Klaviersonaten D 537 & D 894/+

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Rezension aus FALTER 25/2008

Von wegen Franzl!

Es könnte ewig so weitergehen, wenn Gottlieb Wallisch Schubert spielt – mit warmem, dunklem Ton, ohne je in falsches Sentiment abzugleiten, das so gefährlich nahe läge. Doch immer wieder bricht die Musik ab oder versiegt unmerklich in irritierender Stille. Wallisch spielt "Schubert-Fragmente" (Naxos/Gramola). Mit zwei Torsi (D 655, D 769a/994) sowie den unvollendeten Sonaten Nr. 1, 8 und 15 schließt der in Deutschland lebende Wiener eine ausgezeichnete CD-Trilogie ab, auf der er Schubert als ringenden, nicht als scheiternden Komponisten zeigt und ganz puristisch keine Note mehr anschlägt als notiert – obwohl manches, wie ja oft geschehen, unschwer zu ergänzen wäre. Gerade ­diese dokumentarische Strenge sorgt für Gänsehaut beim Hören.Auch Herbert Schuch hat mit den Sonaten D 537 und D 894 (Oehms/Lotus) hervorragende, von Alfred Brendel angeregte Schubert-Interpretationen vorgelegt. Der junge rumänisch-deutsche Pianist punktet mit beeindruckender Souveränität und Individualität – und landet mit der so ungewöhnlichen wie gelungenen Programmierung des Albums auch noch einen veritablen Coup. Schuch rahmt die beiden Schubert-Sonaten mit zwei Werken des Avantgardisten Helmut Lachenmann ein, eröffnet mit dessen frühen, noch an Schönberg und Strawinsky orientierten "Fünf Variationen über ein Thema von Schubert" (einen "Deutschen Tanz") und schließt – nicht nur klanglich raffiniert – mit der umfassenden Skelettierung des Klaviers im geräuschhaften "Guero".Schonungslos schwarz scheint Schubert schließlich auf dem neuen Album von Ingrid Marsoner: in der "Grande Sonate" a-Moll, D 845, welche die österreichische Pianistin der hell melodiösen A-Dur-Sonate D 664 in scharfem Kontrast gegenüberstellt (Gramola). Verhangene Trauer vom ersten Takt an, Düs­ternis und Dramatik überall. Marsoner, der Schubert hörbar eine Herzensangelegenheit ist, lässt nichts Vermittelndes aufkommen, Süßlichkeit schon gar nicht und auch kein Sentiment. Selbst das Scherzo erklingt bei ihr geis­terhaft überschattet. Eine radikale, höchst subjektive Interpretation, die aber nicht zuletzt durch Stimmigkeit und Konsequenz besticht.

Carsten Fastner in FALTER 25/2008 vom 20.06.2008 (S. 59)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Klaviersonaten 1/8/15 (Gottlieb Wallisch, Franz Schubert)
Sonaten 845/664

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