Jacket Full Of Danger

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Verlag: Rough Trade/Beggars Group
Genre: Pop/Rock
Erscheinungsdatum: 01.01.2011

Rezension aus FALTER 10/2006

Triumph der Niedlichkeit

Der im deutschsprachigen Raum weltberühmte New Yorker Adam Green hat auch mit "Jacket Full of Danger" die Lacher auf seiner Seite.

Workaholic sei er keiner, meint Adam Green und wundert sich über Leute, die sich ihrerseits über seine Produktivität wundern. Lieder zu schreiben sei schließlich sein Job und ein Jahr ohne Platte daher ein verlorenes Jahr. In den 13 Monaten, die zwischen "Gemstones" und seinem vierten Soloalbum "Jacket Full of Danger" liegen, hätte man ausreichend Zeit zum Hören der Platte gehabt, meint der 24-jährige New Yorker. "Was kann ich denn dafür, dass die Musikindustrie heute ganz andere Standards vorgibt? Früher war es völlig normal, zumindest ein Album pro Jahr zu machen."

Der charmante Kuschelbube mit der so gar nicht zu seinem Äußeren passenden Brummbärstimme hat natürlich Recht - und eigentlich waren diese 13 Monate ohnehin schon fast zu lange, um seinen Glanz aufrechtzuerhalten. So euphorisch "Gemstones" nämlich bei seiner Veröffentlichung empfangen wurde, so schnell wurde es auch wieder vergessen: Im Gegensatz zu Greens Zweitwerk "Friends of Mine", das ihn 2003 zumindest im deutschsprachigen Raum zum Star machte, wollte sich Ende 2005 kaum jemand noch an "Gemstones" erinnern.

Schuld daran war nicht nur die poptypische Kurzlebigkeit, in der das Meisterwerk von heute manchmal schon tags darauf nur mehr Achselzucken auslöst. Adam Green begann in seiner Omnipräsenz ganz einfach zu nerven. Alleine in Österreich hat er letzten Sommer auf drei großen Festivals gespielt, die edition suhrkamp brachte die pubertäre Sprachpoesie seiner zuvor handkopiert auf Konzerten verkauften "Magazines" als Buch heraus, und irgendein Anlass fand sich sowieso immer, die einstige Hälfte des New Yorker Trash-Folk-Duos Moldy Peaches in einer deutschen TV-Show auftreten zu lassen.

"Jacket Full of Danger" wäre der Papierform nach also die klassische Backlashplatte. Vorab verfasste Abrechnungen mit der Niedlichkeit müssen nach dem Hören der 15 Songs - die auch diesmal auf einer halben CD-Stunde Platz finden - aber in der Schublade bleiben. "Jacket Full of Danger" verdeutlicht nämlich vor allem eines: Die Euphorie um Adam Green mag ebenso nerven wie seine unverbindlich-kumpelhafte Freundlichkeit, seine Songs aber sprechen ganz klar für ihn.

Auf "Friends of Mine" hatte der bereits als herausragender Songwriter seiner Generation gehandelte Frank-Sinatra-Fan dem Antifolk früher Tage aus einer konzeptuellen Idee heraus großzügige Streichersätze gegenübergestellt, mit "Gemstones" wollte er beweisen, dass es ohne diese Arrangements ebenso gut geht. Jetzt sind die Streicher zurück, fungieren auf seiner bislang entspanntesten und facettenreichsten Platte aber nicht als Hauptattraktion, sondern als selbstverständliches Element.

Die zugehörigen Texte sind etwas weniger zotig als zuletzt und doch gewohnt eigenwillig; "Bob Dylan was a vegetable's wife/Game over hope you had a good life" lautet einer dieser typischen Green-Reime. Gleichzeitig beklagt er in der traurigen Folkballade "Hairy Women" mit aller ihm zur Verfügung stehenden Ernsthaftigkeit gesellschaftliche Schönheitsstandards, während "Drugs" nur scheinbar ein Hohelied auf Drogenkonsum darstellt. "I like Drugs/I love them so" singt er - und macht sich doch vor allem über die Art und Weise lustig, wie Menschen ihren Drogenkonsum zelebrieren. "Man sollte Drogen nehmen, um Spaß zu haben", erklärt Green ganz unironisch. "Wer sie aber nimmt, weil er sie braucht, sollte sich professionelle Hilfe suchen."

Gerhard Stöger in FALTER 10/2006 vom 10.03.2006 (S. 61)


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