Mea Culpa

von Bilderbuch

Lieferbar ab 22.02.2019

Label: UNIVERSAL
Format: CD
Genre: Pop deutschsprachig
Umfang: 9 Tracks, Gesamtspielzeit 34:46 Min.
Erscheinungsdatum: 22.02.2019

Rezension aus FALTER 49/2018

Bilderbuch suchen mit ihrem neuen Album nach Liebe in nervösen Zeiten

Kurz vor Weihnachten erscheinen normalerweise keine Platten relevanter Acts. Die Musikredaktionen verpacken nur mehr die Bestenlisten mit den Alben des Jahres in Geschenkpapier. In diesen seligen Schlummer platzen Bilderbuch mit dem am Dienstag online gestellten Überraschungsalbum „Mea Culpa“. Die freundliche Ruhestörung passt zu den Wiener Pop-Überfliegern, suchen sie doch immer nach neuen Wegen, ihre Musik zu veröffentlichen.

Insofern sind Bilderbuch eine hochmoderne Band. Sie sind aber auch eine schön altmodische, stellt ihr neues Opus doch eine Absage an den aktuellen Musikmarkt dar, der in erster Linie nach Streaming-Musikfutter in Form von Singles verlangt. „Mea Culpa“ indes will als Ganzes konsumiert werden – noch mehr als die Hitplatte „Schick Schock“ (2015) und der geniale, aber auch zerfahrene unmittelbare Vorgänger „Magic Life“ (2017).

Das Gefühl nächtlicher Einsamkeit liegt über den Songs. Maurice Ernsts Texte kreisen um die Verlorenheit des Individuums in einer von Tempo und Apps geprägten Zeit. Doch der Mensch sehnt sich unverändert nach Zuneigung – ob in körperlicher („29 und ich brauch deinen Sex“) oder emotionaler Form („Ich such nach etwas Liebe hier im Internet“). Zweiteres erweist sich hier als ungleich schwieriger: „No Love on LED-Screen“.

Die Musik hat viel Prince-Soul, emotional erinnert sie bisweilen an Falcos Groove-Ballade „Nachtflug“. Noch ein großer Name: „Emotion“ ist ein magisches Zwischenstück in der Manier der späten Roxy Music. Die herausragenden Songs sind „Checkpoint (Nie Game Over)“, das großes Gefühlskino bietet, und „Lounge 2.0“, ein unerwarteter Ausflug ins vergessene Genre 2-Step Garage mit unglaublich funkiger Rhythmussektion.

„Lounge 2.0“ enthält auch einen der besten Sätze des Albums: „Du verdienst jetzt richtig Geld, aber nicht genug für diese Welt.“ Eine Überzeile wie „Ich brauch Power für mein’ Akku, Baby, leih mir deinen Lader“ oder spezielle Wortschöpfungen bleiben Bilderbuch diesmal schuldig. Dafür bilden die neun Songs eine faszinierende Einheit. Überraschung geglückt, doch damit nicht genug: Im Februar 2019 soll mit „Vernissage My Heart“ gleich noch ein zweites neues Album folgen.

Sebastian Fasthuber in FALTER 49/2018 vom 07.12.2018 (S. 35)

  Song-Titel
1.  Sandwishes 3:15
2.  Taxi Taxi 4:36
3.  Lounge 2.0 3:01
4.  Emotion 1:33
5.  Mein Herz Bricht 5:19
6.  Megaplex 4:42
7.  Memory Card 2:53
8.  Checkpoint (Nie Game Over) 4:32
9.  Aloe Vera 4:55

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