Return From Planet Dub

von Lee "Scratch" & Dubblestandart Perry

€ 15,10
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Label: Collision
Format: CD
Genre: Reggae
Umfang: 25 Tracks, Gesamtspielzeit 144:10 Min.
Erscheinungsdatum: 05.06.2009

Rezension aus FALTER 25/2009

Pendelschwingen mit Lee Perry

Bekannt zu sein in der Welt bedeutet im Umkehrschluss nicht unbedingt, weltberühmt in Österreich zu sein. Paul Zasky kommt gerade aus New York, wo er das neue Album seiner Band Dubblestandart präsentiert hat. Die Wiener genießen in der Dub/Reggae-Community einen guten Ruf und arbeiten laufend mit internationalen Szenegrößen zusammen.

Und daheim? "Ich treffe immer wieder Leute, die mich fragen, ob's uns überhaupt noch gibt", sagt Zasky. "Und das meistens, wenn ich grad auf Wolke sieben von irgendwo zurückkomme. In so einem Moment stürze ich kurz ab, aber so ist es halt. Hier herrscht die Meinung: Bei Dubblestandart kommen eh keine Leute, buchen wir lieber eine klassische Reggaeband."
Dubblestandart machen aber keine Reggae-, sondern Dubmusik. Nicht Bob ­Marley ist der Hausheilige des seit den späten 80ern in unveränderter Besetzung groovenden Quartetts, ihr Held ist Lee "Scratch" ­Perry. Dass der jamaikanische Produzent und Vokalist, der als einer der einflussreichsten lebenden Musiker überhaupt gilt, für ihr neues Doppelalbum ­"Return From Planet Dub" eng mit ihnen zusammenarbeiten wollte, kommt einem Ritterschlag für die Wiener gleich.
Gemeinsam aufgetreten ist man erstmalig schon 1992. "Lee ist permanent damit beschäftigt, sich zu inspirieren und sein Umfeld auf doppelte Böden und Eigenartigkeiten zu scannen", erzählt Zasky. "Er ist damals zu uns in den Proberaum im 2. Bezirk gekommen, hat einen Altar aus einer Gibson-Gitarre gebaut, den Raum mit einer Taschenlampe ausgependelt und uns drei Stunden zu einem Rhythmuscomputer spielen lassen, bis wir richtig tight waren." Geschadet habe das Training nicht: "Damals waren wir noch ziemliche Doper."
In der Zwischenzeit haben Dubblestandart nicht weniger als elf Studioalben veröffentlicht, die über ihr deutsches Label Collision Records Aficionados alle Welt erreichen. Ganz frei von Umwegen ist ihre Geschichte aber nicht. Um 1994 versuchten sie, in Österreich eine Popreggae-Platte durchzudrücken und kamen beim Label Gig Records (Falco u.a.) unter. Zwei Singles schafften es sogar in die hiesigen Charts, und doch stellten die Musiker schnell fest, dass es das für sie nicht war.
Seitdem gibt es für Dubblestandart nur mehr Dub. Die rhythmusbetonte, von Echo- und Halleffekten durchzogene Musik, die von experimentierfreudigen Produzenten wie Lee Perry oder King Tubby in den 70er-Jahren in jamaikanischen Studios ausgetüftelt wurde, gilt Liebhabern neben Soul als die vielleicht beste Musik der Welt und hat in der Soundästhetik fast aller Genres der Populärmusik ihre Spur hinterlassen. Auch der Dubstep, die letzte Neuerfindung im elektronischen Underground, beruht wesentlich auf Dub.

