Veckatimest

von Grizzly Bear

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Label: WARP
Format: CD
Genre: Rock englischsprachig
Umfang: 12 Tracks, Gesamtspielzeit 52:20 Min.
Erscheinungsdatum: 22.05.2009

Rezension aus FALTER 23/2009

Die Indie-Kids mit dem Geigenkasten

Veckatimest". Der Titel des zweiten Albums von Grizzly Bear geht einem nicht eben leicht von der Zunge. Was wie eine Fehlermeldung klingt, bezeichnet eine kleine Insel bei Cape Cod, wo die Band im Landhaus der Großmutter von Ed Droste ihr Studio aufbauen durfte.
Normalerweise sind Droste und seine Kollegen Daniel Rossen, Christopher Bear und Chris Taylor in Brooklyn, New York, zuhause und zählen dort neben Dirty Projectors, Animal Collective oder Beach House zu einer besonders ambitionierten Szene.
Unter Pop verstehen diese jungen Musiker nicht einfach eingängige Lieder, die passieren ihnen eher nebenbei. Es geht um die Suche nach dem Heiligen Gral, die Brian Wilson einst während der Aufnahmen zu "Smile" abbrechen musste, weil ihn sein Perfektionismus in den Wahnsinn trieb.
Auch Grizzly Bear sind Perfektio­nisten. In ihrem filigran-folkigen Kunstpop streben sie nach absoluter Schönheit und Klarheit im Ausdruck und überstürzen dabei nichts. Die zwölf neuen Songs werden nie schneller als Midtempo. Eine Eigenheit, die die Kritikerzunft entzweit. Die einen schreien "Geniestreich", die anderen gähnen "langweilig".

Ein Ohr für Feinheiten kann beim Hören
von "Veckatimest" gewiss nicht schaden. Dass Grizzly Bear, wenn sie wollen, locker Hits aus dem Ärmel schütteln können, beweisen sie zwischendurch mit dem mitreißenden "Two Weeks". Ihre Priorität liegt jedoch eindeutig im Zimmern entrückter Minisinfonien.
"Bitte Orca". Noch so ein Plattentitel, den man sich wird merken müssen. So heißt das neue Album von Dirty Projectors, dem Baby des ungemein produktiven New Yorker Songschreibers Dave Longstreth. Das Album zuvor hat übrigens Grizzly-Mitglied Chris Taylor produziert, die NYC-Szene ist ebenso vital wie überschaubar.
Wo Grizzly Bears Harmoniegesänge ein wenig an die Wilson-Brüder erinnern, lässt sich Longstreth als moderne Version Brian Wilsons begreifen. Er schreibt und arrangiert pausenlos neues Material für seine Gruppe, deren lange Zeit fluktuierende Besetzung jüngst stabiler wurde.
Der studierte Komponist glaubt "an Inspiration und Innovation", wie er im Telefoninterview erzählt. Jedes Dirty-Projectors-Opus soll ein Unikat sein: "In dem Sinne ist ,Bitte Orca' eine tolle Repräsentation der Band. Die Platte klingt wie nichts, was wir bisher gemacht haben." Das stimmt. Die neuen Songs, die zwischen Kollaborationen mit David Byrne (für den Sampler "Dark Was the Night") und Björk (für einen Konzertabend) entstanden, sind einfacher und leichter zugänglich als das Material, das Longstreth seit 2002 auf sechs Studioalben rausgepowert hat.
Mit "Stillness Is the Move", das die Mitstreiterinnen Amber Coffman und Angel Deradoorian singen, findet sich ein potenzieller Song des Jahres darauf. Er klingt, als würde ein Nerd mit Interesse an afrikanischen Rhythmen und Folk versuchen, einen R-'n'-B-Hit Marke Destiny's Child zu ­schreiben. Und es funktioniert prächtig.
Longstreth kann nicht verhehlen, dass ihn die Aufmerksamkeit freut: "All die Kids, die in der Highschool mit dem Geigenkasten rumliefen, sind jetzt in den coolen Indiebands." Aber warum bitte "Bitte Orca"? "Weil es gleichzeitig hart und weich klingt", kommt es aus dem Hörer. "Ein deutsches Wort und ein Wal: Mir gefällt, dass es zwei Wörter sind, die nichts miteinander zu tun haben."

Sebastian Fasthuber in FALTER 23/2009 vom 05.06.2009 (S. 33)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Bitte Orca (Dirty Projectors)
  Song-Titel
1.  Southern Point 5:02
2.  Two Weeks 4:03
3.  All We Ask 5:21
4.  Fine For Now 5:31
5.  Cheerleader 4:54
6.  Dory 4:26
7.  Ready, Able 4:17
8.  About Face 3:21
9.  Hold Still 2:24
10.  While You Wait For The Others 4:29
11.  I Live With You 4:57
12.  Foreground 3:35

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