Superflu

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Verlag: Dope Noir
Genre: Pop/Rock
Erscheinungsdatum: 14.01.2008

Rezension aus FALTER 47/2006

"Leicht, aber nicht seicht"

Mit ihrer Band Saint Privat gelingt es dem Produzenten Klaus Waldeck und der Sängerin Valérie Sajdik, Unschuld und Frivolität in raffinierten Wohlfühlchansons zu vereinen.

Am Ende des Gesprächs mit den beiden Köpfen der Wiener Band Saint Privat steht der Widerspruch. Während sich die bezaubernde Sängerin Valérie Sajdik über die von ihr beobachtete steigende Wertschätzung österreichischer Popmusik freut, fällt Klaus Waldeck, dem musikalischen Direktor der Gruppe, zum einzigen echten Star des Landes und dessen Orientierung am deutschen Markt nur das Attribut "widerlich" ein: "Christina Stürmer hat damit Erfolg, dass sie ihre Wurzeln verleugnet!" Was Frau Sajdik wiederum nicht so krass sehen würde, worauf Herr Waldeck ... und so weiter.

Im Interview zu ihrem neuen, zweiten Album "Superflu" sind die beiden überhaupt öfter unterschiedlicher Ansicht, in ihrer Musik harmonieren Waldeck und Sajdik dagegen geradezu perfekt. "Riviera", ihr im Frühsommer 2004 veröffentlichtes Debüt voll luftiger Popchansons im frankophilen Sixtieskleidchen, entwickelte sich vom Geheimtipp zu einer der erfolgreichsten heimischen Independent-Produktionen der letzten Jahre. Alleine in Österreich hat sich das auf Waldecks eigenem Label Dope Noir veröffentlichte Album knapp 10.000 Mal verkauft; sogar aus Japan und Südkorea kam positives Feedback.

Saint Privat haben mit ihrem jazzaffinen und behutsam elektronisch gestützten Easy-Listening-Pop das kleine Kunststück vollbracht, auf Ö1, Ö3 und FM4 gespielt zu werden, ohne deshalb gleich zwischen allen Stühlen zu landen. Vielmehr gelingt es ihrem speziellen Charme, unterschiedliche Hörerschaften und Szenen gleichermaßen anzusprechen. "Wir legen großen Wert darauf, dass unsere Musik zwar leicht daherkommt, aber nicht seicht ist", erklärt Waldeck. "Schön, dass das auch ankommt - zumal in einer Zeit, in der das Publikum angeblich keine Qualität verträgt und alles Anspruchsvolle nur Werbekunden verschreckt und Reichweiten senkt."

Den gelernten Anwalt Klaus Waldeck kennt man bereits seit den frühen Tagen der Wiener Elektronikszene; der Vierzigjährige setzte vor allem auf Downtempoproduktionen in erweiterter künstlerischer Verwandtschaft zu Kruder & Dorfmeister. Valérie Sajdik wiederum, die als Diplomatentochter bald nach der Geburt in Wien zur Weltenbummlerin wurde und ihre halbe Kindheit in Moskau verbracht hat, debütierte bereits als Jungteenager im Kommerzpopfach. In den ausgehenden Neunzigern landete die heute 28-Jährige gar bei der Girlgroup C-bra, einer österreichischen Antwort auf die Spice Girls. Trotz mangelnder Erfolge und "eines kleinen Nachgeschmacks von Klischees" sei es eine positive Erfahrung gewesen, erklärt Sajdik, die vor ihrem C-bra-Engagement am Konservatorium Jazzgesang studierte. "Aus Fehlern lernt man, und letztlich waren das zwei sehr produktive Jahre. Ich hatte einfach auch gemerkt, dass es mit 19 mehr braucht, als in kleinen Wiener Jazzclubs zu singen. C-bra war dafür eine ideale Gelegenheit."

Klaus Waldeck lernte die Sängerin auf einer Hochzeit kennen, und trotz des unterschiedlichen Backgrounds fanden die beiden überraschend schnell künstlerische Gemeinsamkeiten. Als Saint Privat entwickelten sie einen Mikrokosmos, der die hedonistischen Sechzigerjahre feierte, gleichzeitig aber auch behutsam ironisierte. Ihr erster Studiobesuch führte zu einer Interpretation der Henry-Mancini-Komposition "Nothing to Lose", die sich später neben einer wunderschönen Version von Kurt Weills "September Song" und neun eigenen Stücken auch auf dem Debüt fand.

Der Name Saint Privat stammt übrigens von Sajdiks Wahlheimat, einem von Weinbauern, Olivenzüchtern und Künstlern bevölkerten südfranzösischen Dorf. Der Legende zufolge hatten die Hippies einst LSD ins Trinkwasser gekippt und am Dorfplatz ausschweifende Partys gefeiert, zu denen der Jetset per Hubschrauber eingeflogen wurde. "Das LSD-Wasser ist zwar längst aufgebraucht, aber in den Genen wirkt es noch ein Stück weit nach", meint Sajdik. "Es gibt schon sehr interessante Gestalten in Saint Privat, heute sind sie aber durchwegs zur Ruhe gekommen und gehen ihrer Kunst nach."

"Superflu" knüpft als zweites Saint-Privat-Album jetzt unmittelbar an den Vorgänger an, wirkt aber noch einen Hauch organischer, selbstsicherer und facettenreicher. Auch diesmal gibt es wieder zwei Coverversionen: "Somebody to Love" befreit die Love-and-Peace-Ikonen Jefferson Airplane von ihrem Rockpathos, und Krzysztof Komedas "Rosemaries Baby", das Titelstück aus Roman Polanskis gleichnamigem Horrorfilmklassiker, demonstriert, dass Saint Privat auch etwas düsterere Züge gut stehen. "Beim ersten Album war die Cocktailparty das ideale Hörambiente, während wir jetzt eher die Musik zur Katerstimmung gemacht haben", findet Waldeck. ",Superflu' hilft, sich wieder ans Tageslicht zu gewöhnen."

Die große Ernüchterung bleibt freilich großzügig ausgespart. Saint Privats spezieller Schmäh funktioniert auch in der verfeinerten Form sehr gut, weiterhin kokettieren Waldeck, Sajdik & Co erfolgreich mit der Sehnsucht nach Hedonismus, Frivolität und Unbeschwertheit. Dass "Superflu" - bei den Plattenaufnahmen wurden eigens psychedelische Softpornos gezeigt, um in die richtige Stimmung zu kommen - gleichzeitig auch sehr brav wirken kann, ist für die Sängerin kein Widerspruch: "Saint Privat zeichnet eine gewisse Unschuld aus, bei der es aber nicht bleibt", erklärt Sajdik. "Man muss gewisse Dinge aber einfach so verpacken, damit sie entsprechend wirken."

in FALTER 47/2006 vom 24.11.2006 (S. 67)


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