Von Mädchen und Farben

von Josh.

€ 21,40
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Label: Warner Music International
Format: CD
Genre: Pop deutschsprachig
Umfang: 10 Tracks, Gesamtspielzeit 36:16 Min.
Erscheinungsdatum: 26.04.2019


Rezension aus FALTER 18/2019

Pop ohne Plastik

Der Musiker Josh. landete mit „Cordula Grün“ einen Superhit. Doch der Wiener Songwriter will mehr

Nach dem Hit ist vor dem Hit. Der österreichische Sänger, Gitarrist und Songwriter Josh. ist mit „Cordula Grün“ für den größten heimischen Poperfolg der letzten zwölf Monate verantwortlich. Soeben hat er sein erstes Album, „Von Mädchen und Farben“, herausgebracht, und er bereitet sich auf eine Tournee durch Österreich vor. Parallel dazu ist er aber schon wieder im Studio und erarbeitet neues Material.

Der Mann, der bürgerlich auf den Namen Johannes Sumpich hört, setzt alles daran, damit ihm ein Schicksal als One-Hit-Wonder erspart bleibt. Über den Amadeus Award, den er gerade für „Cordula Grün“ bekommen hat, freut er sich naturgemäß. Noch mehr als die hektische Gegenwart beschäftigt ihn jedoch die Zukunft. Anstatt des schnellen Ruhms strebt er eine lange Karriere an. Er umschreibt seine Ziele mit einem Bild: „Ich würde gerne 2025 einen Amadeus für mein drittes Album gewinnen. Das will ich.“

Seit ein paar Wochen hat er im neunten Bezirk sein eigenes Studio. Noch ist das Schild des Vorbesitzers nicht entfernt und am Gang hängen Partituren von Wienerliedern. Wahrscheinlich wird Josh. so schnell keine Zeit zum Umdekorieren finden. Mittlerweile schreibt der 32-Jährige auch schon für andere Interpreten: „Wenn du einen Hit landest, wollen alle Lieder von dir. Dementsprechend namhafte Künstler bekomme ich gerade geschickt. Man muss die Welle schon reiten, wenn sie da ist.“

Das Wasser lag lange genug still vor dem Wiener Musiker mit Wurzeln in Wels, der in Schul- und später in Coverbands zwar immer schon Pop gespielt, aber lang gebraucht hat, bis er sich eingestehen konnte, dass ihm Musik mit drei, vier Akkorden die allerliebste ist. Der Waldorf-Schüler Johannes, den seine Mitschüler immer schon Josh nannten (er fügte lediglich den Punkt hinzu), lernte zunächst spanische Gitarre und liebäugelte mit einer Karriere im klassischen Fach. Daraus wurde nichts: „Ich habe den Villa-Lobos nie so stupide nachgespielt, wie meine Lehrer ihn hören wollten.“

Seine nächste Station war der Jazz, der mit unendlicher Freiheit und Improvisation lockte. Auch in diesem Bereich wurde Sumpich nicht froh. Die musikalische Selbstfindung näherte sich erst der Zielgeraden, als er einem Sänger, den er an der Gitarre unterstützte, Material liefern sollte. Das erste Lied wurde fertig – und er merkte, dass er es nicht hergeben, sondern lieber selber singen wollte.

Als Johannes Sumpich sang er zunächst braven Deutschpop. Mit der Zeit ging er mehr aus sich heraus und entwickelte die raue Singstimme von Josh., die seine Musik heute kennzeichnet. Ebenfalls dazu gehören Texte über Beziehungen und Gspusis sowie über die Frage, was man im Leben will. „Ich bin nun langsam in dem Alter, um mich frei zu entscheiden / Ob ich wirklich glücklich sein will, oder geht’s mir nur ums Leiden“, heißt es in dem Song „Ich spiel“.

Josh. hat sich entschieden. Dass „Cordula Grün“ zuerst zu einem kleinen und dann zum richtigen Sommerhit 2018 wurde, später zum Oktoberfest-Hit mutierte und über die Skisaison auch noch zum Faschingskracher, hat ihm nicht den Kopf verdreht. Er widerstand den Versuchungen, alles mitzunehmen, was das Lied an lukrativen Angeboten hergegeben hätte. Trat in keinem Bierzelt auf. Sagte auch Florian Silbereisen ab. Und spielte stattdessen eine kleine Clubtour in Deutschland.

Leicht war es nicht immer: „Ich wusste, dass ich in gewissen Kontexten nicht stattfinden kann. Aber das sagt sich so leicht. Wenn jemand kommt und dir sehr viel Geld bietet, damit du ein paar Minuten Playback machst, macht das schon etwas mit dir. Noch dazu, wenn du noch keine Tantiemen bekommen und nichts an dem Lied verdient hast.“ Nach ein paar Monaten bat er seinen Manager, ihm entsprechende Angebote gar nicht mehr weiterzuleiten.

Das Tröstliche an der Sache: Als Co-Autor von „Cordula Grün“ profitiert Josh. auch dann finanziell, wenn eine Zeltband auf der Wiesn oder die südoststeirische Schlagergruppe Die Draufgänger irgendwo sein Lied spielt. Letztere landete mit ihrem Rustikal-Cover einen Youtube-Hit (19 Millionen Aufrufe), der fast an den Erfolg des Originals(25 Millionen) heranreicht. Musikalisch sei ihm diese Version nicht wahnsinnig angenehm, so Josh. „Aber das ist Jammern auf hohem Niveau.“

Jetzt freut er sich auf seine Tour. Die Konzerte sind zwar noch nicht ausverkauft. Dafür wird er vor Publikum spielen, das mehr als nur ein Lied von ihm hören will. Viel Rock ’n’ Roll abseits der Bühne ist nicht vorgesehen. Sein wichtigster Sonderwunsch ist, dass es im Backstagebereich kein Wasser aus Plastikflaschen gibt: „Auf so einer Tour wird sonst ein Haufen Plastik produziert, und das muss nicht sein. Glasflaschen kosten den Veranstalter nur ein paar Euro mehr.“ Das sollte drin sein, zumal nach „Cordula Grün“.

Sebastian Fasthuber in FALTER 18/2019 vom 03.05.2019 (S. 32)

Titelliste
1. 
Dorothea von früher
3:50
2. 
Reden
4:13
3. 
Bei dir
4:30
4. 
Sowieso
3:25
5. 
Cordula Grün
3:32
6. 
Eskalation
3:35
7. 
Ich spiel
3:27
8. 
Vielleicht
2:40
9. 
Viertel drei
3:13
10. 
Melodie verlorn
3:51

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