BatBox

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Rezension aus FALTER 5/2008

Bartlebys Tochter

Ich würde vorziehen, es nicht zu tun." Wer Miss Kittin trifft, wartet irgendwie darauf, den berühmten Satz von Herman Melvilles Schreiber Bartleby aus ihrem Mund zu hören. Die 35-jährige Französin, die als Gesangspart des Duos Miss Kittin & The Hacker immerhin das Achtzigerrevival und den Electroclash-Sound miterfand und zu den Superstars der DJ-Szene gehört, hat heute genug davon und will folglich auch nicht unbedingt darüber reden. Sie ist ein gebranntes Kind, das nach dem ersten Hype um ihre Person unter dem Ruf als hübsches Ding des Techno litt und bis heute bereut, sich ein einziges Mal im Krankenschwesternkostüm ablichten haben zu lassen: "Das Foto taucht immer wieder auf." Die DJ-Globetrotterin hat daraus die Konsequenzen gezogen: "Ich lege nur mehr halb so oft auf wie vor ein paar Jahren. Seitdem geht es mir besser, und es sind auch seltener verrückte Fans bei meinen Auftritten."
Ihr neues Album "Batbox" klingt wie das Dokument eines geordneten Rückzugs. Der naiv-charmante Sprechgesang zu Elektrobeats erklingt diesmal im Rahmen von Popsongs mit Strophe und Refrain, und Miss Kittin mutiert zur Singer-Songwriterin des Techno: "Ich habe mich auf das Wesentliche beschränkt. Vier gute Minuten sind besser als acht langweilige. Und es gibt eh längere Remixes. Ich fange meine Songs immer mit düsteren Elementen an. Das ist interessanter, als über Blumen und Vögel zu singen. Vom Düsteren kann man dann ja noch zum Licht kommen." Manchmal lässt sie aber auch nur gepflegt Dampf ab. In "Pollution of the Mind" beklagt sie sich darüber, dass Fremde einem auf Flughäfen oft zu nahe kommen würden: "You get on my nerves."
Im Laufe des Gesprächs werden Kittins Antworten immer länger und nachgerade selbstironisch. Da hat offenbar jemand zum Selbstschutz eine Mauer um sich aufgebaut, die erst Schicht für Schicht abgetragen werden muss. "Für deine eigene Gesundheit ist es gut, das öffentliche Leben vom privaten zu trennen. Es geht in der Musik nicht um meine persönlichen kleinen Dramen. Wenn die Leute das nicht kapieren, kann ich ihnen auch nicht helfen."
Auch in der Vermarktung geht Kittin inzwischen einen eigenen, man kann sagen: einsamen Weg. "Batbox" erscheint auf ihrem eigenen Label, das den sprechenden Namen Nobody's Bizzness trägt. So bleibt alles unter einem Dach: "Qualität ist wichtiger als Quantität. Mir macht es nichts aus, ein paar Platten weniger zu verkaufen, wenn ich dafür mehr Kontrolle über meine Musik habe als bei einem Major." Verweigerung, zu der man tanzen kann – sofern man es nicht vorzieht, es nicht zu tun.

Sebastian Fasthuber in FALTER 5/2008 vom 01.02.2008 (S. 57)


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