Recovery

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Verlag: Yeproc
Genre: Lokal/Global
Erscheinungsdatum: 22.08.2008

Rezension aus FALTER 40/2008

Hund tot, Frau dahin, Arm ab - es ist zum Heulen

Von den eigenen Kindern in den Schatten gestellt zu werden, ist gewiss nicht die größtmögliche Schmach. Aber von der Tochter als "bloody motherfucking asshole" beschimpft zu werden, ist zumindest subsuper. Wir werden schon sehen, ob Martha oder Rufus in 40 Jahren ihre alten Songs wieder einspielen können, ohne sich dem Vorwurf versiegender Kreativität aussetzen zu müssen. Davon kann bei Papa Loudon Wainwright III nicht die Rede sein. Auf "Recovery" legt er nun 13 Neuinterpretationen von Stücken vor, die sich allesamt auf seinen ersten vier Alben (1970–1973) finden.
Wainwright, einst als einer von vielen neuen Bob Dylans gehandelt, blickt auf 300 Songs zurück, von denen ziemlich viele von dem pathetischen und peinlichen, keineswegs aber prinzipiell würdelosen Unterfangen handeln, ein Mann zu sein. "School Days" etwa zählt zu den schönsten Hommagen an die Hybris der Pubertät ("I was Brando, I was Dean"), und das von Johnny Cash gecoverte "The Man Who Couldn't Cry" erzählt von der seriellen Unbill eines Mannes, dem – Hund tot, Frau dahin, Job weg, Arm ab – erst im Himmel Wiedergutmachung zuteil wird.
Geht es darum, die Schwächen des starken Geschlechts zu verzeichnen, kann Wainwright ziemlich ­schonungslos sein; dabei sind seine Songs in ihrem breiten Spektrum zwischen Ironie und Pathos, Sarkasmus und Larmoyanz nie weinerlich und kraftlos. Mit dem Rücken zur Wand steht Wainwright sogar besonders prächtig im Saft: Die ganz, ganz große Bluesemphase kündet davon, dass er ­gerade – aber hallo! – die Stadtbibliothek aufgesucht hat ("Muse Blues"), und wenn er nicht Mond, nicht Muse, sondern – Apotheose männlichen Selbstmitleids – eine Frau anheult, gibt's überhaupt kein Halten mehr: "Come on to my hotel room, sleep with me / Come on to my hotel room, save my life."
Musikalisch ist das – klimprige Klaviere, schraddelnde Banjos, seufzende Pedal-Steel-Guitars, kontrolliert eingesetzte Streicher, Röhrenglocken und Wasnichtnoch – ganz wunderbar umgesetzt. Martha und Rufus haben allen Grund, stolz auf ihren Scheißdad zu sein!

Klaus Nüchtern in FALTER 40/2008 vom 03.10.2008 (S. 37)


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