MERCEDES DANCE

von jan Delay

€ 14,90
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Label: UNIVERSAL
Format: CD
Genre: HipHop / Rap
Umfang: 11 Tracks, Gesamtspielzeit 46:10 Min.
Erscheinungsdatum: 04.08.2006

Rezension aus FALTER 32/2006

Das funklastige Tanzalbum von Deutschlands HipHop-Schlaufuchs Jan Delay ist nun nach lautem Gedröhne der Promomaschinerie am freien Markt erhältlich. Und es ist gut. Neben der locker swingenden Vorabsingle "Klar", einem der sympathischeren Hits dieses Sommers, finden sich zehn weitere, gut abgeschmeckte Stimmungslieder mit Haltung, Herz und viel Witz. Überhaupt steht Delay das Augenzwinkern von "Mercedes-Dance" weit besser als die RAF-Liebäugeleien zu Zeiten von "Searching For The Jan Soul Rebels" (2001). Und auch die Rechnung, eine großzügig besetzte Kapelle samt Bläsersektion noch einmal zusätzlich mit dicken Beats aus dem Sampler zu unterfüttern, geht voll auf. Man muss ihn einfach liebhaben.

Sebastian Fasthuber in FALTER 32/2006 vom 11.08.2006 (S. 50)


Rezension aus FALTER 27/2006

"Ich bin 'ne Kartoffel"

Der Hamburger Sänger und Rapper Jan Delay hat für sein neues Album "Mercedes-Dance" das Palästinensertuch abgelegt und die Tanzschuhe angezogen. So funky ist Deutschland.

Was der Mann anpackt, macht er ganz und mit Stil. Vor fünf Jahren zeigte sich Jan Delay auf seinem politischen Reggae-Album "Searching for the Jan Soul Rebels" in der Aufmachung des gewaltbereiten Demonstranten, 2006 präsentiert er sich anlässlich seiner neuen Funkplatte "Mercedes-Dance" auf den Konzertbühnen nur im feinsten Zwirn. Privat fühlt sich der dreißigjährige Hamburger aus Leidenschaft immer noch im HipHop-Look am wohlsten und präsentiert beim Fotoshooting vor dem Falter-Interview zeitlose Basketballfashion.

Dieser kurze Ausflug in den Modejournalismus soll nicht von fehlenden Inhalten ablenken. Im Gegenteil: Auch auf seinem zweiten Soloalbum nimmt der Beginner-Rapper wieder klare Haltungen ein. Und das mit Stil. Den Dogmatismus, der einem auf seinem Erstling etwas sauer aufstoßen konnte, hat Delay auf der neuen Tanzplatte allerdings abgelegt. Anstatt den Deutschen schlichtweg einen Nazi zu nennen, wird er nun mit einem Gemüse verglichen. Doch wenn Jan Delay 2006 über sein Heimatland ablästert, dann zeigt er gleichzeitig auf, wie es anders gehen könnte - wie locker intelligente Unterhaltungsmusik auch auf Deutsch klingen kann. Seine musikalischen Flashes bezieht er dabei aktuell vor allem aus dem Funk der Siebzigerjahre und von den deutschen Pop-Lichtgestalten Rio Reiser und Udo Lindenberg.

Falter: Für Sie als politischen Kopf müssten Konzerne doch eigentlich ein Feindbild darstellen. Warum heißt Ihre neue Platte trotzdem "Mercedes-Dance"?

Jan Delay: Das ist eines meiner Wortspiele. Es geht da nicht um einen Konzern, den es zu verachten gilt, sondern einfach darum, dass meine Platte das Ultimative in einem bestimmten Genre darstellt - eben der Mercedes unter den Tanzplatten. Wobei, wenn ich ehrlich bin, es in Deutschland bisher noch nicht mal einen Ford Fiesta unter den Tanzplatten gegeben hat.

Im Intro der Platte singen Sie: "Reggae ist tot, jetzt ist Funk dran." Wie kam es zu diesem Stilwechsel?

Reggae hat sich halt doch nicht so toll entwickelt in den letzten Jahren, da ist schon viel Schrott rausgekommen. Außerdem starte ich immer gern was Neues und lasse mich davon leiten, was ich gerade am liebsten höre. Wobei es jetzt kein reines Funkalbum ist. Ich habe ziemlich schnell gemerkt: Um ein richtiges Funkalbum zu machen, müsste man erst ein paar Jahre eine Band haben und mit der einen eigenen Sound entwickeln. Also wurde es eine Funkplatte unter Hinzunahme von meinem Instrumentarium: Beats, die knallen, und Texte, die eingängig sind.

