Sofa Surfers

von Sofa Surfers

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Label: Klein
Erscheinungsdatum: 28.10.2005

Rezension aus FALTER 43/2006

10 Jahre, 10 Platten

Auf ihrem jüngsten Album präsentieren sich die "Sofas" entschlackt. Die Computer haben weitgehend Pause, im Zentrum steht der Bandgedanke. Das erinnert streckenweise an Postrock, wird durch Mani Obeyas beseelten Gesang aber auf ein neues Plateau gehievt.Die Formation um Hannes Duscher unternahm Mitte der Neunziger den Versuch, einen Bandkontext mit der Begeisterung für elektronische Grooves zusammenzubringen. Erfolgreich, aber mit Ablaufdatum: Dieses Album samt Remixes von Terranova, Pulsinger & Co blieb ihr einziges.Das Duo Mika, bestehend aus Matthias Kertal und Simon Nola, zählt zu den weniger bekannten Namen in der Klein-Familie. Mit ihren luftigen Stücken, die mal mehr Elektronik, mal mehr Pop beinhalten, setzen sich die beiden sympathisch zwischen alle Stühle.Kevin Martin von den Lautstärkerekordbrechern Techno Animal lässt es auch mit seinem Soloprojekt The Bug, dem nunmehr sein Hauptaugenmerk gilt, krachen. "Pressure" ist Dancehall/Reggae in Brachialform, unterstützt von fähigen Stimmen - bitterböse Bubenmusik.Noch einmal Buben, noch einmal Basswaffen: Stefan Mörth alias Stereotyp, der aktuell das tolle Album "Keepin' Me" am Start hat, betreibt mit einem deutschen Spezi unter dem Banner "Digital Dancehall" angewandte Soundwissenschaft. So futuristisch und entmenschlicht kann klingen, was als Reggae begann.Die Geschichte von Klein ist untrennbar mit der Geschichte der Sofa Surfers verbunden, deren Platten sich durch den Labelkatalog ziehen. Ursprünglich als Trendsurfer des Kruder-&-Dorfmeister-Hypes angesehen, zeigte schon ihr Debüt zwischen Dub und schweren Grooves einiges Potenzial.Beat Sollèr alias Seelenluft ist der Label-Schweizer und bringt es bereits auf drei Alben. Das erfolgreichste war sein zweites, weil es den grenzgenialen "Tanzen ohne Gurt"-Hit "Manila" enthält, gesungen vom damals zwölfjährigen Michael Smith.Ein Sofa Surfer auf Solopfaden, ein Höhepunkt im Klein-Backkatalog. Der Liebe wegen hin und her gerissen zwischen Wien und Los Angeles, schuf Wolfgang Schlögl alias I-Wolf ein modernes Soulalbum, das seinen Reiz aus der Reibung gefühlvoller Vocals mit dröhnenden Klangwällen bezog.Das deutsch-englische Duo hat nicht nur hübsch klickende Technosounds, sondern verfügt mit Alex Taylor auch über eine faszinierende Stimme, die Melancholie und Pathos vergangener Tage in die musikalische Gegenwart führt. Ihr Album für Klein haben Coloma mit Band und Bläsern eingespielt.

Sebastian Fasthuber in FALTER 43/2006 vom 27.10.2006 (S. 71)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Transit (Sofa Surfers)
Out of the Woods (Seelenluft)
Soul Strata (I-Wolf)
Pressure (The Bug)
Phase Three (Stereotyp meets Al'Haca)
Dovetail (Coloma)
Leaving You with This (Planet E)
Mika (Mika)

Rezension aus FALTER 45/2005

K.O. Computer

Die Sofa Surfers haben ihre Sampler verräumt und sich mithilfe von Gitarre, Bass, Schlagzeug und Gesang als seelenvolle Postrockband neu erfunden.

Man hört ein konzentriertes Schlagzeug, einen dynamischen Bass, eine zurückhaltend-akzentuierte Gitarre und eine Stimme voll Soul, die bei aller Wärme doch immer eine gewisse Distanz hält und die nicht eben vor Lebensfreude strotzende Musik konterkariert und gleichzeitig auch optimal unterstützt. Die Sofa Surfers aber, die hört man auf ihrem schlicht mit "Sofa Surfers" betitelten neuem Album zuerst einmal nicht. Und das liegt keinesfalls nur an der Stimme des neuen Sängers Mani Obeya.

Bisher war das Wiener Quartett für elektronische Clubmusik bekannt, die vor allem auf wuchtige Beats und moderne Dub-Produktionsweisen setzte; davon ist jetzt nichts mehr zu hören. "Die Ästhetik wurde verändert, die Atmosphäre der Band aber hoffentlich übernommen", sagt Sofa Surfer Wolfgang Schlögl, der zuletzt auch als I-Wolf reüssierte. "Bei den drei vorangegangenen Platten haben wir ebenfalls stets nach veränderten Arbeitsweisen und neuen Produktionsbedingungen gesucht, sodass sich daraus ein natürliches Weitermarschieren ergibt."