"Dub ist die freieste Musik, die ich kenne", versucht Paul Zasky seine Leidenschaft in Worte zu fassen. "Auf der Basis hypnotischer Grooves lassen sich Gefühle, gesellschaftliche oder politische Stimmungen in musikalische Landschaftsmalerei verpacken. Und es bleibt noch viel Spielraum, um eigene Fantasien reinzuinterpretieren."
Lee Perry sieht das wohl ähnlich. Obwohl inzwischen 73 Jahre alt und in der Schweiz lebend, ist der geniale Borderliner, über den unzählige verrückte Geschichten kursieren, derzeit wieder aktiv wie schon lang nicht mehr. Das Produzieren überlässt er, nachdem er sein "Black Ark"-Studio in Kingston – so will es die Legende – wegen böser Geister abgefackelt hat, lieber jüngeren Kräften. Perry gefällt sich nun in der Rolle des Vokalisten, der zu gut abgehangenen Grooves seine Meinung über Jah und die Welt zum Besten gibt.
"Er nimmt sich kein Blatt vor den Mund", grinst Zasky. "Letzten November hat er mich angerufen und gefragt, ob er einen Track über Papst Benedikt und ­Elton John machen kann, weil das jetzt notwendig sei. Über solche Sachen muss man schon auch mit ihm diskutieren."
Die Zusammenarbeit verlief am Ende aber höchst fruchtbar. Perry hat viel mehr Stücke "gevoiced" (wie es in der Dub/Reggae-Sprache heißt) als vereinbart. Darunter finden sich neben Instrumentals, die der auch unter dem Namen The Upsetter bekannte Perry mit seinen Lyrics versah, auch ein Update seines eigenen Klassikers "Chase The Devil".
Im Original hieß dieser Song "I Chase The Devil" und wurde vom Sänger Max Romeo und Perrys damaliger Hausband The Upsetters 1976 aufgenommen. An sich ein eher klassisches Reggaestück, veröffentlichte Lee Perry unter seinem Namen auch eine freie Dubversion davon, die bis heute als Referenzwerk des Genres gilt. Wer in den 90ern aufgewachsen ist, kennt die Melodie auch von den britischen Ravern The Prodigy, die sie in ihrem Hit "Outta Space" verwursteten. Dubblestandart wiederum orientieren sich an der Dubfassung und bieten ein hypnotisch wummerndes Update.
Als Gäste sind auf ihrer Platte neben Lee Perry auch die Slits-Legende Ari Up, ­David Lynch, der eine Wortspende zur Verwendung freigab, sowie eine gewisse ­Gudrun zu hören. Hinter deren Vornamen sowie Sonnenbrille und Mütze versteckt sich Gudrun Liemberger, im Hauptberuf Sängerin der Ö3-nahen Popband She Says, die hier aber eine achtbare Figur macht.

Mit weit über zwei Stunden Spieldauer wirkt das Doppelalbum "Return From Planet Dub" in einer Zeit schnell konsumierter Internet-Downloads wie ein Exot. Das Zeitalter der CD läuft langsam aus.
Vinyl und ein wacher Underground werden jedoch bleiben, ist Paul Zasky überzeugt: "Wir haben mit dem Subatomic Soundsystem aus Brooklyn ,Chase The Devil' und ,Blackboard Jungle Dubstep' auch als Maxi-Singles in kleiner Stückzahl rausgebracht. Beide waren innerhalb von fünf Tagen ausverkauft."

Sebastian Fasthuber in FALTER 25/2009 vom 19.06.2009 (S. 28)

Set 1
  Song-Titel
1.  Chase The Devil 5:26
2.  Let 'Em Take It 5:19
3.  Blackboard Jungle 6:08
4.  Fungus Rock 6:37
5.  I Foo China 5:09
6.  Give Thanx & Praises(Megaton 3) 6:01
7.  Deadly Funny-Oxygen Pt. 4 6:52
8.  I Do Vodoo 5:53
9.  Surrender Dub 5:21
10.  Idiots Dub 5:49
11.  Kingston Dancehall Dub 5:18
12.  Evil Burma Dub 4:54
Set 2
  Song-Titel
1.  Chrome Optimism-Oxygen Pt. 4 Dub 6:34
2.  Let 'Em Take It Dub 6:02
3.  Chase The Devil Dub 5:28
4.  Defending Rights & Justice/Island Girl Dub 6:26
5.  Blackboard Jungle Dub 6:03
6.  Fungus Dub 6:21
7.  I Foo China Dub 5:09
8.  Chase The Devil(G-Corp RMX) 5:54
9.  I Do Voodoo(Rob Smith RMX) 6:50
10.  Wadada-Means Love(Tom Watson RMX) 4:37
11.  Blackboard Jungle Dub(Subatomic Soundsystem RMX) 4:30
12.  We All Have To Get High(Tom Watson RMX) 5:39
13.  Lovemachine(Dubblestandart RMX) 5:50

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