Sie haben zwei Jahre an diesen 46 Minuten Musik gearbeitet. Was hat Sie so lang aufgehalten?

Die Kombination aus Band und Beats war eine große Herausforderung. Hätte ich das am Anfang gewusst, hätte ich die Platte so wohl nicht gemacht. Es ist wahnsinnig viel Arbeit, die Vibes und Dynamik von alten Funkplatten und die Statik von programmierten Beats so zu verbinden, dass es gut klingt. Das Ergebnis klingt entweder ungenau oder starr und kalt. Es war schwierig, einen Mittelweg zu finden.

Der Bandsound klingt organisch, die Beats elektronisch und ein bisschen Reggae ist dann doch wieder mit von der Partie - ist "Mercedes-Dance" die Summe aller Jans?

Das könnte man schon so sagen. Im Prinzip ist sogar HipHop von allen Musikrichtungen immer noch am meisten auf der Platte vertreten, auch wenn man es nicht hört. Aber ich behandle jeden Stil wie HipHop, einfach weil ich Musik so kennen gelernt habe. Ich habe da nicht meine Noten im Kopf und transponiere rum, sondern sehe immer meinen Bildschirm mit den Balken vor mir, auch wenn ich mit der Band im Probenraum bin. Selbst eine finnische Tangoplatte würde ich auf diese Weise machen.

Aber eine HipHop-Platte würde Sie momentan nicht reizen?

Nee, echt nicht. Da gibt es in Deutschland einige wenige, die das viel besser verkörpern und umsetzen können als ich. Ich habe dafür zu viele andere Sachen im Kopf. Diese vielen kleinen Flashes tun gar nicht so gut, wenn man einfach eine straighte HipHop-Platte machen will. Deshalb überlasse ich dieses Feld jenen, die den ganzen Tag Rap reden, Rap denken, Rap essen und Rap trinken. Leider checken die wenigsten davon, dass HipHop aus allem besteht und dass man darin jede Musik und jeden Gefühlszustand verarbeiten kann. In den letzten fünf Jahren kamen nur zwei Facetten um die Ecke.

Zwei Songs beziehen sich auf frühe Helden deutschsprachiger Rockmusik. "Für dich" ist ein Cover von einem Rio-Reiser-Song, und das Stück "Im Arsch" singen Sie im Duett mit Udo Lindenberg. Sind das Vorbilder für Sie?

Udo ist der King. Ihn fand ich schon als kleiner Knirps geil. Ich habe mir sein Poster an die Wand gehängt und wollte zu den Auftritten. Es war klar, dass ich irgendwann mal was mit ihm machen würde. Es musste nur der richtige Song her. Rio bewundere ich, er hat unglaubliche Stücke geschrieben, aber es war keine Identifikationssache. Für mich war der früher eher so ein seltsamer Hippietyp. Da kam die Bewunderung erst später, als ich ein bisschen offener wurde und Musik anders gehört habe.

Ihre Platten werden immer stark über die Texte wahrgenommen. Sind Sie damit so etwas wie ein Vorbild für die Jugend?

Ich weiß nicht. Ich bin jedenfalls nicht derjenige, der sagt, was gut und was falsch ist. Die Kids sollen das selber rausfinden. Ich hoffe, das kommt mit dieser Platte auch so rüber. Ich sage ja in dem Stück "Kartoffeln" nicht: "Kartoffeln sind scheiße und Deutschland ist scheiße", sondern "ich bin 'ne Kartoffel, und ich bin cool damit". Man muss auch über sich selber lachen können. Es gibt sehr vieles, was scheiße läuft, und ich versuche, das alles zu erklären, aber letztendlich soll sich bitte jeder selber sein Bild machen.

Es fällt auf, dass Ihre Kritik nicht mehr so hart formuliert ist wie auf dem Erstling "Searching for the Jan Soul Rebels".

Klar, auf der letzten Platte wurde noch ständig mit dem Finger hingezeigt. Ich will mich aber nicht hinstellen und sagen: Meine Meinung ist das Nonplusultra, es gibt dazu keine Alternativen. Auf dieser Platte habe ich mich deshalb bemüht, das Kritische nicht ganz so mit dem Holzhammer zu präsentieren und nicht alles zu adressieren. Es soll kein dröger Kritikscheiß sein. Bei einer Tanzplatte soll man auch ein bisschen seinen Kopf ausschalten können.

