NEW AMERYKAH PART ONE

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: UNIVERSAL
Genre: Pop/Rock
Erscheinungsdatum: 29.02.2008

Rezension aus FALTER 30/2008

Amerykahnischer Traum

Auf die Frage, warum sie seit ihrem stilbildenden New-Soul-Debüt "Baduizm" 1997 nur zwei weitere Studioalben veröffentlicht hat, gab Erykah Badu dem amerikanischen Blender Magazine vor kurzem Folgendes zu Protokoll: "Zeit ist für Weiße." Das ist als programmatische "Black and proud"-Aussage zu verstehen, sei zur Sicherheit aber auch dem für Samstagabend anberaumten Auftritt der erratischen Diva beim Jazzfest Wiesen vorausgeschickt. "Sie ist bekannt für gute, tiefschürfende Platten und Konzerte, die nie pünktlich beginnen", drückt es das Internet-Musikmagazin Pitchfork aus.
Das Warten wird sich auf jeden Fall lohnen. Besonders mit ihrem aktuellen Album "New Amerykah Part One (4th World War)", das die kleine Ewigkeit von acht Jahren nach seinem Vorgänger "Mama's Gun" erschien, beweist sich Badu als wahrscheinlich wichtigste, weil vielschichtigste und kompromissloseste Soulstimme derzeit. Nachdem sie bereits auf den vorigen Platten mit Rapelementen flirtete, gelingt ihr auf "New Amerykah" eine erstaunliche Fusion aus HipHop, den sie trotz der allgegenwärtigen Sexismen und Faustfeuerwaffen in den Texten und Videos männlicher Kollegen als vereinigende Kultur versteht ("The Healer") kämpferischem Funk (das Intro "Amerykahn Promise" erinnert an Sly and The Family Stone), intimem Soul ("Me") und mantrahaften Jazz-Chants ("My People"). Eine solche Vielfalt an Musik kann der häufig missbrauchte Begriff R 'n' B – Rhythmus und Blues – im Idealfall umfassen.
In mancherlei Hinsicht erinnert "New Amerykah" an die Arbeiten von Marvin Gaye. Wie bei dessen Themenalben "What's Going On" oder "In Our Lifetime" handelt es sich hier um eine ebenso furiose wie kuriose Vermischung aus großer Vision, soziopolitischen Aussagen über das Leben im Ghetto ("They don't know their ­language / They don't know their god"), persönlichen Bemerkungen ("This year I turn 36 / My ass and legs have gotten thick") sowie kaum dechiffrierbaren Textpassagen, die in gleichem Maße von Gott und diversen Gräsern eingegeben scheinen. Was Badu ebenfalls mit Gaye gemeinsam hat: Ihre Stücke wirken improvisiert, als wären sie direkt im Studio entstanden, und sind vom konventionellen Strophe-Refrain-Schema weit entfernt.
Geboren wurde die Sängerin 1971 als Erica Wright. Aus dem Vornamen, einem früher sehr gebräuchlichen Sklavennamen, machte sie das vom Arabischen hergeleitete Erykah, während Badu ein stolzer Ashanti-Name ist. Auch hinsichtlich ihrer Umgebung hat Badu nie etwas dem Zufall überlassen. Ihre erste Veröffentlichung war ein Duett mit dem schwierigen Soulgenie D'Angelo, ihre eigenen Platten lässt sie vom HipHop-Kollektiv The Roots, vom Avant-Beat-Kreateur Madlib oder von den aufstrebenden R-'n'-B-Talenten Sa-Ra produzieren.

Ein Faible für HipHop hat Badu auch in Liebesdingen. Aus einer Beziehung mit Outkasts Andre 3000 entsprang ein Sohn, später war sie mit dem beseelten Rapper Common und dem Westküsten-Mann The D.O.C. zusammen. Zurzeit ist sie mit dem im Internet als heißer Tipp gehandelten Jay Electronica verbandelt und zum dritten Mal schwanger. Als US-Moralisten kürzlich bekrittelten, sie bekäme das nächste Kind vom nächsten Mann, postete Badu auf ihrer MySpace-Seite eine wütende Stellungnahme über angebliche Familienwerte und ihr eigenes Familienglück mit Kindern und loyalen Exfreunden. Nachsatz: "Und falls dieser Brief nicht klar genug ist, küsst meine Plazenta!"

