Left Alone Revisited

Derzeit nicht lieferbar

Rezension aus FALTER 50/2002

Letzte Woche verstarb der 77-jährige Mal Waldron. Er war der letzte Pianist Billie Holidays gewesen, hatte aber auch mit Eric Dolphy oder dem Sopransaxophonisten Steve Lacy gespielt, der auf zwei Stücken dieses - im Jänner eingespielten - Albums zu hören ist. Auf "One More Time" wird Waldrons eigenwillig archaisch, mitunter fast ungelenk wirkender Stil mit seinem Hang zu kreisförmig wiederkehrenden und variierten Motiven an eigenen Kompositionen und hauptsächlich im Duo mit dem Bassisten Jean-Jacques Avenel vorgestellt. Wuchtige Blues-Akkordik, weit ausschwingende Melodik, hektische Binnenmotorik bei gleichzeitiger Klarheit der übergreifenden Struktur - alles da, alles drin. So wie die beiden Herren vom Cover blicken, so spielen sie auch. Selbstbewusst verschleppt, mit expressiven Tenorkaskaden und sattem Vibrato oder leicht maniriert näselndem Sopran ist Archie Shepp eindeutig der (mitunter auch durchaus lakonische) Frontmann der im heurigen Februar aufgenommenen Session, während sich Waldron bei dieser Einspielung von Stücken, die untrennbar mit Billie Holiday verbunden sind, weitgehend auf die Rolle des Begleiters beschränkt. Eine überzeugende Begegnung, die wehmütige Erinnerungen an eine große Sängerin und eine große Zeit des Jazz wachruft.

in FALTER 50/2002 vom 13.12.2002 (S. 68)


Bitte warten...

Sie haben folgendes Produkt in den Warenkorb gelegt:

{{var product.name}}


weiter einkaufen
zum Warenkorb