YOU COULD HAVE IT SO MUCH BETT

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Rezension aus FALTER 39/2005

Schon wieder superfantastisch!

Als Franz Ferdinand vor zwei Jahren erstmals im Falter auftauchten, waren sie nicht mehr als eine vielversprechende junge Band mit toller erster Single, außergewöhnlichem Charme und ausgefallenem Namen. Ein gutes halbes Jahr später feierte das Quartett aus Glasgow sein Wiener Livedebüt bereits mit einem ausverkauften Arena-Open-Air und euphorisierte trotz Sauwetters rund 3000 Besucher durch eine Show, deren Mischung aus Leidenschaft und Koketterie an die frühen Beatles erinnerte.

Inzwischen hält das beim kleinen Indielabel Domino veröffentlichte Debüt "Franz Ferdinand" bei drei Millionen verkauften Exemplaren. Jede ausgekoppelte Single wurde zum Hit, Franz Ferdinand räumten diverse Musikpreise ab, und ein Friseurbesuch von Sänger Alex Kapranos wird von den Fans als weltbewegendes Ereignis aufgenommen - per Internetpetition forderten sie ihn auf, zum alten Scheitel zurückzukehren.

Nicht selten zerbrechen Bands an einem derartigen Irrsinn, spätestens aber am Erfolgsdruck eines zweiten Albums. Franz Ferdinand hingegen tun, als sei nichts gewesen, und geben auf "You Could Have It So Much Better" weitere 13 Stücke lang die freundlich-kunstsinnigen Indiepop-Schlaumeier, die aus ihrer mehr als fundierten popkulturellen Allgemeinbildung offenbar eine geheime Formel destilliert haben, die sie in die Lage versetzt, drei- bis vierminütige Musiknummern in funkensprühende Glücksmomente zu verwandeln. Die Hits springen einen diesmal zwar nicht so unmittelbar an wie auf "Franz Ferdinand", sind aber in ähnlicher Dichte vorhanden.

Der schnittige Sound ist unverkennbar Franz Ferdinand, aber mehr als eine Kopie des Debüts - sowohl balladenhafte Songs als auch eine neue Düsternis sind hinzugekommen. Und weiterhin gilt das Motto, dass ein Stück nur zu wenige, aber nie zu viele gute Ideen enthalten kann; zitiert wird nach Lust und Laune - einmal taucht kurz das "I Wanna Be Your"-Piano der Stooges auf, an anderer Stelle schneit das Gitarrenriff aus "My Sharona" von The Knack herein. Die Texte sind nicht eben von Sonnenschein geprägt ("drink to the devils and death to the doctors"), einmal schauen gar Hitler, Stalin, Churchill und Mao Tse-Tung vorbei. Kapranos' Gesang schadet die gelegentlich zur Schau gestellte Arroganz kein bisschen - und alles in allem wirkt das Entzücken übers eigene Schaffen einmal mehr absolut ansteckend.

Ein weiterer großer Wurf also. Und ein starkes Indiz mehr dafür, dass die Frage nach der bedeutendsten Rockband des Jahrzehnts in vier Jahren nicht mit "Coldplay" beantwortet werden wird.

Gerhard Stöger in FALTER 39/2005 vom 30.09.2005 (S. 60)


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