Quicken The Heart

von Maximo Park

€ 19,30
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Label: WARP
Format: CD
Genre: Rock englischsprachig
Umfang: 12 Tracks, Gesamtspielzeit 37:30 Min.
Erscheinungsdatum: 08.05.2009

Rezension aus FALTER 19/2009

Popstars aus der Bibliothek

Herzlichen Glückwunsch. Paul Smith ist gerade 30 Jahre alt geworden. Richtig erwachsen fühlt sich der Sänger und Songschreiber von Maximo Park deshalb nicht.
"Ich bin immer noch genauso verwirrt und erstaunt von allem wie als Teenager", sagt er. "Und ich will dieses Gefühl, dass die Welt jeden Tag ein bisschen neu ist, auch nicht verlieren." Das umschreibt die Energien, die seine indierockige wie kunstsinnige Band nun schon drei Alben lang aussendet, sehr gut.
Wenn man sich recht erinnert, besteht die Jugend aber nicht nur aus Sonnenschein. Es gibt da auch Dinge wie Pubertät und Desillusionierungen. Maximo Park wären die Letzten, die das Jungsein unnötig glorifizieren würden. So heißt ihre aktuelle Single, die das neue Album "Quicken the
Heart" begleitet, denn auch demonstrativ "The Kids Are Sick Again".

"Es ist schon ein gewisse Ironie, heute ,the kids' zu sagen", gibt Smith zu. "Schließlich handelt es sich um eine Phrase aus den 60ern, die dann im Punk wieder aufgegriffen wurde. Heute wachsen die jungen Leute sehr unterschiedlich auf. Die Einzigen, die sie noch als homogene Gruppe begreifen, sind die Werber. Die Idee hinter dem Song ist, dass es aber vielleicht doch etwas Gemeinsames gibt – nämlich die Enttäuschungen und Langeweile, die man erlebt. Es ist eben nicht immer toll, jung zu sein."
Paul Smith ist Vielredner, aber kein Dampfplauderer. Er kann sich bei der Beantwortung einer Frage weit vom Thema entfernen, findet aber am Ende immer elegant zum Ausgangspunkt zurück. Eine bemerkenswerte Fähigkeit für den Vorstand einer britischen Gitarrenband. Nicht umsonst gelten Maximo Park als der etwas andere Indiejungshaufen.
Obwohl viele Labels an ihnen interessiert waren, entschieden sie sich am Anfang ihrer Karriere für das Elektroniklabel Warp, als dessen Aushängeschild sie nun fungieren.
Im Gegensatz zu den meisten ihrer Kollegen zog es das verschworene Quintett aus dem Nordosten Englands auch nie nach London. Smith lebt bis heute in Newcastle, und "es gibt nicht wenige Tage, an denen ich aufwache und es nach wie vor seltsam finde, dass jemand außerhalb von Newcastle unsere Musik hört".
Er stammt aus einer Arbeiterfamilie und sagt, er sei weder stolz darauf, noch wolle er es verleugnen.
"Wo man herkommt, ist einfach die Grundlage, auf der man selber aufbauen muss. Ich bin in einer armen Gegend aufgewachsen und habe viel Ungerechtigkeit gesehen. Umso froher macht es mich, von der Musik leben zu können, Songs zu schreiben, Bücher zu lesen. Ich bin froh, dass meine Mutter mich früh in die Bibliothek mitgenommen hat. Und sie und mein Vater haben mir ein Arbeitsethos mitgegeben."
Popstars früherer Generationen, die aus ähnlichen Verhältnissen stammten, konnten noch ihre Aufsteigerfantasien ausleben, ein Dandyleben führen, wie Bryan Ferry, oder Yachten kaufen.
Obwohl Maximo Park speziell in England Berühmtheiten sind und immerhin hunderttausende Platten verkauft haben, findet Paul Smith mit der Musik gut sein Auslangen, aber nicht viel mehr.
Und er findet es in Ordnung so: "Manche Musiker wollen berühmt werden und viel Geld verdienen. Das ist okay! Die Musikindustrie ist eine Industrie, und dazu da, ausgenützt zu werden. Aber das ist nicht meine Hauptabsicht als Musiker."
Großes Anliegen der Band für ihr drittes Album war es, nicht nachzulassen. Die ersten beiden Werke "A Certain Trigger" (2005) und "Our Earthly Pleasures" (2007) stellten fast makellose Übungen in leicht überdrehten, postpunkigen Popsongs dar. "Quicken the Heart" ging ein langes Experimentieren und Tasten voraus, ehe man sich wieder auf die Kernkompetenzen Melodie, Hirnschmalz und Überschwang besann.

"Ich wollte ursprünglich eine obskurere, weniger poppige Platte machen", erzählt der Sänger. "Wir alle hatten unterschiedliche Ideen, wie wir uns entwickeln sollten. Ein halbes Jahr lang ging nichts weiter. Aber nach unseren Auftritten auf den Sommerfestivals 2008 ging uns auf, dass wir uns gar nicht groß verändern müssen."
Für die Aufnahmen zog es Maximo Park vergangenen Oktober nach Los Angeles, was sich dann doch verdächtig nach Rock-'n'-Roll-Klischee anhört. "Wir haben eben immer schon ungewöhnliche Entscheidungen getroffen", lacht Smith.
"Tatsächlich war es ein kompletter Zufall. Wir beschlossen, mit Nick Launay, der auch die Yeah Yeah Yeahs produziert, zu arbeiten. Er hat sein Studio in L.A., das hat den Ausschlag gegeben. Ich würde nicht ewig dort bleiben wollen, aber fünf Wochen lang pausenlos schönes Wetter zu haben war schon sehr nett. Fühlte sich wie ein Arbeitsurlaub an."

Sebastian Fasthuber in FALTER 19/2009 vom 08.05.2009 (S. 27)

  Song-Titel
1.  Wraithlike 2:29
2.  The Penultimate Clinch 2:36
3.  The Kids Are Sick Again 3:00
4.  A Cloud Of Mystery 3:00
5.  Calm 3:07
6.  In Another World (You Would've Found Yourself By Now) 2:59
7.  Let's Get Clinical 3:52
8.  Roller Disco Dreams 3:27
9.  Tanned 3:33
10.  Questing, Not Coasting 3:41
11.  Overland, West Of Suez 2:46
12.  I Haven't Seen Her In Ages 3:00

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