Und Manchmal Kanns Auch Re

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Rezension aus FALTER 52/2008

Georg Danzers gutgelauntes Abschiedskonzert in der Wiener Stadthalle: "I fürcht mi ned"

Es hätte das große Konzert zur Feier von Georg Danzers 60. Geburtstag werden sollen. Aber dann kam der Krebs dazwischen, und das Geburtstagskonzert musste um ein halbes Jahr verschoben werden. Als es am 16. April 2007 in der Wiener Stadthalle (F) stattfand, war's ein Abschiedskonzert – obwohl das damals keiner wusste oder wissen wollte. Zwei Monate später war Georg Danzer tot.
Auf dem Mitschnitt, der jetzt als Doppel-CD vorliegt, ist kein verzweifelter Mann zu hören, sondern ein erstaunlich gutgelaunter. Danzer spielt sich lässig durch sein Repertoire und erzählt dazwischen, wie gewohnt, launige kleine Geschichten. Zum Beispiel davon, wie er sich als Kind davor gefürchtet hat, in den Keller zu gehen. Dann singt er "I fürcht mi ned" von seinem letzten Album.
Weil das Konzert ja als Geburtstagsfest geplant war, wird Danzer nicht nur von seiner (sehr guten) Band, sondern auch von mehr oder weniger illustren Gästen begleitet, die jeweils zwei Lieder mit ihm singen. Neben den relativ jungen Kollegen Christian Becker und Andy Baum betreten lauter Austropoplegenden die Bühne: Willi Resetarits (der schon auf dem Frühwerk "Der Tätowierer und die Mondprinzessin" im Backgroundchor sang), natürlich Wolfgang Ambros und Rainhard Fendrich, seine Partner aus dem Austria-3-Triumvirat. Und Marianne Mendt, für die Danzer etliche Lieder schrieb.
Zwei davon singen sie zusammen, es sind die bewegendsten des Albums. Das charmante Liebeslied "Bleib da" etwa klingt hier nach einer zärtlich-bitteren Abschiedselegie. "Bitte geh no ned", schnurrt die Mendt mit ihrer dunklen, weichen Stimme. "Bleib da!", haucht sie. Gänsehaut.
Das Konzert beginnt mit dem Klassiker "Elfi", der Liebeserklärung an eine Prostituierte, die der 13-jährige Georg aus der Ferne verehrt hatte. Mit dem letzten Lied schließt sich ein Kreis, aus dem schmachtenden Buben ist ein liebender Vater geworden: "Wo unsre Kinder schlafen, da bin i daham." Es ist das Titellied aus "Atemzüge" (1999). Danzer verabschiedet sich knapp, "pfiat euch, guate Nacht". Es bleiben ihm jetzt nicht mehr viele Atemzüge.

Wolfgang Kralicek in FALTER 52/2008 vom 26.12.2008 (S. 39)


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