It's Blitz

von Yeah Yeah Yeahs

€ 10,90
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Label: POLYDOR
Format: CD
Genre: Pop englischsprachig
Umfang: 10 Tracks, Gesamtspielzeit 41:45 Min.
Erscheinungsdatum: 03.04.2009

Rezension aus FALTER 15/2009

Die Köpfe ab! Aber sachte

Was die unmittelbaren Auswirkungen des Jetlag auf das transatlantische Reiseverhalten im Popgeschäft anlangt, haben amerikanische Bands traditionell ein hartes Los. Die Äuglein von Nick Zinner, dem Gitarristen der abends zuvor aus Los Angeles angereisten Yeah Yeah Yeahs, sind jedenfalls winzig klein. Zum Interview im fensterlosen Konferenzzimmer eines Londoner Hotels braucht er dringend schwarzen Kaffee, alle zehn Minuten eine Tasse.
Im Zentrum Londons wimmelt es vor zum Schutz des G20-Gipfels ausgerückten Polizisten. "Das kommt einem alles ziemlich aufgeladen vor", sagt Zinner. Seine Band sei zwar nicht politisch, aber "ich bin froh, dass wir keine düstere, depressive Platte gemacht haben. Das ist das Letzte, was die Welt jetzt braucht."

Allerdings: "It's Blitz!", das dritte Album der Yeah Yeah Yeahs in sechs Jahren, enthält neben den tanzbarsten auch die kuscheligsten Momente in der Karriere dieses einst so brachialen, schrillen Trios.
Während das Debütalbum "Fever to Tell" (2003) die gebündelte Energie des mit Schlagzeug, Gesang und Gitarre minimal besetzten Trios zelebrierte, hatte man sich 2006 auf "Show Your Bones" den Luxus der öffentlichen Selbstzerfleischung gegönnt und überraschend die akustische Gitarre ins Klangvokabular aufgenommen.
Damals bekundete Sängerin Karen O Verständnis für die rasante Verdauung der jeweils jüngsten New Yorker Lieblingsbands seitens des Publikums. Der Sound der Yeah Yeah Yeahs sei ihr schließlich selbst bald auf die Nerven gegangen. Nick Zinner schließt sich heute diesem Urteil ohne Zögern an: "Bei einer Band wie uns ist das auf jeden Fall so. Wir müssen uns immer verändern, um glaubhaft zu bleiben."
Ein neues Yeah-Yeah-Yeahs-Album entspricht von der Idee her also der neuen Kollektion eines Modehauses – auch wenn es weit seltener daherkommt. Nicht umsonst wird Karen O vom mit der Band assoziierten Designerlabel Christian Joy (dem Alter Ego des "vierten Bandmitglieds" Christiane Hultquist) eingekleidet.
Nicht zuletzt durch Os offensive Bühnenshow und Kleidung hätten die Yeah Yeah Yeahs bisher denn auch vordringlich weder Songs noch einen Sound verkauft, sondern eine attitude, übersetzbar als Mischung aus Einstellung, Attitüde und Pose: "Ich glaube, die Essenz dieser attitude ist immer noch vorhanden. Aber unsere Musik entwickelt sich zusehends dahin, Geschichten zu erzählen."
Diese Geschichten schlagen bisweilen unerwartete Haken. Während etwa die meisten Kritiker in ihren enthusiastischen Rezensionen zu "It's Blitz!" vorhersehbar wie Pawlow'sche Hunde über die Zeile "get your leather on" im Opener "Zero" abspeicheln, übersehen sie dabei glatt, wie die Pointe des Refrains die Sexiness des retrofuturistischen Roboter-Beats gemein sabotiert: "Du bist eine Null."
Zinner gibt zu, dass er sich mit den Texten seiner Sängerin nicht wirklich beschäftigt. Für ihn bestehen erwähnte Geschichten eher in den "weiteren Räumen und der größeren emotionalen Reichweite" der neuen Songs. Tatsächlich findet insbesondere Karen Os Stimme nun wesentlich mehr Platz für leisere Zwischentöne jenseits ihrer erprobten Siouxsie-Sioux-Imitation, was zu einem großen Teil mit dem alten ARP-Synthesizer zu tun hat, den Zinner auf eBay erstand.

"Es ist wirklich witzig", sagt er, als die Sprache – wie offenbar in jedem Interview – auf dieses fetischisierte Analoginstrument kommt. Infolge früher Falschmeldungen hätten sich rund um "It's Blitz!" bestimmte Mythen gebildet, die von Journalisten weltweit nachgebetet werden: "Zuerst einmal, dass keine Gitarren auf dieser Platte wären. Das ist absolut unwahr. Und dass Karen ‚Keine Gitarren!' geschrien hätte. Das ist zwar passiert, aber es war eher eine Art Übung, während wir mit dem Schreiben der Songs anfingen. Es ist immer gut, Werkzeuge zu verwenden, die man noch nie in der Hand hatte. So macht man Dinge, an die man nie gedacht hätte."
Etwa aus einer naiven Einfingerklaviermelodie eine schamlose Power-Ballade wie "Runaway" zu entwickeln oder einen Song wie "Skeleton" frei nach Brian Eno "aus einer strukturierten Oberfläche statt einer Hookline oder einem Riff zu bauen".
Insbesondere die Riffoption hätte sich inzwischen einfach zu sehr abgenützt: "Wenn man merkt, dass ein Jam erfolglos ist, weil man immer wieder dieselben Tricks ausspielt, muss man das sinkende Schiff verlassen und noch einmal von vorne anfangen." Karen O sei für das rechtzeitige Abblasen solcher Irrfahrten zuständig: "Ihre Intuition ist verlässlich, wann immer wir Zweifel haben."
Gelegentlich spielt auch Nick Launay am Mischpult eine wichtige Rolle als Korrektiv. Der an so unterschiedlicher Kundschaft wie Gang of Four, Nick Cave, Public Image Limited, aber auch INXS oder Kate Bush geschulte Produzent bewahrte die vor der Betriebsamkeit von Brooklyn bzw. Los Angeles in die Abgeschiedenheit ländlicher Provinzstudios geflüchtete Band vor den Versuchungen der rustikalen Klischeefalle. "Er stellte sicher, dass wir keine Platte über Tiere, Pflanzen und den Sternenhimmel machten." Die mit Launay gefertigten Entwürfe wurden schließlich an den Szene-approbierten Sounddoktor Dave Sitek von TV on the Radio zur Nachbearbeitung übergeben.

Für ein Komiteeprodukt klingt "It's Blitz!" durchaus launig, etwa in der glitzernden 80er-Pop-Hommage "Hysteric" oder dem brutal auf den Tanzboden genagelten "Heads Will Roll", das nach erzpopulistischem Trance-Schema mit schmierigen Keyboardakkorden und der in einer Blase aus synthetischem Hall skandierten Phrase "Off with your head!" eingeleitet wird.
Da wurde im Studio wohl auch ein wenig gekichert: "Natürlich", gibt Nick Zinner zu. "Das war unser schuldiges Vergnügen. Aber in diesem Stadium einer Band darf man doch auch einmal Spaß haben und einfach Dinge tun, weil man will." 

Robert Rotifer in FALTER 15/2009 vom 10.04.2009 (S. 29)

  Song-Titel
1.  Zero 4:26
2.  Heads Will Roll 3:42
3.  Soft Shock 3:53
4.  Skeletons 5:02
5.  Dull Life 4:08
6.  Shame And Fortune 3:31
7.  Runaway 5:13
8.  Dragon Queen 4:02
9.  Hysteric 3:50
10.  Little Shadow 3:58

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