Hommage A Bach

von Andreas Staier, Robert Schumann

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Label: Harmonia Mundi.
Erscheinungsdatum: 14.11.2008

Rezension aus FALTER 51/2008

Unbeschwert und ungestüm, polkaartig und gespenstisch, dialogisch und verbittert, düster und aggressiv – so bezeichnete Leos Janácek (1854–1928) den Ausdrucksgehalt der vier Sätze seines 1. Streichquartetts (1923), in dem er Leo N. Tolstois Novelle "Kreutzersonate" frei in Klängen nacherzählt: so bildhaft wie in den Satzbezeichnungen, aber – anders als Tolstoi – nicht aus der Sicht des mordenden Ehemannes, sondern voll Empathie für das Opfer, die vereinsamte, bei Beethoven und ihrem Klavierlehrer Trost suchende Ehefrau.
Das Stück ist ein Höhepunkt der tschechischen Kammermusik – und zugleich ein Beleg dafür, wie weit die 1848 innerlich begonnene, 1918 politisch vollzogene Abwendung von Österreich in Böhmen und Mähren bis in die Kunst der Moderne hinein wirkte: von der Hinwendung zu national-mythologischen Stoffen bei Smetana über die Entdeckung der eigenen Folk­lore bei Dvorˇák bis hin zu Janáceks panslawistischer Russophilie, wie sie sich in vielen seiner Opern, aber eben auch in seiner Kammermusik zeigt.
Auch bei Janáceks letztem Werk, dem 2. Streichquartett (1928), steht eine Frau im Zentrum. Der Komponist bezeichnete das bekenntnishafte Stück als "Intime Briefe" an seine Muse und "ferne Geliebte" Kamila Stösslova – und er brachte darin seine politisch motivierte Kunst, die eigenwillige Sprachmelodie des Tschechischen in wortlose Musik zu übersetzen, noch einmal zu höchster Blüte.
Die Verquickung von Privatheit und Politik betonen auch zwei Neueinspielungen der beiden Quartette durch das Leipziger Streichquartett (MDG/Gramola) und das Emerson String Quartet (DGG/Universal): gleichermaßen überzeugend, aber mit unterschiedlichem Akzent. Während die Leipziger zu einer intimen, klanglich reichen, fein austarierten Interpretation tendieren, legen die Amerikaner eine schärfer akzentuierte, plastischer ausgestaltete Deutung vor.
Damit korrespondieren auch die unterschiedlichen Kombinationen mit einem dritten Werk: Wo die Leipziger Janáceks musikalische Wurzeln in Dvoráks "Zypressen" offenlegen, weisen die Emersons mit den "Drei Madrigalen" von Bohuslav Martinú auf die nächste Komponistengeneration und den Fortgang der tschechischen Musikgeschichte hin: Entstanden sind diese Duos für Violine und Viola 1947 im New Yorker Exil.

Carsten Fastner in FALTER 51/2008 vom 19.12.2008 (S. 23)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Streichquartett 1/2 - Cypressen (Leipziger Streichquartett, Leos Janácek)

Rezension aus FALTER 51/2008

"Sebastian Bachs Wohltemperiertes Clavier ist meine Grammatik, und die beste ohnehin", schrieb Robert Schumann schon 1832, und tatsächlich blieb ihm der alte Meister zeitlebens höchste Instanz. Sein Werk ist voller Reverenzen – nicht im historisierenden Sinne, sondern in Form zeitgenössischer Anverwandlungen. Ihnen spürt der Originalklangexperte Andreas Staier u.a. in den "Waldscenen", den "Kinderscenen" und den "Clavierstücken für die Jugend" nach. Der Clou dabei: Er tut dies auf einem Érard-Flügel (1837) und gibt Schumanns Musik so jenen zauberischen Ton wieder, der in den Virtuoseninterpretationen des 20. Jahrhunderts schon in Vergessenheit geraten war.

Carsten Fastner in FALTER 51/2008 vom 19.12.2008 (S. 23)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Streichquartett 1/2 - Cypressen (Leipziger Streichquartett, Leos Janácek)

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