Carmina Burana

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Rezension aus FALTER 18/2009

Ein Schlag durchs ganze Orchester und dann der Chor aus voller Kehle: "O Fortuna, velut Luna statu varia­bilis." – So kennt man sie heute, die "Carmina Burana", eine der wichtigsten Sammlungen weltlicher lateinischer Lyrik des Mittelalters.
1937 hat Carl Orff 24 der insgesamt 254 erhaltenen Vagantenlieder für Chor und Orchester frei vertont, beginnend mit der bombastischen Anrufung der – "wie der Mond wechselhaften" – Glücksgöttin Fortuna. Orffs Kantate ist eines der populärsten Werke des 20. Jahrhunderts, nicht zuletzt bekannt durch ausgiebigen Einsatz in der Funk- und Fernsehwerbung.
Kaum bekannt ist aber, dass für viele der Gedichte auch originale Melodien erhalten sind. Die 1803 im bayerischen Kloster Benediktbeuern (daher der Name) aufgefundene Handschrift entstand vor 1250, wahrscheinlich in Südtirol oder Kärnten. Dort haben Mönche einen Teil der Dichtung mit Melodien versehen, notiert in linienlosen Neumen, die den Melodieverlauf in relativen Tonhöhen angeben.
Bereits zum zweiten Mal in seiner langen Karriere hat René Clemencic
(geb. 1928) mit seinem Clemencic Consort nun die "Carmina Burana in der Originalversion" zum Klingen gebracht (Oehms Classics). Das ist natürlich ein spekulatives Unterfangen, doch es basiert auf der reichen Erfahrung dieses österreichischen Doyens Alter und ältester Musik und auf seinen Studien der süditalienischen Folklore, in der sich mittelalterliche Musizierpraktiken bis heute erhalten haben.
Ihre Kraft aber bezieht diese Wiederbelebung aus dem überraschend vielfältigen, bunten Klangbild des virtuos eingesetzten Instrumentariums – von Schlüsselfidel und Maultrommel über Hornflöte und Hackbrett bis zu Dudelsack und Radleier.
Seine Kenntnisse der Alten Musik macht sich René Clemencic auch als Komponist zunutze. In seinen Stücken lässt er gerne den Hauch der Geschichte wehen. Das 1992 entstandene, nun vom Clemencic Consort neu eingespielte Oratorium "Kabbala" oder "Die vertauschten Schlüssel zu den 600.000 Gemächern des Schlosses" (Col legno) etwa beruht auf hebräischen Texten aus der Thora und der Kabbala und steckt voller zahlenmystischer Beziehungen. Contratenöre, Zinken, Posaunen und viele mittelalterliche Schlaginstrumente prägen das archaische Klangbild.

Carsten Fastner in FALTER 18/2009 vom 01.05.2009 (S. 25)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Kabbala (Rene Clemencic)

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