Leicht haben es sich die Sofa Surfers wirklich nie gemacht. 1996 aus der Gitarrenband Red Red Rosary entstanden, hätten Schlögl und seine Kollegen Wolfgang Frisch, Michael Holzgruber und Markus Kienzl locker zur Boygroup der damals prosperierenden Wiener Downtempokuschelszene werden können. Die Wahl zwischen künstlerischem Anspruch und Kalkül hat sich für die vier aber nie wirklich gestellt. Sie produzierten lieber vielgelobte Filmsoundtracks ("Komm süßer Tod") als wohldotierte Klangtapeten fürs Werbefernsehen, und anstatt die Soundästhetik von Platte zu Platte gefälliger und somit vermeintlich massentauglicher anzulegen, wurde man kontinuierlich schroffer, härter, fokussierter.

Mit "Encounters" war vor dreieinhalb Jahren ein Höhepunkt erreicht. Hochkarätige Gastvokalisten aus aller Welt sangen und rappten da über bisweilen apokalyptisch anmutende Musik, wie man sie sonst aus New Yorker Underground-HipHop-Laboratorien kennt. Die "alte" Sofa-Sufers-Formel schien ausformuliert, die Bandmitglieder verfolgten unterschiedliche Soloprojekte. "Wir haben nach dieser Platte nicht wirklich gewusst, wie wir weitermachen sollten", sagt Markus Kienzl. "Diesmal habe ich dagegen das Gefühl, dass wieder viel möglich ist."

"Beim Computer ist vorher schon klar, wie's klingen wird, während man das bei der Arbeit mit Instrumenten erst in dem Moment weiß, in dem es auf Band ist", ergänzt Wolfgang Frisch. Gegeneinander ausspielen will man die unterschiedlichen Produktionsweisen trotzdem nicht; der Computer habe als Instrument über die Jahre einfach nur an Reiz verloren. "Miteinander zu spielen ist unmittelbarer", sagt Schlögl. "Zu viert am Computer zu arbeiten funktioniert nicht wirklich, da legt immer einer etwas vor, und die anderen arbeiten dann hinterher."

Stärker als je zuvor rückte für "Sofa Surfers" - der Coverfarbe wegen auch schlicht "das rote Album" genannt - die Band als solche ins Zentrum, der Weg war fürs Erste als Ziel definiert. "Wir wollten unsere gemeinsamen Ressourcen wieder aktivieren, direkt miteinander über die Musik kommunizieren und daraus etwas schöpfen", so Kienzl. Darüber hinaus gab es weder Vorgaben noch Einflüsse. "Natürlich ist man kein unbeschriebenes Blatt, aber wir haben während der Arbeit an der Platte wenig gehört, und gerade zu dieser Zeit hat mir auch nichts Neues getaugt", sagt Michael Holzgruber. "In gewisser Hinsicht standen wir am selben Punkt wie damals, als wir begannen, mit dem Computer Musik zu machen", so Frisch. "Man probiert etwas, es funktioniert nicht, aber man weiß, dass noch sehr vieles möglich ist, das man erst entdecken muss."

Zwei Monate lang traf man sich im Studio der befreundeten Elektronikformation KonsortenTM zu regelmäßigen Jamsessions, irgendwann schälten sich Strukturen aus der solcherart entstandenen Musik. Strukturen freilich, die in ihrer repetitiven Dynamik nur wenig mit typischen Rocksongs gemein haben. Zu wirklichen Songs mutierten die zehn Tracks erst durch Mani Obeyas Gesang. "Ich kannte den Namen, aber nicht ihre Musik", sagt Obeya, der über einen gemeinsamen Bekannten zu den Sofa Surfers stieß. "Und ich habe mir ihre alten Sachen erst angehört, als die meisten Stücke bereits fertig waren, um möglichst unbeeinflusst zu bleiben."

Der einzige außermusikalische Input für seine Textarbeit war Michael Glawoggers Urbanisierungsdokumentation "Megacities", mit dem sich auch die Sofa Surfers intensiver beschäftigt hatten. "Der Text zu Never Go Back' drückt die Hoffnungslosigkeit aus, die ich beim Sehen des Films empfand", sagt Obeya, dessen regelmäßige Auslandsengagements als Tänzer und Choreograf das Livedebüt des roten Albums vorerst verzögern. "Ich habe mich aber in allen Texten um ein gewisses Maß an Abstraktion bemüht, da ich Musik als Dialog verstehe und die Möglichkeit individueller Deutungen des Hörers wichtig finde. Bei Believer' bin ich mir etwa selbst nicht ganz sicher, ob es nur ein Liebeslied ist oder ob es vielmehr vom Glauben an etwas Größeres handelt. Mit Gott dürfte es allerdings nichts zu tun haben, da ich in keiner Weise religiös bin."

Mit dem fertigen Album ist Obeya ebenso glücklich wie der Rest der Band. Tatsächlich hat ihre organische Herangehensweise auch den Aufnahme- und Produktionsprozess der Songs unbeschadet überstanden. "Es ging uns auch ganz bewusst darum, das Proberaumfeeling zu erhalten und da nicht mit irgendwelchen Sounds drüberzuzwirbeln", sagt Holzgruber. "Mangelndes Handwerk sollte bewusst nicht kaschiert werden. Es ist ein intimes, nacktes Album, du hörst jeden Schas - und genau so soll es auch sein: Man hört, dass da wer spielt."

Gerhard Stöger in FALTER 45/2005 vom 11.11.2005 (S. 61)


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