Sebastian Fasthuber in FALTER 30/2008 vom 25.07.2008 (S. 57)


Rezension aus FALTER 30/2008

Amerykahnischer Traum

Auf die Frage, warum sie seit ihrem stilbildenden New-Soul-Debüt "Baduizm" 1997 nur zwei weitere Studioalben veröffentlicht hat, gab Erykah Badu dem amerikanischen Blender Magazine vor kurzem Folgendes zu Protokoll: "Zeit ist für Weiße." Das ist als programmatische "Black and proud"-Aussage zu verstehen, sei zur Sicherheit aber auch dem für Samstagabend anberaumten Auftritt der erratischen Diva beim Jazzfest Wiesen vorausgeschickt. "Sie ist bekannt für gute, tiefschürfende Platten und Konzerte, die nie pünktlich beginnen", drückt es das Internet-Musikmagazin Pitchfork aus.
Das Warten wird sich auf jeden Fall lohnen. Besonders mit ihrem aktuellen Album "New Amerykah Part One (4th World War)", das die kleine Ewigkeit von acht Jahren nach seinem Vorgänger "Mama's Gun" erschien, beweist sich Badu als wahrscheinlich wichtigste, weil vielschichtigste und kompromissloseste Soulstimme derzeit. Nachdem sie bereits auf den vorigen Platten mit Rapelementen flirtete, gelingt ihr auf "New Amerykah" eine erstaunliche Fusion aus HipHop, den sie trotz der allgegenwärtigen Sexismen und Faustfeuerwaffen in den Texten und Videos männlicher Kollegen als vereinigende Kultur versteht ("The Healer") kämpferischem Funk (das Intro "Amerykahn Promise" erinnert an Sly and The Family Stone), intimem Soul ("Me") und mantrahaften Jazz-Chants ("My People"). Eine solche Vielfalt an Musik kann der häufig missbrauchte Begriff R 'n' B – Rhythmus und Blues – im Idealfall umfassen.
In mancherlei Hinsicht erinnert "New Amerykah" an die Arbeiten von Marvin Gaye. Wie bei dessen Themenalben "What's Going On" oder "In Our Lifetime" handelt es sich hier um eine ebenso furiose wie kuriose Vermischung aus großer Vision, soziopolitischen Aussagen über das Leben im Ghetto ("They don't know their ­language / They don't know their god"), persönlichen Bemerkungen ("This year I turn 36 / My ass and legs have gotten thick") sowie kaum dechiffrierbaren Textpassagen, die in gleichem Maße von Gott und diversen Gräsern eingegeben scheinen. Was Badu ebenfalls mit Gaye gemeinsam hat: Ihre Stücke wirken improvisiert, als wären sie direkt im Studio entstanden, und sind vom konventionellen Strophe-Refrain-Schema weit entfernt.
Geboren wurde die Sängerin 1971 als Erica Wright. Aus dem Vornamen, einem früher sehr gebräuchlichen Sklavennamen, machte sie das vom Arabischen hergeleitete Erykah, während Badu ein stolzer Ashanti-Name ist. Auch hinsichtlich ihrer Umgebung hat Badu nie etwas dem Zufall überlassen. Ihre erste Veröffentlichung war ein Duett mit dem schwierigen Soulgenie D'Angelo, ihre eigenen Platten lässt sie vom HipHop-Kollektiv The Roots, vom Avant-Beat-Kreateur Madlib oder von den aufstrebenden R-'n'-B-Talenten Sa-Ra produzieren.

Ein Faible für HipHop hat Badu auch in Liebesdingen. Aus einer Beziehung mit Outkasts Andre 3000 entsprang ein Sohn, später war sie mit dem beseelten Rapper Common und dem Westküsten-Mann The D.O.C. zusammen. Zurzeit ist sie mit dem im Internet als heißer Tipp gehandelten Jay Electronica verbandelt und zum dritten Mal schwanger. Als US-Moralisten kürzlich bekrittelten, sie bekäme das nächste Kind vom nächsten Mann, postete Badu auf ihrer MySpace-Seite eine wütende Stellungnahme über angebliche Familienwerte und ihr eigenes Familienglück mit Kindern und loyalen Exfreunden. Nachsatz: "Und falls dieser Brief nicht klar genug ist, küsst meine Plazenta!"

Sebastian Fasthuber in FALTER 30/2008 vom 25.07.2008 (S. 57)


Rezension aus FALTER 10/2008

Meilenweit entfernt vom heutigen R'n'B-Tagesgeschehen hat sich NuSoul-Stimme Erykah Badu ihre ureigene Nische eingerichtet. Auf ihrem vierten Album beschwört sie Black Power und Farrakhan und zerpflückt, was am Beginn des 21. Jahrhunderts aus dem amerikanischen Traum geworden ist. Nicht nur inhaltlich gerät die Übung zwingend, auch die Musik fesselt.
Von Avant-HipHop-Produzenten wie Madlib hat sich Badu organische, bewusst etwas verstolperte Grooves fertigen lassen, über denen sie entrückte Soul- und Jazz-Chants vorträgt. Hat man sich erst einmal eingehört, eine hypnotisierende Angelegenheit.

Sebastian Fasthuber in FALTER 10/2008 vom 07.03.2008 (S. 70)


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