Horehound

von The Dead Weather

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Label: COLUMBIA D
Format: CD
Genre: Rock englischsprachig
Umfang: 11 Tracks, Gesamtspielzeit 43:55 Min.
Erscheinungsdatum: 10.07.2009

Rezension aus FALTER 29/2009

"Schlagzeuger werden missbraucht"

Der Schlagzeuger als Dirigent ist ein Konzept, das mich derzeit sehr interessiert", sagt Jack White mit jener dramatischen Feierlichkeit, wie sie nur Amerikaner beim Sprechen über Rockmusik aufbringen können.
"Schlagzeuger werden von allen missbraucht und gedemütigt. Was Meg bei den White Stripes alles hat durchmachen müssen! Immer wenn einer behauptet hat, dass sie nicht sehr gut sei, hab ich ihr davon erzählt, wie in meiner Kindheit alle immer sagten, Charlie Watts sei furchtbar und Ringo Starr mies. Und genau die beiden sind meine liebsten Schlagzeuger."

Jack Whites Mitgefühl für den diskriminierten Berufsstand seiner Exfrau und zweiten White-Stripes-Hälfte Meg White kommt nicht von ungefähr. In seinem jüngsten Bandprojekt The Dead Weather nimmt er ihren angestammten Platz am Schlagzeug ein.
Beim Londoner Debüt der neuen Formation im Forum von Kentish Town geht die Energie auf der Bühne jedenfalls eindeutig von White und seinem mit harter Hand exekutierten Trommelwerk aus.
Alison Mosshart, ansonsten Sängerin bei The Kills, hängt mit beiden Armen schwer und schlapp am Mikrofonständer, aber durch die ihr Gesicht verhängende Mähne hindurch dringen furchtlose Schlachtrufe fiktiver Beziehungskriege.
Sie könne Ärger aushalten, singt sie, schließlich sei sie "60 feet tall". Ihren Liebhaber will sie am Haar packen und vom Himmel herabhängen lassen, denn "I look like a woman, but I cut like a buffalo" – diesen Text hat allerdings White für sie geschrieben.
Mossharts Stimme gleicht in Register und Duktus dem traditioneller männlicher Hardrocksänger, ihr breiter Hüftschwung auch. In einer betont klobigen Coverversion von Bob Dylans verbittertem "New Pony" werden die Geschlechterrollen umgekehrt. "How much longer? How much?", brüllen White und der von seiner Zweitband, The Raconteurs, bekannte Bassist Little Jack, kurz "LJ", Lawrence, während Queens-of- the-Stone-Age-Mitglied Dean Fertita verzerrte Gitarren- und Orgelklänge durch den Saal jagt.

"Wenn verschiedene Geschlechter aufeinander treffen, passiert sofort was Besonderes", erklärt Jack White. "Ich weiß nicht, ob es was unterschwellig Sexuelles ist, aber ich spüre den Unterschied zwischen dieser Band und den (rein männlichen, Anm. d. Red.) Raconteurs. Es ist inspirierender, es hat Relevanz, man hat sofort eine Reaktion von beiden Seiten der Menschheit." "Ich hab nie mit einer anderen Frau in einer Band gespielt", fügt Alison Mosshart vielsagend hinzu. "Ich kenne also nichts anderes."
Der von Jack White angesprochene Punkt der Relevanz ist ein ziemlich wunder. Schließlich wird ihm seine bibeltreue Rückwärtsgewandtheit von der Kritik gern zur Last gelegt. Aber gerade in einem Song wie "I Cut Like a Buffalo" steckt unter den von den Retrosounds suggerierten Frühsiebziger-Referenzen durchaus auch ein von genrefremden Einflüssen, in diesem Fall HipHop, beseelter Kern.
Das erklärt auch, warum am Abend vor der Show die durchreisenden Beas-
tie Boys beim Aufwärmkonzert in einem Londoner Garagen-Rocker-Pub vorbeischauten. "Ihre Beats haben einen enormen Einfluss auf mich", bekennt ein geehrter Jack White.
Was er außerdem noch mit Hip-Hoppern alter Schule gemeinsam hat, ist seine ausgeprägte Vinylbesessenheit, die bis zur Einrichtung eines eigenen Presswerks im Hauptquartier seines Third-Man-Labels in Nash­ville reicht: "Früher waren meine Platten in den Händen anderer Leute, jetzt erledige ich jede Komponente selbst, von der Aufnahme bis zum Verschicken."
Er klopft auf einen herumliegenden Singlekarton: "LJ hat das hier wahrscheinlich selbst eingepackt, als wir zuhause waren. Das kommt alles direkt von unserer Familie."
Alles, was mit CD-Fassungen seiner Musik zu tun hat, überlasse er dagegen einem Major-Label, denn "das interessiert mich nicht".
In der Welt des Jack White, dessen eigensinnige Interpretation des Punk-ethos sich von plakativer Verweigerung technologischer Fortschrittsgebote nährt, zählt am Ende nur die Handarbeit. Also hat er für den Fall, dass das Tonträgergeschäft völlig zusammenbricht, auch sein erstes berufliches Standbein in Nashville wieder aufgebaut: die ebenfalls Third Man genannte alte Möbeltapeziererwerkstätte, die er einst in der verelendeten Innenstadt von Detroit betrieb. "Ich brauche das", sagt White. "Das ist meine Versicherung, dass ich niemandem was schuldig bin."

Robert Rotifer in FALTER 29/2009 vom 17.07.2009 (S. 26)

  Song-Titel Interpret
1.  60 Feet Tall 5:33 Dead Weather, The / Mosshart, Alison
2.  Hang You From The Heavens 3:37 Dead Weather, The / Mosshart, Alison
3.  I Cut Like A Buffalo 3:28 Dead Weather, The / Mosshart, Alison
4.  So Far From Your Weapon 3:40 Dead Weather, The / Mosshart, Alison
5.  Treat Me Like Your Mother 4:10 Dead Weather, The / Mosshart, Alison
6.  Rocking Horse 2:59 Dead Weather, The / Mosshart, Alison
7.  New Pony 3:57 Dead Weather, The / Mosshart, Alison
8.  Bone House 3:27 Dead Weather, The / Mosshart, Alison
9.  3 Birds 3:55 Dead Weather, The / Mosshart, Alison
10.  No Hassle Night 2:51 Dead Weather, The / Mosshart, Alison
11.  Will There Be Enough Water? 6:18 Dead Weather, The / Mosshart, Alison / White, Jack

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