BRIGHT SIDE

von Muthspiel Wolfgang Trio

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Label: MATERIAL R
Format: CD
Genre: Jazz
Umfang: 9 Tracks, Gesamtspielzeit 55:27 Min.
Erscheinungsdatum: 03.03.2006


Rezension aus FALTER 10/2005

"Louis Armstrong ist sexy"

Wolfgang Muthspiel hat ein neues Trio, eine neue Platte und gibt demnächst ein Konzert in Wien. Mit dem "Falter" sprach er über seine iTunes-Liste und seine jüngsten CD-Käufe, über Keith Jarrett und Brad Mehldau, Brahms und Prince.

Er hat mit vielen Stars des zeitgenössischen Jazz gespielt und ist mittlerweile selbst längst zu einer internationalen Größe geworden - ganz ohne chauvinistische Übertreibung. Schließlich wurde der Jazzgitarrist Wolfgang Muthspiel im Jahr 2003 von 21 Juroren aus 21 Ländern der Europäische Jazzpreis zugesprochen. Nach mehr als einem Dutzend CDs unter eigenem Namen erschien vor kurzem "Bright Side", die erste Platte mit seinem neuen Trio. Das Debüt dieser bereits bestens eingespielten Formation hält, was sein Titel verspricht: helle, angenehm swingende Musik, die entspannt daherkommt, zugleich aber beim genauen Zuhören immer neue harmonische und rhythmische Details offenbart. Zurzeit ist der vierzigjährige Muthspiel mit seinem Trio auf Europatournee, im Februar tourte er mit dem Afropopstar Youssou N'Dour ("7 Seconds") für ein Filmprojekt in Westafrika. Und dazwischen hatte der umtriebige Musiker und Labelbetreiber Zeit für ein Interview im Café Jelinek.

Falter: Sie leben nach sieben Jahren in New York seit 2002 in Wien. Geht Ihnen hier etwas ab?

Wolfgang Muthspiel: Ich habe absolut keine Sehnsucht nach New York. Ich fühle mich hier gerade sehr wohl. Wenn man nicht auf die Einflüsse von außen angewiesen ist, dann ist Wien eine tolle Stadt, weil sie dich so in Ruhe lässt.

Ihre letzte Trio-Platte haben Sie noch in New York mit zwei Starbegleitern, Marc Johnson und Brian Blade, aufgenommen. Warum spielen Sie jetzt mit einem eher unbekannten Tiroler Brüderpaar?

Nach der Übersiedlung habe ich eine neue Band gesucht, mit der eine langfristige Zusammenarbeit möglich ist. Das heißt konkret, dass die Musiker in Europa wohnen müssen. Also habe ich viele Konzerte besucht und nach jungen Typen Ausschau gehalten. Bei einem Konzert im Porgy & Bess hörte ich dann Matthias Pichler, den Bassisten. Ich fragte ihn, mit welchem Drummer er gerne spielen würde. Und als er sagte: "Mit meinem Zwillingsbruder", war das schon ein Argument. Wir haben uns dann musikalisch sehr vorsichtig angenähert, viel gespielt und kaum geredet, bis das langsam eine Form annahm. Als ich dann anfing, für uns Lieder zu schreiben, wurde es wirklich eine Band.

Ihr zweites Lied auf der neuen Platte heißt "Mehldau". Hat es damit eine besondere Bewandtnis?

Nicht wirklich. Als ich am ersten Teil der Nummer arbeitete, fiel mir Brad Mehldau ein - einfach, weil er sich in einem seiner Stücke sehr leichtfüßig durch einen schnellen Viersiebteltakt bewegt. Und ähnlich ist es bei der Nummer ...

... die mich aufgrund ihrer luftigen Melodik eigentlich eher an Keith Jarrett erinnert hat.

Jarrett ist sicher eine ganz wichtige Inspirationsquelle für mich. Bevor ich zu Hause auf der Gitarre improvisiere, höre ich mir oft 15 Minuten lang Musik von ihm an. Das Motto meiner neuen CD ist ja, dass man das spielt, was man in sich hört. Und das beherrscht Jarrett am besten von allen: Wenn er spielt, dann spielt er sich selbst.

Im "Falter"-Interview hat sich Jarrett abfällig über Mehldau geäußert.

Das hat mich sehr verwundert, als ich das gelesen hab. Denn Mehldau ist ja umgekehrt sehr großzügig, wenn es darum geht, seine Einflüsse zu nennen, und zählt Jarrett ebenso dazu wie Bill Evans oder Lyle Mays.

Jarrett spielt - wie Mehldau - viel im Trio. Ist auch das für Sie wichtig?