Das klingt so, als wäre Jan Delay milder geworden.

Das täuscht. Bevor ich ins Studio gegangen bin, habe ich einfach immer einen Pflasterstein genommen und bei H&M die Scheibe eingeschmissen. Im Ernst: Mich hat genervt, dass ich mir für die letzte Platte den Arsch aufgerissen habe, um geile Musik zu machen. Und dann wurde in Interviews die ganze Zeit nur über einen Satz aus einem Lied gesprochen. Die ganze schöne Musik wurde ausgeblendet. Diesmal sollte die Musik im Mittelpunkt stehen.

Dafür heißt ausgerechnet das Instrumentalstück "Gasthaus zum lachenden Stalin".

Der ist doch gut, nicht? Ich kann mich einfach nicht ganz abdrehen und sagen: Alles ist super, wir fahren nach Westerland. Aber ich habe gemerkt, dass ich das Politische ein bisschen knapper halten und mit Gags arbeiten muss. "Klar" ist auch deshalb die erste Single, weil es keine Aussage hat. Die Leute sollten nicht denken: Ach, jetzt kommt wieder Jan Delay mit seinem Arafatlappen und seinen Storys über die RAF.

Die Texte wirken dennoch sehr ausgefeilt. Wie lang sitzen Sie an einem Stück wie "Kartoffeln" mit all seinen Wendungen und Wortspielen?

Da sitze ich arschlang dran. Viele meiner Rapkollegen schreiben einfach ihre Strophe runter, aber das ist auch der Grund, warum sich später niemand an die Strophe erinnert. Ich nehme mir lieber eine Woche Zeit, wenn es sein muss. Dafür ist es dann kein Scheiß, sondern hat wirklich Bestand.

Die Vorabexemplare von "Mercedes-Dance" wurden extra schlecht abgemischt und mit lustigen Tiergeräuschen versehen. Damit stellen Sie sicher, dass die Kids die Platte nicht nur runterladen, sondern auch kaufen.

Ja, und das war auch wichtig, denn die gesamte Journalisten-CD ist jetzt schon im Internet. Das ist mittlerweile einfach Selbstschutz. Ich mache so eine Platte aber nicht, um Geld zu verdienen, sondern um den Leuten zu zeigen, wie man geile Musik machen kann. Im Auftrag ewiger Jugend und Glückseligkeit.

Während in der Musikindustrie an allen Ecken und Enden gespart wird, leisten sie sich mit Disko No.1 eine große Band. Wie geht sich das bei so langen Studiozeiten aus?

Es geht sich nur deshalb aus, weil ich keine großen Ansprüche habe. Ich habe den Vorschuss nicht für mich selbst verpulvert, sondern konnte den komplett in das Studio und in die Band stecken. Eins ist mal klar: "Mercedes-Dance" ist keine Gelddruckmaschine, aber dafür gibt es jetzt eine Platte, die man hoffentlich so schnell nicht mehr vergisst. Mein Brot kann ich mir ansonsten selber kaufen.

Auf Ihrer ersten Solotour haben Sie wegen Jörg Haider und der Regierungsbeteiligung der FPÖ keine Konzerte in Österreich gespielt. Davon ist heute keine Rede mehr. Finden Sie Österreich 2006 weniger braun?

Zunächst finde ich es immer noch gut, dass ich das gemacht habe und es so publik gemacht habe. So haben die Leute darüber geredet, auch wenn es einige nicht verstehen konnten. Für eine wirkliche Einschätzung der heutigen Lage kenne ich mich zu wenig aus, aber als oberflächlicher Österreichkenner finde ich es nicht mehr so offiziell braun. Dass ihr immer noch eure Judengasse habt, eure Türkengasse und euren kleinen Neger, der eine Supermarktkette ziert, ist euer Ding. Das müsst ihr mit eurem eigenen Karma ausmachen.

Sebastian Fasthuber in FALTER 27/2006 vom 07.07.2006 (S. 62)

  Song-Titel
1.  Mercedes-Dance Intro 4:14
2.  Klar 4:55
3.  Kartoffeln 5:23
4.  Kirchturmkandidaten 4:23
5.  Für Immer Und Dich 4:35
6.  Feuer 3:39
7.  Gasthaus zum lachenden Stalin 3:14
8.  Plastik 3:36
9.  Ahn' Ich Gar Nich' 3:57
10.  Raveheart 3:57
11.  Im Arsch 4:17

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