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Rezension aus FALTER 34/2005

Grüße aus den 70ern

Die Siebzigerjahre, mit denen uns die Mode- und Medienindustrie in quartalsmäßig anbrandenden Retrowellen versorgt, waren ja nicht nur Tumbleweed-Frisuren oder Hosen mit familienzeltgroßen Fußauslässen, die Siebzigerjahre standen auch im Zeichen von so argen Sachen wie Liebemachen ohne Aidsangst oder Plattencover, auf denen weiße Vögel übers tiefblaue Meer sausen. Die Postmoderne hat daraus dann 50.000-Teile-Puzzle für gebackenes Designerkino ("Diva") gemacht, aber 1974 war das wohl noch ernst. Natürlich hießen solche Platten dann auch gleich "Love, Love" (ECM/Lotus) und damit es so wirklich siebzigerjahremäßig rüberkam, nannte sich Julian Priester nicht einfach bloß Julian Priester, sondern Julian Priester Pepo Mtoto, und er spielte auch nicht bloß Posaune (sein Stamminstrument), sondern auch noch: Horns, Whistle Flute, Percussion und Synthesizers. Rein musikalisch ist das soeben erstmals auf CD erschienene Album hörbar ein Kind seiner Zeit, das vor allem mal ein endlos wiederholtes Bassmotiv braucht, über, unter und neben dem dann viel und nicht allzu zielgerichtet gefiept, gewabert und geblasen werden darf. Das Referenzalbum des Space-Jazz, Herbie Hancocks ein Jahr davor entstandenes "Sextant", auf dem Priester ebenfalls zu hören ist, spielt in einer anderen Galaxie.

Klaus Nüchtern in FALTER 34/2005 vom 26.08.2005 (S. 20)


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