Stark Wie Zwei

von Udo Lindenberg

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Label: Starwatch
Format: CD
Genre: Rock deutschsprachig
Umfang: 14 Tracks, Gesamtspielzeit 61:54 Min.
Erscheinungsdatum: 28.03.2008

Rezension aus FALTER 16/2008

The Sound of Udo

Vor zwei Jahren passierte etwas Bemerkenswertes mit Bob Dylan: Der bringt ein Album heraus ("Modern Times") und wird aus dem Stand Erster in den Billboardcharts – zum ersten Mal in einer Karriere, die seit 1961 andauert. Man lernt: Wenn du vierzig Jahre lang Rockmusik machst und dabei in deiner Liga das Original bleibst, gibt es irgendwann ziemlich viele Leute, die sich auf dich einigen können.
Im deutschen Teil der Welt hat nun Udo Lindenberg (Karrierebeginn 1969) diese These glanzvoll bestätigt. Ende März veröffentlicht er die Vorabsingle "Wenn du durchhängst" und singt im Fernseh-Samstagabend, wenige Tage später erscheint das dazugehörige Album "Stark wie Zwei" und ist auf Anhieb deutsche Nummer eins. Das war bei Udo auch noch nie da. Udo ist nicht Bob, klar, aber Lindenberg ist für die Deutschen (und ein wenig auch für alle anderen, die deren Sprache sprechen) so zentral wie Dylan für die Welt.
Der Westfale, der als Folk- und Jazzrock-Zeugler begonnen hatte und 1968 lebenslang in Hamburg pickengeblieben ist, erlebte seinen Ankick Anfang der Siebziger mit dem Album "Andrea Doria" und spielte ab da in seiner eigenen Klasse. Er entwickelte zahlreiche Alter Egos, arbeitete mit Leuten wie Eric Burdon, Peter Zadek oder der betagten Marlene Dietrich und hinterließ dabei zahllose Songs, die zu deutschem Volksgut wurden, "Ich lieb dich überhaupt nicht mehr" etwa oder "Der Sonderzug nach Pankow". In den vergangenen beiden Jahrzehnten indes schien Udo immer mehr in der eigenen Figur zu vertrocknen, lebte wie eine Art hanseatischer Marcel Prawy im Hotel Atlantic und machte anscheinend nur noch Platten, um schwerfällige, revueartige Tourneen zu befeuern.
Der großartige, irgendwie von Haus aus röhrenverstärkte Sound seiner Stimme – kein deutscher Gesang hat jemals besser zur Stromgitarre gepasst – drohte dabei allmählich in den Billig-Arrangements diverser Häuslproduzenten zu verkleben. Das ist ein Schicksal, das auch vor österreichischen Groß-Liedermachern nicht haltmachte, wie man weiß.
Nur: In Hamburg ist jetzt Schluss damit.

Stark wie Zwei", produziert von Andreas Herbig, ist eine gute, manchmal ausgezeichnete Platte geworden, mit zum Teil echt berührenden Songs und einer Musik, die Udos Stimme trägt, ohne ihr nur servil zu dienen. Die Gitarren dürfen schmatzen, das Zeugl scheppern, und das alles hat eine Transparenz, die die große Produktion stets davor bewahrt, übergewichtig zu werden. Udos Lieder handeln eh, wie stets, von der gewissen alten, aber unentrinnbaren Liebe, von Männerfreundschaften, vom Saufen (die entwaffnende Alk-und-Astronauten-Metapher von "Woddy Woddy Wodka"!) und, früher eher selten, vom Sterben ("Stark wie Zwei"). Dabei kommt das genuin Lindenberg'sche Popdeutsch ("Ey, das ist doch klare Sache") genau so gelassen rüber, wie es ihm gebührt. Der Mann ist ganz bei sich, keiner stört ihn, die richtigen Kräfte stehen ihm unauffällig bei.
Dabei sind die Promi-Duette (mit dem großartigen Helge Schneider, dem eh leiwanden Jan Delay und den schon ein bissi unnötigen Silbermond) die schwächeren Momente des Albums. Am besten ist Udo immer allein. So wird die reibeiserne Treuherzigkeit von "Wenn du durchhängst" grad völlig zu Recht zum Hadern der Saison, so stellt sich bei "Der Astronaut muss weiter" nach wenigen Sekunden die Ganslhaut auf, so muss man blöde und empathisch lächeln, wenn Udo Lindenberg in "Mein Ding" bestgelaunt versucht, in seinem Leben den Masterplan zu lesen.
Diese Platte ist uns allen zu gönnen. Am meisten aber Herrn Lindenberg selbst.

Ernst Molden in FALTER 16/2008 vom 18.04.2008 (S. 63)

  Song-Titel Interpret
1.  Ich zieh' meinen Hut 3:57 Lindenberg, Udo
2.  Wenn du durchhängst 4:19 Lindenberg, Udo
3.  Ganz anders 4:06 Lindenberg, Udo / Delay, Jan
4.  Was hat die Zeit mit uns gemacht 4:17 Lindenberg, Udo
5.  Mein Ding 4:24 Lindenberg, Udo
6.  Stark wie Zwei 4:16 Lindenberg, Udo
7.  Der Deal 3:59 Lindenberg, Udo / Silbermond
8.  Chubby Checker 4:14 Lindenberg, Udo / Schneider, Helge
9.  Der Greis ist heiss 4:28 Lindenberg, Udo
10.  Woddy Woddy Wodka 5:31 Lindenberg, Udo
11.  Nasses Gold 5:44 Lindenberg, Udo
12.  Interview mit Gott 4:17 Lindenberg, Udo
13.  Verbotene Stadt 5:05 Lindenberg, Udo / Brönner, Till
14.  Der Astronaut Muss Weiter 3:17 Lindenberg, Udo

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