Bones of My Bones

von Ebony Bones

Derzeit nicht lieferbar

Label: Pias/Edel
Erscheinungsdatum: 26.06.2009

Rezension aus FALTER 33/2009

Im Club der zukünftigen Exfrauen

Hippietochter mit Background in der Kunst, Porno-Rap mit unschuldigem Blick: Das neue Popsternchen Amanda Blank aus Philadelphia hätte man mittels Casting nicht besser hinbekommen können. In ihrer Heimat wird die aus einer Performancegruppe auf die Popwelt losgelassene 27-Jährige noch kaum wahrgenommen – der amerikanische Konsument hat es gern eindeutig. Aus Europa strömt Blank für ihre mehrfach gebrochene, fun-feministische HipHop-Pop-Mixtur dafür umso mehr Liebe entgegen.

Und diese Frau braucht viel Liebe. "I Love You" heißt ihr dieser Tage erschienenes Debütalbum. Wobei sich das four-letter word bei ihr fast ausschließlich auf das Liebemachen und also die körperlichen Aspekte der Ars amandi bezieht. Der Bogen reicht in den Texten von aggressiv eingeforderter Befriedigung bis zum Sexspielzeug.

Die auf den Spuren der Kanadierin Peaches wandelnde Amanda Blank wird schon als selbstbewusste neue Pop-Queen gefeiert. "Sie tut es den männlichen Kollegen gleich, fordert ihr sexuelles Vergnügen ein und degradiert den Mann zum Opfer seiner Triebe", formuliert es das deutsche Feuilleton funky.

Sprich: Amanda Blank steht für die Sorte Sex, bei der es Männern schnell heiß wird, aber auch ein bisschen mulmig.

All das wäre lediglich theoretisch gut und schön, wäre der schlauen Entertainerin und ihren Produzenten Diplo & Switch (Major Lazer) sowie Spank Rock nicht ein brodelndes Album zwischen HipHop und Dub, Postpunk und Disco geglückt.

Man kann "I Love You" auch einfach als lustige Platte zum Tanzen hören, ohne auf die Texte zu achten. Ironischerweise ist ausgerechnet der Saccharin-haltigste Song der subversivste: "A Love Song" beruht auf "I Need Love", dem Schmuse-Rap-Klassiker des alten Machos LL Cool J. Die HipHop-Kunst der Aneignung und Umdeutung versteht Amanda Blank schon mal prächtig.

Weniger pornomäßig, aber umso schriller präsentiert sich die Britin Ebony Thomas. Unter dem Alias Ebony Bones! hat sie mit "Bone of My Bones" eine derbe Sommerplatte mit Freistil-Beats, Schweinerock-Gitarren und New-Wave-Ästhetik veröffentlicht. Irgendwann zwischen 1983 und 1987 geboren, stöckelte sie zunächst als Teenager in der Rolle des Glamour-Girls durch die TV-Soap "Family Affairs".

Nachdem ihr der Ausstieg gelang, nahm sie in Eigenregie die beiden Songs "We Know All About U" und "Don't Fart on My Heart" auf. Freilich nutzte die junge Dame, die ihrer Kollegin Grace Jones in Sachen Kostümierung kaum nachsteht, ihre Bekanntheit dazu, um schnell Radio-Airplay und Live-Auftritte zu ergattern.

Die beiden Songs zeigen in etwa das Spektrum von Ebony Bones! auf. Während "We Know All About U" von der Erfüllung von Orwells Prophezeiungen im heutigen England handelt, geht es in "Don't Fart on My Heart" um Liebe, die stinkig geworden ist. Auch "I'm Ur Future X Wife" legt nahe, dass man sich besser nicht mit Ebony Bones! anlegen sollte.

Bizarr: In manchen Momenten erinnert sie an Nina Hagen in besseren Tagen. Dazu passt, dass sie für ihr zweites Album die Zusammenarbeit mit einem indischen Sinfonieorchester plant. Pop spielt verrückt.

Sebastian Fasthuber in FALTER 33/2009 vom 14.08.2009 (S. 24)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

I Love You (Amanda Blank)

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