Acoustic Classics

von Richard Thompson

€ 20,50
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Label: Proper Rec
Format: CD
FSK: Freigegeben ohne Altersbeschränkung
Genre: Folk / Folklore
Umfang: 14 Tracks, Gesamtspielzeit 56:34 Min.
Erscheinungsdatum: 30.01.2015


Rezension aus FALTER 37/2014

Auf dem Drahtseil und auf dem Mond

Zwei, die nie was falsch machen: neue Alben von Loudon Wainwright III und Richard Thompson

Es gibt gefallene Helden, es gibt gefährdete Helden, und es gibt verlässliche Helden. Die Zuschreibungen sind offen für Interpretationen; dass Richard Thompson und Loudon Wainwright III zu den verlässlichen Helden zählen, steht freilich völlig außer Zweifel.
Der 65-jährige britische Folkrock-Pionier und der einst als "neuer Dylan" gefeierte US-­amerikanische Singer/Songwriter, der vergangene Woche seinen 68. Geburtstag beging, ­haben seit den späten 1960ern bzw. den
frühen 70ern Dutzende Alben herausgebracht. Schämen müssen sie sich für kein einziges.

Gemeinsam ist den beiden Freunden, die auch schon zusammen im ­Studio ­waren, darüber hinaus, dass ihre Ehescheidung und ihr Familienleben ziemlich öffentlich ausgetragen werden und wurden: Aus Wainwrights Ehe mit der mittlerweile verstorbenen kanadischen Sängerin Kate McGarrigle gingen Rufus und Martha Wainwright hervor; und Teddy und Kami, die Kinder von Richard und Linda Thompson, sind ebenfalls in die Fußstapfen ihrer Eltern getreten.

Fast die Hälfte der 14 Titel auf Thompsons "Acoustic Classics" stammt aus dem Repertoire der Zeit mit Linda, allein drei Stücke von ihrem letzten gemeinsamen Album "Shoot Out the Lights" (1982), nach dem sie sich scheiden ließen – ein Ereignis, das ein Song wie "Walking on a Wire" schon antizipiert: "I'm walking on a wire, I'm walking on a wire – and I'm falling" lautet der Refrain, und Thompson singt ihn nicht selbstmitleidig oder sentimental, sondern nur mit dieser verzweifelten Gereiztheit und wütenden Müdigkeit, die einen überfällt, wenn man weiß: Es ist nichts mehr zu machen, alles geht den Bach runter.
So persönlich der Hintergrund auch sein mag, Thompson ist weniger Singer/Songwriter als ein Troubadour, der herumreist, um Geschichten zu erzählen: Geschichten von der Frau, die nach 20 Jahren Ehe "From Galway to Graceland" reist, um beim "King" zu sein; oder von jener Ménage à trois zwischen Mädchen, Mann und Motorrad, die in eine Himmelfahrt mündet ("1952 Vincent Black Lightning").
Thompson nimmt seine Hörer mit auf eine Reise, die den Celtic groove eines dörflichen Tanzabends ganz ohne Fidel evoziert ("One Door Opens") und puren Rock 'n' Roll ohne Gitarrenfeedbacks ("Valerie"). Wobei den stupenden gitarristischen Fähigkeiten Thompsons nur gelegentlich in kontrollierten, glissandigarnierten Soli Auslauf gestattet wird.

Wer von den beiden der Kasper ist, zeigt sich schon auf dem Cover: Auf dem sitzt Loudon Wainwright in der ­Badewanne und macht ein ­trauriges Clownsgesicht. "Haven't Got the Blues (Yet)" handelt von der ­alltäglichen Beschissenheit der Dinge: Richtig schlimm ist es noch nicht, kann's aber jederzeit noch werden.
Wainwright liebt es, ein schönes Schaumbad der Selbstironie zu nehmen. Entsprechend luxuriös sind seine unter Beteiligung hochkarätiger Jazzer eingespielten 14 Stücke auch instrumentiert. Äußerst schwungvoll schildert der Opener "Brand New Dance" die Freuden des Alters, die schon in aller Früh anheben: "Now here comes the hard part, here's the bad news / You got to bend over and put on your shoes."
Im anschließenden "Spaced" erweist sich Wainwright einmal mehr als gewitzter Chronist des Alltags: Es geht um urbanen Raumgewinn, wobei Wainwright – very sophisticated, in­deed! – auch noch den Umweg über Sun Ras Free-Jazz-Hymne "Space Is the Place" nimmt: "When folks hear the word space they think of the moon / The stars and the planets, or a Sun Ra tune / Me I think where, when, what day and how soon / I park here on earth, to hell with the moon."

Rührend wird es, wenn Papa Wainwright der Tochter zum Geburtstag gratuliert und, (fast) ironiefrei, den Grund für ihre Existenz auf Erden erklärt: "I loved your mother and that's why you're here"; worauf die Angesungene die Background Vocals zwitschert: "Doodoodoo doodoodoodoo!"
Als Bonus enthält dieses extrem gut verschenkbare Album auch noch den programmierten Weihnachtshit 2014 – komplett mit Celeste, Streichern und Schlittenglöckchen: Er ist eine bitterböse Satire auf die National Rifle Association und den dieser so teuren zweiten Zusatzartikel zur Verfassung ("2nd Amendment"), der natürlich auch zu Weihnachten das Recht auf ein Magazin mit 100 Schuss Fassungsvermögen garantiert: "I'll Be Killing You This Christmas".

Klaus Nüchtern in FALTER 37/2014 vom 12.09.2014 (S. 31)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Haven't Got The Blues (Loudon III Wainwright)
Titelliste
1. 
I want to see the bright lights tonight
2:57
2. 
Walking on a wire
3:53
3. 
Wall of death
3:23
4. 
Down where the drunkards roll
4:04
5. 
One door opens
3:46
6. 
Persuasion
3:54
7. 
1952 Vincent Black lightning
5:12
8. 
I misunderstood
3:57
9. 
From Galway to Graceland
3:29
10. 
Valerie
4:24
11. 
Shoot out the lights
4:16
12. 
Beeswing
5:42
13. 
When the spell is broken
4:19
14. 
Dimming of the day
3:18

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