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Label: Maya/Intakt
Erscheinungsdatum: 04.09.2009

Rezension aus FALTER 42/2009

Wenn die Tröt-Terroristen von Sonore (Peter Brötzmann, Mats Gustafsson und Ken Vandermark) diese Woche im Doppelpack mit Gustafssons norwegoschwedischem Trio The Thing auftreten, wird es trotz reduzierter Bestuhlung eng werden. Für Ken Vandermark, der bereits mit 45 Jahren Anwartschaft auf die unüberschaubarste Discografie der Jazzgeschichte hat, ist der Gig eines von Dutzenden, rund um den Globus betrieben Projekten. Zuletzt steuerte er alle zehn Stücke für die Aufnahmen zu "Fox Fire" (Maya) bei, die im November vergangenen Jahres live in Birmingham eingespielt wurden. Das transatlantische Trio, das Vandermark mit dem Elder Statesman der britischen Free-Improv-Szene, dem Bassisten Barry Guy und dem Drummer Mark Sanders zusammenführt, beherrscht Powerplay ebenso wie filigrane Klangexploration und schlägt insbesondere in den Stücken, in denen Vandermark vom Tenor zur Klarinette wechselt, auch kontemplative Töne an (etwa im wunderbar zart ausklingenden "Revontulet"). Im epischen "Kwingyaw" ist Raum für ganz unterschiedliche Formen musikalischen Austausches: Etwa wenn Sanders pulsierende Energiefelder schafft und Guy dessen mallet-rolls auf einem plötzlich sehr fernöstlich klingenden Bass beantwortet; oder wenn das Tenor, von den Hi-Hats sparsam begleitet, zu majestätischer Narration anhebt.
Ebenfalls im Vorjahr – beim Schaffhauser Jazzfestival – wurde das "Radio Rondo" eingespielt und für die vorliegende CD (Intakt) mit einem 15-minütigen Solokonzert der Pianistin Irène Schweizer kombiniert, die wie schon früher als Gastsolistin in Barry Guys Langzeitformation London Jazz Composer Orchestra auftritt, das nach zehnjähriger Pause wiederbelebt wurde.
Der Wahlwiener Mats Gustafsson ist dort mittlerweile in der Reeds-Section tätig, hat innerhalb des halbstündigen Konzerts aber nicht allzu viel Gelegenheit, Rohrblätter kaputtzublasen: Nach orchestralem Aufflattern verzweigt sich das Geschehen und findet zu einer filigranen Binnendynamik. Konzertartige Momente wechseln mit wunderbar lyrischen Passagen ab und das 19-köpfige Ensemble lässt immer wieder an einen komplexen Organismus denken, der Atem holt, um loszustürmen – oder eben auch nicht.

Klaus Nüchtern in FALTER 42/2009 vom 16.10.2009 (S. 29)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Radio Rondo (Irène Schweizer, Barry Guy, London Jazz Composers Orchestra)

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