Tschechien waren wir schon. Obwohl der Eintritt frei und das Bier gratis waren, kamen nicht mehr als zehn Leute. Die waren aber hellauf begeistert." Ein bisschen professioneller wird es da schon auf ihrer ersten dreiwöchigen Tour durch unsere Nachbarländer im Februar nächsten Jahres zugehen. Und ein wenig Erfolg wäre ihnen überhaupt zu wünschen: Nachdem sie als Studiosi nicht unbedingt erfolgreich waren, ihren Status Quo als "eher arbeitslos" bezeichnen und ökonomisch mit "durchwursteln" überleben, hätten sie sich neben dem Plasmaspenden sicher eine lukrativere Einkommensquelle verdient.

Tiz Schaffer in FALTER 43/2006 vom 27.10.2006 (S. 10)


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