Too Big To Fail

von Madame Baheux

€ 19,40
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Label: Lotus Reco
Format: CD
Genre: Weltmusik
Umfang: 14 Tracks, Gesamtspielzeit 57:13 Min.
Erscheinungsdatum: 05.10.2018


Rezension aus FALTER 11/2019

Kunst des Radaus, Geräusch des Gefühls

Für eine Schallplatte waren es zwei Lieder zu viel. Deshalb wurde aus dem Album „Too Big to Fail“ von Madame Baheux eine CD. Eine gute Entscheidung. Denn um jedes der 14 Stücke wäre es schade gewesen. Die Ansage auf dem Cover bezieht sich auf ein Lied voller Sarkasmus über „die verhängnisvolle Amour fou zwischen Bankensektor und Staat“. Diese Art von pointiert politischem Chanson ist nur eine der vielen Facetten, die das Quartett zu bieten hat. Jazz, Rock, klassische Einflüsse, Balkanrhythmen, Experimente mit Sprache und Tonabfolgen sind weitere.

Madame Baheux sind vier Frauen, die aus vielen Genres, Einflüssen und Talenten eigene Stile entwickeln. Auf ihrem aktuellen Album, es ist ihr zweites, finden sich Arrangements traditioneller Lieder, etwa aus Bulgarien oder Serbien, eigene Kompositionen und Vertonungen von Texten des österreichischen Schriftstellers Richard Schuberth.

Als Lokal für das Gespräch mit dem Falter suchen sich die Bratschistin Jelena Popržan, die Schlagzeugerin Maria Petrova, die Kontrabassistin Lina Neuner und die E-Gitarristin Ljubinka Jokić das Radiocafé im Wiener Funkhaus aus. „Wir verstehen es als erweitertes Wohnzimmer von uns Musikern in Wien“, bemerkt Neuner: Die Radiosender Ö1 und FM4, die sich der zeitgenössischen österreichischen Musikszene jenseits des Mainstreams annehmen, verschränkt mit dem Radiokulturhaus als Veranstaltungsort.

Die Band Madame Baheux selbst hat ihr aktuelles Album im vergangenen Oktober im großen Sendesaal präsentiert. Nun tourt sie mit „Too Big To Fail“ durch Österreich. In der aktuellen Besetzung gibt es das Quartett seit dem Jahr 2012, der Name leitet sich vom Wiener Ausdruck „Bahöl“ ab, der vom jiddischen „behole“ kommt und Radau oder Klamauk bedeutet. Diese Komponenten kommen in der Musik von Madame Baheux vor, allerdings in sehr hoher künstlerischer Qualität. Die Auftritte sind leidenschaftlich, gleichzeitig sehr souverän. Gerade die Bandleaderin Popržan lässt neben ihrer eindringlichen, großartigen Stimme oft ihr komödiantisches Talent aufblitzen.

Wer ist Madame Baheux? Popržan wurde in Novi Sad in Serbien geboren, wuchs in einem künstlerischen Umfeld auf, lernte Geige und Bratsche, kam zum Musikstudium nach Österreich, gründete Bands wie Catch-Pop String-Strong mit der Cellistin Rina Kaçinari. Aktuell steht sie etwa im Duo mit der Bassistin Tahereh Nourani sowie als Schauspielerin auf der Bühne.

Maria Petrova stammt aus Plowdiw in Bulgarien. Sie begann als Kind Schlagzeug zu spielen und hielt es erst einmal zwei Monate vor ihren Eltern geheim. Als diese dann doch zustimmten, dass ihre Tochter das als mädchenuntypisch geltende Instrument erlernen durfte, ahnten sie nicht, wie ernst es ihr damit war. 1999 übersiedelte Petrova nach Wien, studierte und spielt seit vielen Jahren unter anderem bei der Tschuschenkapelle und Ernst Molden und das Frauenorchester. Die „positive Diskriminierung“, die sie als Drummerin bisweilen erfährt, lässt sie schmunzeln. „Wenn ich sage, hallo, ich bin Maria und ich spiele Schlagzeug, gehen die meisten davon aus, dass ich es nicht wirklich kann. Beim Soundcheck flippen sie dann aus. Bei einem Mann hätten sie wohl nicht so reagiert. Ein selbstsicherer Auftritt kann schon verunsichern.“

