Sweet Heart Sweet Light

von Spiritualized

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Label: DOMINO RECORDS
Format: CD
Genre: Pop englischsprachig
Umfang: 11 Tracks, Gesamtspielzeit 59:36 Min.
Erscheinungsdatum: 13.04.2012


Rezension aus FALTER 14/2012

"Ein weiteres Element im Rückgrat des Rock 'n' Roll"

Die britische Space-Rock-Ikone Jason Pierce alias Spiritualized schließt auf seinem neuen Album Frieden mit dem Popsong

Er ist spät dran. 50 Minuten nach dem vereinbarten Interviewtermin taucht Jason Pierce schließlich auf. Unbekümmert setzt er sich und bestellt ein Glas Weißwein. "Tut mir echt leid, Mann. Ich habe im Studio gearbeitet und die Zeit total übersehen", sagt er.
Sehr unaufgeregt, gerade so, als käme ihm diese Entschuldigung öfter über die Lippen. In seinem Fall passt das fast zu gut. Schließlich war Zeit im Fall von Pierces Musik schon immer ein vernachlässigbarer Faktor.

Es waren seine Platten, zu der die Generation der heutigen Mittdreißiger erstmals halluzinogene Drogen ausprobiert hat. Vermutlich war seine Musik in vielen Fällen sogar der Auslöser für solche Experimente.
Mit seiner ersten Band, Spacemen 3, schuf der 46-jährige Brite in den 1980ern minimalistische Psychedelik­epen; sein Nachfolgeprojekt Spiritualized kreiert seit 20 Jahren schier schwerelose Songs zwischen Garagen-Rock und Gospel.
"Ladies & Gentlemen We Are Floating in Space", das 1997 erschienene dritte Album der Band, gilt als eine der bedeutendsten Platten seiner ­Dekade. "There's a hole in my arm ­where all the money goes", singt Jason Pierce darauf. Schmerz, zugeschüttet mit Chören, Bläsern, Streichern und schwebenden Gitarren. Große Songs eines Genies am Abgrund; Bombast, der all die anderen Brit-Bands damals überragte und Lichtjahre hinter sich ließ.
Seitdem hat sich im Leben des Musikers viel verändert. Pierce ist Vater geworden und dem Tod knapp von der Schippe gesprungen; die Drogen gehören angeblich der Vergangenheit an. Obwohl: nicht ganz. Während der Arbeiten zum siebenten Spiritualized-Album, "Sweet Heart Sweet Light", dem ersten seit vier Jahren, war der Musiker wegen einer Leberkrankheit in Chemotherapie.

"Die Medikamente, die dir da verabreicht werden, sind übel", sagt Pierce. "Sie machen dich total stumpf, du bist total gaga, total ‚huh'. Deshalb stehen auch diese drei Buchstaben am Cover." Inhaltlich hat die Krankheit ebenfalls Spuren auf der Platte hinterlassen: Pop war im Spiritualized-Kosmos immer eine wichtige Komponente. Wenn auch eine, die vor allem verzerrt, verdreht und verschachtelt eingeschmuggelt wurde, oft begraben unter einer Tonne von Effekten.
Diesmal lässt Pierce den Pop ungewohnt offen gewähren. "Ich wusste, dass ich während der Aufnahmen in Behandlung sein würde, und dachte, es wäre besser, an kürzeren, simpleren Songs zu arbeiten."
Natürlich gibt es Ausreißer. Das dröhnende und ächzende "Headin' for the Top Now", das jeder Velvet-Underground-Platte gut stehen würde, oder das neunminütige Schrammel­epos "Hey Jane", das zur Hälfte in einen Free-Jazz-Ausbruch kippt. Aber es sind vor allem strukturierte Songs wie "Little Girl" oder "Too Late", die das Album prägen. Songs mit Streichern, Pianos, Tremologitarren und Chorgesängen; Songs, die kaum die 5-Minuten-Grenze sprengen.
"Den Chor für ‚Too Late' habe ich ursprünglich für die Soulsängerin ­Candi Staton geschrieben, ‚I Am What I Am' stammt aus einer alten Session mit Dr. John", sagt er. "Gute Fragmente, die in der Schublade gelandet sind, weil sie nie wirklich passten. Für das neue Album habe ich viele dieser alten Ideen ausgegraben, um die Pop­platte zu machen, die im Spiritualized-Œuvre bisher gefehlt hat."
Pierce hält kurz inne und doziert dann pointiert weiter: "Es ist kein aufgeregtes, zorniges Album. Keines, das deine Wände beschmiert oder deine Fensterscheiben einschlägt. Es ist eine gefestigte Platte, ein weiteres Element im Rückgrat des Rock 'n' Roll." Gut so, denn Platten wie diese sind heute ohnedies Mangelware.

Florian Obkircher in FALTER 14/2012 vom 06.04.2012 (S. 29)

Titelliste
1. 
Huh? (Intro)
1:01
2. 
Hey Jane
8:51
3. 
Little girl
3:39
4. 
Get what you deserve
6:46
5. 
Too late
3:45
6. 
Headin' for the top now
8:22
7. 
Freedom
4:31
8. 
I am what I am
4:37
9. 
Mary
6:11
10. 
Life is a problem
4:02
11. 
So long you pretty thing
7:51

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