Vielleicht indirekt. Die ersten Trio-Aufnahmen waren damals schon der echte Hammer für mich, weil Jarrett da mit den Standards genau so frei umging, als ob er solo improvisieren würde. Im Übrigen ist das Trio ja eine Grundformation im Jazz. Da könnte auch das Bill Evans Trio als Einfluss herhalten, das ich eine Zeit lang sehr intensiv gehört habe. Auch Gitarristen haben oft tolle Trios gehabt, wie Pat Metheny oder Jim Hall, der die Jazzgitarre um etliche Aspekte bereicherte.

Wie weit in die Musikgeschichte reichen denn Ihre Einflüsse zurück?

Also bei Barney Kessel bin ich nicht dabei. Das hängt aber weniger von der historischen Entfernung ab, denn Brahms gefällt mir auch - vor allem, wenn Glenn Gould seine Balladen spielt. Diese Aufnahmen liebe ich! Und Louis Armstrong ist für mich auch heute noch total sexy. Das kann man sich nach wie vor anhören, weil das einfach lebt und tanzt.

Welche Musik außer Brahms und Armstrong lieben Sie noch?

In meiner iTunes-Sammlung gibt es vor allem eine Song-und eine Jazz-Wiedergabeliste, und Keith Jarrett ist da sicher am prominentesten vertreten. Prince kommt auch sehr oft vor.

Was von Prince?

Meine Lieblings-CD von ihm ist "Love Sexy", aber es gibt viele andere Nummern, die mir gut gefallen. Auch diese neue Single, "Te Amo Corazón", von der ich auf MTV das Video gesehen habe, finde ich geil. Es gibt bei ihm immer wieder ganz ungewöhnliche Dinge und Details, die in dieser Art von Musik sonst nicht existieren. In meiner Song-Sammlung kommt aber auch Rebekka Bakken vor. Oder Arvo Pärt mit "Tabula rasa".

Kein zeitgenössischer Pop?

Das hat es noch nicht wirklich zu mir geschafft. Ich bemühe mich eh und höre immer wieder FM4, aber das meiste davon halte ich einfach für einen unglaublichen Schas. Obwohl, wenn man lange genug zuhört, gibt es schon ein paar herausragende Sachen. Zum Beispiel diesen einen Song von einer Sängerin namens Aisha oder so ähnlich, mit diesem swingenden Beat - der kocht von der ersten bis zur letzten Sekunde.

Haben Sie noch viel Zeit, um einfach so Musik zu hören?

Immer weniger. Aber Musik ist für mich schon so etwas wie eine Nahrung - also schau ich auch drauf, was ich einwerfe. Als Label-Inhaber kriege ich natürlich auch ungefragt viel zugeschickt, was ich mir anhören muss. Und als Produzent muss ich auch auswählen, welche Takes auf eine Platte kommen. Das ist aber eine ganz andere Art von Musikhören.

Wie läuft es mit ihrem Label material records?

Das Schiff schwimmt, aber es segelt noch nicht richtig. Vor allem international müssen wir uns noch um Vertriebsstrukturen umsehen, was für ein kleines Team mit drei Leuten eine ziemliche Herausforderung ist. Aber ich denke schon, dass es langfristig eine Chance hat und sich irgendwann einmal von selbst tragen wird. Viele Produktionen tun das jetzt schon.

Ist es angesichts von MP3 überhaupt noch sinnvoll, CDs zu produzieren?

Ja, definitiv. Wir sind ja auch auf iTunes und den ganzen anderen legalen Downloads vertreten, was am Anfang vertraglich ziemlich kompliziert war. Am Umsatz macht das im Vergleich zum herkömmlichen CD-Verkauf aber nach wie vor nur ganz wenig aus. Bei mir selbst ist das ja auch so: Ich lade mir die Songs nur aus dem Netz runter, wenn ich keine Zeit zum Einkaufen habe.

Was war die letzte Platte, die Sie sich gekauft haben?

Muss ich ehrlich sein?

Natürlich!

Das war "Greatest Hits" von Chicago in einer Post bei mir ums Eck. Auf der Platte gibt es zwei Lieder, die ich wirklich mag.

in FALTER 10/2005 vom 11.03.2005 (S. 62)

Titelliste
1. 
Etude #2
4:59
2. 
Mehldau
6:53
3. 
Shanghai
6:06
4. 
Etude #1
4:33
5. 
East coasting
4:32
6. 
Dhafer
9:25
7. 
Homebody
5:31
8. 
Sleep
7:04
9. 
More Igor
6:24

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