New Conception Of Jazz - Sharing

von Christian Wallumrod Trio, Misha Alperin, Bugge Wesseltoft

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Label: Emarcy Records
Erscheinungsdatum: 01.01.1999

Rezension aus FALTER 7/1999

Sieht man vom Schifahren ab, dann steht der Norweger der Langsamkeit eher aufgeschlossen gegenüber. Der Norweg-Jazzer neigt zudem eher dem Modell Lasse (introvertiert) als dem Modell Kjetil (lustig) zu, was sich mit den Aufnahmen des Christian Wallumrod Trios, das sich aus der Kombination von herzlich verhaltenem Piano, Hauchtrompete und klassischer Perkussion zusammensetzt, hervorragend belegen läßt. Ab und an findet sich das Trio zu traurigschöner und abgeklärt-melancholischer Melodik, wobei Toningenieur Jan Erik "ECM-Sound" Kongshaus auf der Titelnummer den schleifenden Beserlgeräuschen zu einer sehr dominanten Wirkung verhilft. Niemand vermag das Klangspektrum eines Schlagzeugs so brillant einzufangen wie Kongshaus. Das belegt auch die norwego-anglo-russische Koproduktion unter Leitung des Pianisten Misha Alperin - einem Freund des Pedals, der nichtsdestotrotz dem undifferenzierten Sound-Genebel abhold ist und sich immer wieder zu glasklaren Stakkatos oder einer fast schon kapriziösen tänzerischen Geläufigkeit mit sublimiert circensischem Einschlag ("Movement") aufrafft. Man ist ja auch froh, wenn die Herrschaften mal den Arsch hochkriegen, John Surman einmal nicht den fragilsten Baritonsaxophonisten der Welt abgibt. Daß Alperins klangschöner Lyrismus stets ein gewisses Abstraktionsniveau wahrt und so davor gefeit bleibt, in die Arena des norwegischen Saxophonweißclowns Gabarek zu purzeln, muß lobend erwähnt werden. So wie Alperins Album wurde auch das von Bugge Wesseltoft vom Norsk Kassettavgiftsfond unterstützt. Wesseltoft spielt, v.a. aber programmiert das Klavier, das nach einem kurzen kontemplativen Intro auf einen einzigen Akkord oder repetitive Patterns reduziert wird und sich in ein "zeitgemäßes" Klangdesign einfügt; wobei neben Breakbeats und tieffrequentem Grundeln noch diverse TripHop-Einflüsse aufgegriffen werden: Im Verbund mit dem kühlen Vibrato der Sängerin Sidsel Endresen klingt die etwas gar großspurig "New Conception of Jazz" benannte Formation wie eine nordische Portishead-Ausgabe. Mit Hammond-B3-Programmierung gewinnen eher Us 3 und Medeski, Martin & Wood die Oberhand, und selbst wenn Nils Petter Molvaer auf dem überlangen "Bree'n Glue" selbst zu hören ist, erreicht Wesseltoft die Vorgabe, die sein trompetender Landsmann mit dem Album "Khmer" gelegt hat, so gut wie nie. Vor allem aber hätte er sich auf das Prinzip Lasse verlassen sollen: Nicht soviel sprechen!

in FALTER 7/1999 vom 19.02.1999 (S. 58)


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