Ljubinka Jokić ist in Banja Luka in Bosnien aufgewachsen. Ihr Vater, der selbst Gitarrist war, hätte seine Tochter lieber mit dem Akkordeon gesehen. Und sie versuchte es auch. „Doch als ich das Akkordeon verkauft, mir dafür E-Gitarre und Verstärker zugelegt habe, verlor ich jede Unterstützung meiner Eltern“, erzählt Jokić. 1992 flüchtete sie mit ihrer Familie nach Wien, spielte unter anderem in Bands, die Musik vom Balkan neu interpretierten, ihre Gitarrensoli sind in der Wiener Musikszene legendär. Eines der Stücke des neuen Albums, „Ages“, hat sie aus dem Traum heraus komponiert, eine Fantasie aus Schlagzeug- und Gitarrensoli sowie rauen Streicherklängen.

Die Kontrabassistin Lina Neuner ist nicht nur ausgebildete Musikerin, sondern auch Chemikerin, kommt aus Klosterneuburg und war unter anderem Teil des Dreckigen Orchestras der Wiener Liedermacherin Tini Trampler. Rhythmisch außerordentlich versiert, spielt Neuner sich in jeden Balkan-Rhythmus ein, komponiert Stücke, die nicht nur musikalisch experimentell sind, sondern auch feine Sprachspiele enthalten. „The Elegy of El“ ist so eines. Dem spanischen Artikel „El“ fehlt „das letzte Wort und somit das Subjekt“, schreibt Neuner im Booklet über das zarte, bisweilen ins Düstere abgleitende Stück.

Dass Madame Baheux vier Frauen sind, ist dem Publikum meist wichtiger als der Band selbst. „Obwohl es markttauglich ist, ,Frauenband mit Balkan-Touch‘ zu heißen, wollen wir darauf verzichten, denn wir würden uns gegebenenfalls von der Bezeichnung ,Männercombo mit Alpin-Appeal‘ auch distanzieren wollen“, formuliert Popržan. Fantastische Künstlerinnen, deren Weltmusik in alle Richtungen grandios ausufert, wäre wohl auch treffender.

Stefanie Panzenböck in FALTER 11/2019 vom 15.03.2019 (S. 32)



Rezension aus FALTER 40/2018

Die Band um Jelena Popržan, Wienerin aus der Vojvodina, veranstaltet tatsächlich einen Mordstrumm-Bahö zwischen Rock, Jazz und Roots-Musik aus Südosteuropa. Stücke wie ihre Umsetzung des bulgarischen Traditionals „Dilmano Dilbero“, eines zweideutigen Liedes über Landwirtschaft und das Reinstecken von Pflanzen, sind gleichzeitig raffiniert arrangiert. Der Nachteil ihres „Anything goes“-Ansatzes ist, dass nicht jeder Stilmix, jede überraschende Kombi gleich gut gelingen kann.

Sebastian Fasthuber in FALTER 40/2018 vom 05.10.2018 (S. 28)

Titelliste
1. 
Dilmano, Dilbero
3:48
2. 
Ages
4:58
3. 
How many times I've heard this song
4:33
4. 
Karanfil se na put sprema
3:50
5. 
We'll change the world
2:54
6. 
Brala moma ru a cvete
5:04
7. 
Ratschenitza des verliebten Steuerberaters
3:13
8. 
Technoidl
5:36
9. 
Elegy of el
5:23
10. 
Mominsko horo
3:53
11. 
Too big to fail
4:26
12. 
The Mikl-Leitner-Blues
4:30
13. 
La infreddolita
1:42
14. 
Gdje je onaj cvijetak uti
3:23

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